Der Harzberg gilt als Extremstandort: hohe Sonneneinstrahlung, Hitze, Wasserknappheit, Hanglage und flachgründige Böden stellen besondere Herausforderungen dar. Genau diese Bedingungen machen die Fläche jedoch zu einem idealen Lern- und Versuchsraum.

 

Wir wollen nicht abwarten, bis sich Probleme weiter verschärfen, sondern jetzt praktisch erproben, welche Lösungen unter diesen Bedingungen funktionieren“, erklärt Oliver Hartstang, 1. Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Großbottwar. „Der Harzberg ist dafür prädestiniert: Was hier besteht, wird auch an vielen anderen Standorten in Zukunft bestehen können.“

Im Reallabor werden unterschiedliche Pflanz- und Bodenaufbaumethoden getestet. Dazu zählen unter anderem die Direktaussaat von Obst (Tresteraussaat), spezielle Pflanzformen wie Affolterpflanzungen, der Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen zur Förderung des Bodenlebens sowie Maßnahmen zur Wasserspeicherung und Erosionsminderung. Untersucht wird die Eignung verschiedener Obstarten wie Apfel, Birne, Quitte, Pfirsich, Aprikose, Mirabelle, Feige oder Speierling.

Begleitet wird das Projekt auch durch fachliche Expertise aus dem Pomologenverein. Christoph Schulz, Vertreter des Pomologenvereins, sieht im Reallabor einen wichtigen Ansatz für den Erhalt obstbaulicher Vielfalt:
Extremstandorte zwingen uns, genauer hinzuschauen: Welche Sorten und Unterlagen sind wirklich robust, und welche kommen mit Hitze und Trockenheit zurecht? Das Reallabor bietet die Chance, alte Sorten, Sämlinge und neue Ansätze unter realen Bedingungen zu vergleichen und daraus belastbare Erkenntnisse zu gewinnen.“

Neben ökologischen Fragestellungen spielt auch die wirtschaftliche Perspektive eine Rolle. Ziel ist es, langlebige Gehölzsysteme zu etablieren, die nicht nur ökologisch wertvoll sind, sondern auch Erträge liefern und in die Kulturlandschaft passen. Die gewonnenen Erfahrungen sollen langfristig auf andere vergleichbare Standorte übertragbar sein.

Das Reallabor Harzberg ist bewusst als offenes Projekt angelegt. „Wir verstehen das Reallabor als gemeinsames Lernprojekt – für den Verein, für die Region und für alle Interessierten“, betont Hartstang.

Helferaufruf

Für kommende Pflanzaktionen, Pflegearbeiten, Beobachtungen und Dokumentation sucht der Obst- und Gartenbauverein engagierte Helferinnen und Helfer. Vorkenntnisse sind willkommen, aber nicht erforderlich. Wichtig sind Interesse, Neugier und Freude an gemeinsamer Arbeit in der Natur.

Kontakt für Interessierte:
Oliver Hartstang
E-Mail: o.hartstang@ogv-grossbottwar.de

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