Großbaustelle in Leonberg Tod einer Idee: Asbest macht Aktionen auf dem Postareal unmöglich

Blick auf die Baustelle: Die Idee der Zwischennutzung auf dem Postareal ist passé. Foto: Simon Granville

Konzerte, Theaterstücke, Foodtrucks – die Ideen für eine Zwischennutzung des Leonberger Postareals vor Baubeginn existierten. Daraus wird nun nichts, wie Investor Strabag verkündet.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Der Plan war eigentlich ganz charmant: Während auf dem Postareal in Leonberg noch nicht gebaut wird, könnte man die Fläche im Sommer dieses Jahres noch anderweitig nutzen. Von Mai bis September und vielleicht auch darüber hinaus hätte das Gelände bis zum Start der Bauarbeiten im kommenden Jahr Platz für Konzerte, Chill-out-Areas, Foodtrucks und vieles mehr bieten können – Aktionen von „kreativen Machern“, wie es noch im Januar im Aufruf zu einem Workshop zur angedachten Zwischennutzung des Grundstücks hieß. Auch für die Leonberger Theatertage im Mai war die Aufführung eines Stückes auf dem Postareal geplant.

 

Die Asbest-Entsorgung ist schwierig und zeitaufwändig

Doch daraus wurde nichts. Und auch alles andere, was man sich hätte für die 1,55 Hektar große Fläche so hätte vorstellen können, fällt definitiv ins Wasser. Das teilte jüngst zuerst der Projektentwickler Strabag Real Estate und später auf Nachfrage auch die Stadt Leonberg mit. Letztere hat zwar lediglich in unterstützender Form mit dem Projekt Zwischennutzung zu tun, in vollem Umfang jedoch mit der Ursache der Absage. Der Grund, aus dem nun alles abgeblasen wurde: Asbest. Die gesundheitsgefährdenden Fasern wurden unter anderem in einer Bodenplatte des inzwischen abgerissenen Hauptpostgebäudes gefunden. Und ihre Entsorgung gestaltet sich schwierig und zeitaufwändig.

Also informierte die Strabag, „dass sich unsere geplante Zwischennutzung des Postareals Leonberg in der ursprünglich angedachten Form nicht mehr realisieren lässt“. Der Rückbau der Bestandsgebäude verzögere sich weiter, da derzeit noch Abstimmungen zwischen der Stadt Leonberg und dem zuständigen Abbruchunternehmen liefen. „Möglicherweise wird eine Neuausschreibung erforderlich, auf die wir als Projektentwickler keinen Einfluss haben.“ In den vergangenen Monaten habe man alles darangesetzt, das Vorhaben umzusetzen. „Mit den nun vorliegenden Rahmenbedingungen ist das leider nicht mehr möglich.

Blick Richtung Grabenstraße: Auf dem Postareal ist so gut wie alles entsorgt. Nur die Bodenplatte macht Probleme. Foto: Simon Granville

Kommt das alles überraschend? Jein. Im Oktober 2024 hatte der Abriss begonnen. Schon spätestens im Februar war klar, dass die Bodenplatte Probleme bereiten würde. Konkret geht es laut Baubürgermeister Klaus Brenner „um eine zweite Platte unter der ersten“. Diese sei mit Asbest-Abdichtungen versehen. Als die Schwierigkeiten aufgetaucht seien, sei man mit dem Abbruch eigentlich quasi fertig gewesen. Auch andere asbestverseuchte Teile waren zu diesem Zeitpunkt bereits fachgerecht entsorgt worden.

Das neue Problem: Die Entsorgung der Bodenplatte wird nun alles in allem so teuer, dass der Auftrag teilweise neu ausgeschrieben werden muss. Auf Nachfrage spricht Klaus Brenner von „einem sechsstelligen Betrag, nicht im unteren Bereich“. Allerdings war schon im Juni 2024, als die Stadt die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten vergeben hatte, klar: Es würden Nachtragsforderungen des beauftragten Unternehmens kommen. So kam es auch.

Arbeiten mit Asbest machen jegliche Projekte unmöglich

Fakt ist: Sobald auf der Baustelle mit Asbest hantiert wird, ist jegliche Art der Zwischennutzung gestorben. Und da der Abbau der Bodenplatte spätestens im September starten soll, verkleinert sich der mögliche Zeitrahmen drastisch – was letztlich zur Absage durch die Strabag führte. „Es hätte ein Zeitfenster gegeben“, so Brenner, „aber das war ihnen nun eben zu kurz.“ Die große Frage, die sich nicht wenige Leonbergerinnen und Leonberger jetzt stellen: Verschiebt sich mit dem ganzen Hin und Her in Sachen Asbest auch der Baustart im kommenden Jahr? Schließlich sollen auf dem Postareal rund um einen zentralen Platz Geschäfte, Gastronomie, Praxen, Büros sowie rund 100 Wohnungen entstehen. Die Antwort lautet vorerst: nein. Klaus Brenner betont: „Die Strabag wird im Jahr 2026 dort bauen.“

Baubeginn und Brückenschlag: Zeitplan wohl nicht in Gefahr

Auch der Start des viel beachteten sogenannten „Brückenschlags“, also der Bau einer Brücke als Übergang zwischen dem neuen Stadtquartier und dem historischen Teil Leonbergs, sei nicht in Gefahr. Für dieses Projekt ist nicht die Strabag, sondern das Baudezernat der Stadt verantwortlich – auch finanziell. 2027 soll die Brücke umgesetzt werden, im kommenden Jahr soll das international aufgestellte Büro Schlaich, Bergermann und Partner die Pläne vorlegen.

Was ist eigentlich Asbest?

Mineral
Asbest ist ein natürliches, faseriges Mineral, das aufgrund seiner Isolierfähigkeit und Hitzebeständigkeit früher häufig im Bauwesen verwendet wurde. Es wurde und wird in Steinbrüchen und Stollen gewonnen und anschließend aufbereitet.

Krebserreger
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte man einen Zusammenhang zwischen Asbest und Erkrankungen („Asbestose“), in den 1940ern speziell zum Lungenkrebs. In Deutschland ist die Herstellung und Verwendung von Asbest seit 1. Januar 1993 verboten.

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