Ein Großbrand im ehemaligen „Ochsen“ in Pleidelsheim hat in der Nacht das Ortsbild zerstört. Anwohner mussten per Drehleiter aus ihren Wohnungen gerettet werden. Der Einsatz dauert an.
Das Ortsbild von Pleidelsheim ist nicht mehr dasselbe. Der ehemalige Ochsen sowie angrenzende Gebäude am Schillerplatz mitten im Herzen der Gemeinde standen in der Nacht auf Sonntag in Flammen. Mehr als 50 Personen mussten ihre Wohnungen oder Hotelzimmer verlassen. Die Polizei schätzt den Schaden auf 1,5 Millionen Euro. „Es war ein sehr unübersichtlicher Einsatz“, so Feuerwehrkommandant Timo Günther. „Ein dramatischer Einsatz.“
Fluchtwege waren abgeschnitten
Ursprünglich erging gegen 3.45 Uhr eine Alarmierung der Stufe B3: Rauchmelder in Mehrfamilienhaus. Doch schon bei der Anfahrt zum Gerätehaus in der nahe gelegenen Friedrichstraße bemerkten die Einsatzkräfte den Feuerschein. An der Feuerwehr warteten zudem bereits Bewohner der betroffenen Gebäude in großer Aufregung. „Sie informierten uns darüber, dass noch Menschen in den Häusern seien“, so der Kommandant. Auch die Leitstelle hatte den Einsatz auf „Leben in Gefahr“ hochgestuft, da weitere Notrufe eingegangen waren.
Acht Bewohner waren laut Feuerwehr in ihren Wohnungen eingesperrt. „Die Fluchtwege durchs Treppenhaus waren durch Rauch oder Feuer abgeschnitten“, so Günther. Hinzu kam, dass Wohnungen auf der Vorder- und Rückseite des Hauses betroffen waren – also genau gegensätzlich im Gebäude gelegen. Acht Bewohner wurden mithilfe der Dreh- und Schiebleiter gerettet. Auch die angrenzenden und zum Teil aneinandergebauten Wohngebäude und das „Hotel am Schillerplatz“ wurden evakuiert. Nach aktuellem Kenntnisstand des Kommandanten mussten sechs Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden, „aber meines Wissens nach ist niemand schwerer verletzt worden“. Laut Polizei konnte diese alle bereits wieder entlassen werden.
Giebel muss eingerissen werden
Die Löscharbeiten dauerten am Sonntagmorgen weiter an – und gestalteten sich nicht unkompliziert. Die Gebäude seien teils denkmalgeschützt und dementsprechend sehr alt und verwinkelt. Dadurch entstünden zum einen immer wieder Glutnester. Zum anderen könne nur von außen gelöscht werden, da das Löschwasser durch sämtliche Stockwerke bis in die Keller und die Pizzeria im Erdgeschoss laufe. „Der Giebel ist zudem einsturzgefährdet“, so Kommandant Timo Günther. Bagger sollten anrücken und diesen einreißen. Er ging bereits am Morgen davon aus, dass sich der Einsatz noch den gesamten Tag über hinziehe. Die Straßen im Bereich der Ortsmitte waren gesperrt.
Der Giebel ist einsturzgefährdet und wird abgerissen. Das Ortsbild von Pleidelsheim ist nicht mehr dasselbe. Foto: KS-Images.de / Andreas Rometsch
Wie genau es zu dem Brand gekommen ist, ist noch vollkommen unklar. Eine Wohnung im ersten Obergeschoss sei in Vollbrand gestanden. Mehr lasse sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die betroffenen Anwohner und Hotelgäste sind derweil von Bussen der Feuerwehr nach Ludwigsburg gebracht worden. Dort sind sie in einem Hotel untergekommen, das demselben Betreiber wie das betroffene „Hotel am Schillerplatz“ gehört.
Zeitweise waren über 100 Einsatzkräfte und mehr als 20 Fahrzeuge der umliegenden Feuerwehren vor Ort. Hinzu kommen noch zahlreiche Kräfte des Rettungsdienstes. Und die Bürgermeisterin Sabrina Lee, die wie die Feuerwehr ebenfalls kurz vor 4 Uhr durch den Alarm geweckt wurde. Nachdem sie gesehen habe, dass es sich um die höchste Einsatzkategorie seit mehr als einem Jahrzehnt handele, sei sie sofort losgefahren.
Bürgermeisterin dankt Einsatzkräften
Ihr größter Respekt und Dank gelte den Einsatzkräften „nicht nur aus Pleidelsheim, auch aus Murr, Marbach und Ludwigsburg“, die durch ihr rasches Handeln verhindern konnten, dass bei dem Großbrand noch mehr Menschen zu Schaden gekommen sind. Die Bestürzung bei der Bürgermeisterin über den Schaden ist dennoch groß: „Das ist kein normales Gebäude, sondern ortsbildprägend. Eines der ältesten Gebäude der Gemeinde. Jeder sieht es, wenn er durch Pleidelsheim fährt.“