Immer mehr Unternehmen verlegen den Transport auf die Schiene. Einwohner aus Kornwestheim und Stuttgart-Stammheim betrachten das steigende Aufkommen am Containerbahnhof mit Sorge.
Die Dimensionen sind gewaltig: 60 000 Tonnen Erde werden ausgehoben, 6500 Kubikmeter Beton und 700 Tonnen Stahl verbaut. Der Umschlagbahnhof am südwestlichen Rand von Kornwestheim wird derzeit um ein weiteres Modul ausgebaut. Künftig sollen dort noch mehr Container von der Schiene auf den Lkw und umgekehrt verladen werden. Die Nachbarschaft beäugt das Millionenprojekt allerdings kritisch.
Nahe der Westrandstraße sind die Bauarbeiten derzeit in vollem Gange. Mit einer großen Spezialmaschine, die auch beim Bau von Autobahnen zum Einsatz kommt, werden dicke Betonfahrspuren angelegt. Momentan wird an einer Wendeschleife gearbeitet. Bis Ende kommender Woche sollen alle Betonflächen fertig sein.
Bedarf nach zusätzlichen Ladekapazitäten
Fünf Fahrspuren sind es am Ende insgesamt: je eine Fahr -, Lade – und Rückfahrspur für die Lastwagen und zwei Abstellspuren für Container. Zwei Gleise für das neue Modul gibt es bereits. Insgesamt sollen später vier Umschlaggleise mit einer kranbaren Länge von je 600 Metern verfügbar sein. Die beiden neuen, 29 Meter hohen Portalkräne werden mit Strom betrieben und können bis zu 41 Tonnen heben.
Mit dem dritten Modul will der Umschlagbahnhof der Deutschen Umschlaggesellschaft Schiene-Straße (DUSS) in Kornwestheim seine Kapazitäten erweitern und zum größten Terminal in Baden-Württemberg werden. Bis jetzt sind dort im Jahr 175 000 Ladeeinheiten möglich. In Zukunft sollen dort bis zu 1000 Einheiten pro Tag umgeschlagen werden können.
Trotz schwächelnder Wirtschaft steigt die Nachfrage
Obwohl die Automobilindustrie momentan schwächelt, sieht Standortleiter Thomas Wünsch die Notwendigkeit für den Ausbau. Regionale Firmen wie Bosch, Daimler und Porsche machen nach wie vor einen großen Teil des Geschäfts in Kornwestheim aus. Auch andere Kunden, die in der Region, aber auch deutschlandweit tätig sind, wie DHL, Drogerien und größere Einzelhändler gehören dazu. Wünsch spricht auch von einer steigenden Nachfrage beim maritimen Verkehr.
Eine Verkehrsprognose für das Jahr 2030 sieht einen Bedarf zur Steigerung auf 248.000 Ladeeinheiten pro Jahr vor. „Immer mehr Unternehmen wollen auf die Schiene“, bestätigt Wünsch. Mit dem dritten Modul soll die Zahl der Mitarbeiter von 35 auf etwa 46 wachsen. Auch die DB betont, dass man damit dem Bedarf an umweltfreundlichen Lösungen für den Transport von Waren und Gütern gerecht werden möchte.
Anwohner sind besorgt wegen Lärm und Verkehr
In der Stadt Kornwestheim, aber auch im nahen Stammheim wurden die Pläne mit Skepsis und Sorge beobachtet. Die Einwohner befürchten viel zusätzlichen Verkehr. Schon jetzt fahren täglich etwa 200 bis 400 Lastwagen zum Umschlagbahnhof. Dass das zunehmende Lkw-Aufkommen den Anwohnern missfällt, ist Thomas Wünsch bewusst. „Wir werden versuchen, durch die Digitalisierung die Prozesse im Eingangsbereich des Terminals zu beschleunigen“, sagt er. Durch die digitale Erfassung und Verkehrsführung der Fahrzeuge sollen die Wartezeiten der Lastwagen reduziert und somit Staus und Verkehrschaos im Zufahrtsbereich vermieden werden.
Auch der Lärm war in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema. Weil von Montag bis Samstag im Drei-Schicht-Betrieb im Umschlagbahnhof gearbeitet wird, also auch nachts, beschweren sich die Anwohner über den Krach. Um die Nachbarn weniger zu belasten, wurde das Piepsen des Warntons der Kräne durch ein weißes Rauschen ersetzt, sagt Wünsch. Zudem arbeite man daran, durch ein sanfteres Aufsetzen der Container den Lärm noch weiter zu reduzieren.
Betrieb geht Ende November los
Das neue Modul soll am 28. November in Betrieb genommen werden. „Die Arbeiten liegen im Zeitplan“, sagt Projektplanerin Petra Lux. Noch ausstehende Restarbeiten sollen bis Juni 2026 abgeschlossen sein. Auch der finanzielle Rahmen wird voraussichtlich eingehalten: Die Gesamtkosten von 53 Millionen Euro werden von Bund und DB finanziert und mit 21 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert.