Großbrand in Warmbronn Brand: Jetzt ermittelt die Kripo

Von Arnold Einholz 

Die Nachlöscharbeiten nach dem Brand in der Gäranlage dauern noch einige Tage. Doch was war die Brandursache?

Wenn die Brandstelle abgekühlt ist und keine   Gefahr mehr durch Einsturz besteht, dann beginnen  die Spezialisten der Kriminalpolizeidirektion Böblingen  ihre  Arbeit. Foto: factum/Jürgen Bach
Wenn die Brandstelle abgekühlt ist und keine Gefahr mehr durch Einsturz besteht, dann beginnen die Spezialisten der Kriminalpolizeidirektion Böblingen ihre Arbeit. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Am Tag nach dem verheerenden Brand in der Vergärungsanlage des Landkreises bei Warmbronn beginnt die große Suche. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard und der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebes, Wolfgang Bagin, müssen nach Abnehmern für den Inhalt der Biomüll-Tonnen aus dem Kreis Böblingen suchen. Die Feuerwehr und der ­Betreiber suchen nach Möglichkeiten, das ausströmende Biogas kontrolliert abbrennen zu lassen. Und die Beamten der Kriminalpolizei­direktion Böblingen machen sich auf die Suche nach der Brandursache.

Die Wehrleute haben auch damit begonnen, die an vielen Stellen noch brennende und glimmende Biomüllmasse aus den Hallen zu ­entfernen. Mit Baggern wird diese herausgeführt, groß­flächig ausgebreitet und abgelöscht, bevor sie im Freien zum Abtransport gelagert wird. Dafür sind zwölf Feuerwehrleute im Einsatz

„Das wird noch einige Tage dauern, wir hoffen, dass feuerwehrtechnisch spätestens am Sonntag alles erledigt ist“, sagt Stefan Rometsch. Zusätzlich muss die Wehr nämlich auch rund um die Uhr eine Brandwache stellen. „Man darf nicht vergessen, dass die Männer und Frauen alles Ehrenamtliche sind. Das wird auf die ­Dauer zu einer unzumutbaren Belastung“, gibt der stellvertretende Feuerwehrkommandant zu bedenken. Aber sie agieren höchst professionell: Sieben Minuten nach Alarmeingang war der erste Trupp am Brandort, wo alles bereits lichterloh brannte – und das nachts um 2 Uhr.

220 Helfer waren im Einsatz. Foto: SDMG
Wenn die Brandstelle abgekühlt ist und keine Gefahr mehr durch Einsturz besteht, dann beginnen die Spezialisten der Kriminalpolizeidirektion Böblingen ihre Arbeit. „Als erstes wird der Ort gesucht, von dem der Brand ausgegangen ist“, erläutert Kriminaldirektor Mathias Bölle. „Er ist der Ausgangpunkt unserer Er­mittlungen“, sagt er. Dann werde im ­Ausschlussverfahren die Ursache für den Brand ermittelt. Das wird noch einige Zeit dauern, doch vorläufige Erkenntnisse würden darauf hindeuten, dass es keine fahrlässige oder vorsätzliche Brandursache gebe. „Die erste Tendenz geht in die Richtung einer ­natürlichen technischen Ur­sache“, formuliert es Kriminaldirektor Bölle.

„Hier wieder aufzubauen macht schon deshalb Sinn, weil zwei wichtige Elemente der Anlage nicht beschädigt sind“, sagt Wolfgang Bagin, der Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises. Es handelt sich dabei um den 25 Meter hohen Gärturm und die beiden Aggregate, die mit dem Biogas Strom erzeugen. In dem Turm wird der Biomüll zum Gären gebracht. Diesen hat seinerzeit eine belgische Firma errichtet, die Ausrüstungen für Bierbrauereien baut. Letztendlich laufen hier die gleichen Prozesse ab wie beim Bierbrauen. Nur wird in der Leonberger Anlage das Biogas, das Methan, genutzt.

Und das ist nun ein Problem. Läuft der Gär-Vorgang, lässt er sich nicht so einfach stoppen und weil die Stromversorgung ausgefallen ist, lässt sich auch die Sauerstoffzufuhr nicht drosseln. Der Turm ­produziert weiterhin Methan – was bis zu zwei Wochen andauern kann. Weil der Tank aber zerstört ist, kann das Methan nicht mehr eingefangen werden. Mit provisorischen Mitteln ist es der Feuerwehr gelungen, eine so genannte Fackel zu errichten, über die das Gas verbrannt wird.

Der entstandene Schaden ist enorm hoch. Foto: factum
Dabei haben sich die Leonberger Rat von Wolfgang Räth geholt. Der Feuer­wehr­mann aus Bad Waldsee ist Fach­berater für seine Kollegen im Kreis ­Ra­vens­burg, wenn es um Vorfälle in Biogas­anlagen geht. Nun muss eine Lösung her, wie die geborstenen Gasleitungen an die Fackel angeschlossen werden können, die zur Grundausstattung der Anlage gehört. Diese Fackel kommt zum Einsatz, wenn Gas kontrolliert abgebrannt wird, weil die Stromaggregate gewartet werden.

Die jetzige provisorische Fackel zu ­beobachten, das gehört auch zu den Aufgaben, die die Leonberger Feuerwehr noch zu lösen hat. Diese ist nämlich voll mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt. „Nach einer Begegnung mit dem Betreiber und einem Abrissunternehmer haben wir festgelegt, was als erstes in den Hallen, die nur noch ein Gerippe sind, entfernt werden muss, damit niemand zu Schaden kommt“, sagt Stefan Rometsch.