Großbankenfusion Fusionspläne stoßen auf Widerstand

Von Klaus Dieter Oehler und Thorsten Knuf 

Gewerkschaften befürchten einen massiven Personalabbau, sollten sich Deutsche Bank und Commerzbank zusammenschließen. Auch die Rolle der Politik wird kritisiert. Nächste Woche befassen sich die Aufsichtsräte mit den Plänen.

Baustelle Bankenbranche: Spekulationen über eine  Fusion von Deutscher Bank (li.) und Commerzbank gibt es seit Langem. Foto: dpa
Baustelle Bankenbranche: Spekulationen über eine Fusion von Deutscher Bank (li.) und Commerzbank gibt es seit Langem. Foto: dpa

Frankfurt - Obwohl die Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank noch nicht einmal richtig begonnen haben, stoßen sie bereits auf heftigen Widerstand. Die Gewerkschaften befürchten durch eine mögliche Fusion einen drastischen Verlust von Arbeitsplätzen, die Volks- und Raiffeisenbanken kritisieren vor allem den Versuch der politischen Einflussnahme, und Oppositionspolitiker sehen in einer solchen Großbank keinen wirtschaftlichen Nutzen.

„Wir haben gelernt, mit solchen Spekulationen umzugehen“, erklärt ein Manager der Commerzbank gegenüber unserer Zeitung. Seit Jahrzehnten schon werde die Bank immer mal wieder zum Objekt von Übernahmegerüchten. Erfolgt ist am Ende nur die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank in der schweren Zeit der Finanzkrise, und nun sei man auf einem guten Weg, heißt es aus dem Kreditinstitut. Auch bei der Deutschen Bank will der seit noch nicht einmal einem Jahr amtierende Vorstandschef Christian Sewing erst einmal für Ruhe sorgen und das Institut neu aufstellen. Eine neue Großfusion nach der Übernahme der Postbank würde da nach Ansicht von Analysten nicht gerade ins Konzept passen.

Einstellung zu einer Großfusion ausgelotet

Die treibende Kraft, die die beiden Vorstandschefs Sewing und Martin Zielke (Commerzbank) zu den Gesprächen bringt, ist vor allem der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Schon seit Monaten werden aus dem Ministerium immer wieder Spekulationen gestreut, Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies – ein ehemaliger Investmentbanker – hätten bereits mit größeren Aktionären beider Banken gesprochen und bei ihnen die Einstellung zu einer Großfusion der beiden deutschen Privatbanken ausgelotet. Nun also sollen sich Sewing und Zielke mit der Situation befassen, „wie sie ist“, hatte Scholz am Montag am Rande eines Treffens der Finanzminister in Brüssel gesagt.

„Es ist nicht Aufgabe des Staates, nationale oder europäische Champions zu schaffen“, kritisierte Marija Kolak, die Präsidentin des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), am Dienstag. „Champions entstehen im Wettbewerb als Folge guter unternehmerischer Entscheidungen.“ Vor diesem Hintergrund sei es an der Zeit, dass der Bund sich möglichst bald aus dem Thema Großbankenbeteiligung zurückziehe und so die Möglichkeit schaffe, „Markterfolg ohne Staatsbeteiligung zu testen“, forderte Kolak. Der Bund hält auch zehn Jahre nach der Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an der Commerzbank.

Im Zweifel vom Steuerzahler gerettet

Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Paus, hält eine Fusion der beiden Großbanken aus wirtschaftlichen Gründen für falsch. „Aus zwei Ertrinkenden wird kein Olympiaschwimmer. Die Fusion ist falsch und wird wenig zur Lösung der Probleme der Institute beitragen.“ Mit einem solchen Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank schaffe sich Deutschland stattdessen einen neuen kranken Bankriesen, der zu groß zum Scheitern sei – und im Zweifel deshalb wieder vom Steuerzahler gerettet werden müsse. „Auch die deutsche Wirtschaft hat bisher keinen Bedarf an einem solchen Rieseninstitut durchblicken lassen.“ Die Grünen würden dies an diesem Mittwoch im Finanzausschuss zum Thema machen, kündigte sie gegenüber unserer Zeitung an.

Am 21. März werden sich wohl auch die Aufsichtsräte beider Banken bei ihren Routinesitzungen mit diesem Thema befassen müssen. Zwar steht es nicht auf der Tagesordnung, aber vor allem die Arbeitnehmervertreter wollen von den Kontrolleuren klare Worte hören. Bei der Deutschen Bank sitzt unter anderen der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirkse, im Aufsichtsrat. „Wir lehnen die Fusion ab“, erklärte sein Gewerkschaftskollege Jan Duscheck, der ebenfalls in dem Gremium sitzt, am Dienstag. Ein Zusammenschluss der beiden Banken sei aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht sinnvoll. Besonders problematisch sei, dass „mindestens 10 000 weitere Arbeitsplätze akut gefährdet wären – zuzüglich der darüber hinaus perspektivisch wegfallenden Arbeitsplätze, weil die Fusion die an das neue Institut gestellten Wachstumserwartungen aus heutiger Sicht nicht erfüllen wird“. Durch eine Fusion der beiden Geldhäuser ergebe sich nicht automatisch ein „nationaler Champion“, argumentierte Verdi. Weil nach einer Fusion immer noch keine selbst im europäischen Markt wirklich große Bank entstehe, würde das neue Institut stattdessen „deutlich attraktiver für eine ‚feindliche‘ Übernahme, zum Beispiel aus Frankreich“.

Auch die Bankengewerkschaft DBV kündigte am Dienstag ihren Widerstand an. „Sollte die Fusion kommen mit dem zu erwartenden großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen“, sagte ein DBV-Sprecher der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Im Vergleich ein Leichtgewicht

Durch die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde ein Mega-Institut mit rund 38 Millionen Kunden, einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro und rund 130 000 Mitarbeitern in aller Welt. Im Vergleich zu ausländischen Großbanken wäre das neue Geldhaus allerdings immer noch ein Leichtgewicht – gemessen an seinem kombinierten Börsenwert von aktuell rund 25,5 Milliarden Euro. Nachdem die Aktien beider Banken zu Wochenbeginn wegen der Spekulation auf einen möglichen Zusammenschluss kräftig zugelegt hatten, rutschten sie am Dienstag wieder ins Minus.