Große Chance für Schönaich BBG kauft Honeywell-Areal in Schönaich

Dieser Anblick gehört wohl bald der Vergangenheit an und zeigt nur einen kleinen Ausschnitt des 2,3 Hektar großen Geländes. Foto: /Stefanie Schlecht

Das Gelände ist 2,3 Hektar groß und damit das flächenmäßig größte Projekt der Böblinger Baugesellschaft. Für Schönaich ist die Bedeutung des Geländes im wahrsten Sinn des Wortes zentral. Bürgermeisterin Anna Walther hofft auf eine neue, belebte Ortsmitte.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Die Nachricht ist ein Paukenschlag: Die Böblinger Baugesellschaft (BBG) hat – wie sie am Montag bekannt gab – im Mai das Honeywell-Areal in Schönaich gekauft. Das 2,3 Hektar große Gelände befindet sich mitten im Ort, ist für die Entwicklung der Gemeinde zentral und steht seit 2022 leer.

 

Was dort genau hinkommt, ist noch offen. Ideen für das Areal sollen bei einem städtebaulichen Wettbewerb und zusammen mit den Bürgern Schönaichs entwickelt werden, erklären BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske und Schönaichs Bürgermeisterin Anna Walther (SPD) bei einem Pressegespräch. Bei der Bürgermeisterin ist die Freude groß. Denn das Thema der – fehlenden – Ortsmitte ist eines, das die Gemeinde seit Langem beschäftigt. Walthers Hoffnung: Das dort eine neue Ortsmitte und ein „Vorzeigeprojekt der Schönbuchlichtung“ entsteht.

Seit 2020 an Areal dran

Das Gelände bietet laut Ganske Platz für 400 bis 500 Wohneinheiten beziehungsweise Wohneinheiten-Äquivalente, also Gewerbeflächen. Es ist für die BBG das flächenmäßig größte Projekt. Der Startschuss für den städtebaulichen Wettbewerb soll noch dieses Jahr fallen. Grundsätzlich sieht die BBG eine Erschließung in mehreren Bauabschnitten vor.

Dem Kauf waren langwierige Verhandlungen vorangegangen. „Wir sind seit 2020 am Honeywell-Areal dran“, sagt Ganske. Damals hatte das Unternehmen Honeywell bekannt gegeben, den Standort in Schönaich dichtzumachen, 2022 verließen die letzten Arbeiter das Werk. Für die BBG sei das Gelände von besonderer Relevanz, weil Schönaich eine Gesellschafter-Kommunen der Baugesellschaft ist – zusammen mit Böblingen.

Nicht viel los auf dem Honeywell-Gelände. Das soll sich ändern. Foto: //Stefanie Schlecht

Über Details der Verhandlungen, auch über den Kaufpreis, gibt Ganske nichts bekannt. Er deutet jedoch an, dass es äußerst kompliziert war, im internationalen Umfeld einen Vertrag aufzusetzen, mit dem alle Seiten zufrieden waren. Gekauft hat die BBG das Areal von der Honeywell-Penisonskasse. Als Beispiel für Herausforderungen nennt Ganske Altlasten, die teilweise im Boden aber vor allem in den Gebäuden vorhanden sind und bei Voruntersuchungen dokumentiert wurden – beispielsweise asbesthaltiger Estrich oder schwarzer Kleber unter den Teppichböden. Das US-amerikanische Recht gehe strenger mit Altlasten um als das deutsche Recht, sodass für den Umgang damit erst Lösungen gefunden werden mussten. „Es stand wirklich auf Messersschneide“, sagt der BBG-Geschäftsführer. Umso stolzer zeigt er sich darüber, dass der Kauf nun gelungen ist.

Zu dem Areal, das sich südlich des sogenannten Stachus-Kreisels mitten in Schönaich befindet, gehören Grundstücke rechts und links der Böblinger Straße. Außerdem noch ein Parkplatz an der Hofstraße. Das Gelände bringt einige Herausforderungen mit sich. Das sind nicht nur die Altlasten, die entsorgt werden müssen und laut Ganske beispielsweise eine Interimsnutzung erschweren, sondern auch die Backsteinvilla an der Böblinger Straße. Die Villa und ihr Garten stehen unter Denkmalschutz. „Jetzt könnte man sagen, man macht da eine Kita rein“, skizziert Ganske ein potenzielles Szenario. Denn eine Kita bräuchte sowieso einen Garten. Allerdings stelle sich dann die Frage, was man im Innern verändern darf, um es dem Bedarf einer Kita anzupassen.

Wünsche für die Ortsmitte

Das ist eine der vielen Fragen, die es jetzt zu klären gilt. Bürgermeisterin Walther betont, dass auf jeden Fall die Bürgerinnen und Bürger etwas von dem Areal haben sollen. „Wir wollen ein lebendiges Schönaich mit Orten der Begegnung.“ Ihr schwebe beispielsweise eine schöne Außengastronomie vor und eine belebte Erdgeschosszone. Grundsätzlich brauche die Gemeinde Wohnraum, Platz für betreutes Wohnen, mehr Gastronomie, ein medizinisches Versorgungszentrum, Treffpunkte. Ideen gibt es also genug – und sicher noch mehr aus der Bürgerschaft. „Wir müssen aber natürlich auch realistisch bleiben“, schränkt Walther ein. Und auch Ganske sagt: „Wir müssen schauen, dass wir das wünschenswerte und das, was technisch-wirtschaftlich möglich ist, zusammenbringen.“

Die beiden zeigen sich aber zuversichtlich, dass das gelingen wird. „Wenn man die Leute gut mitnimmt, funktioniert das auch“, sagt Ganske. Auch über die Zusammenarbeit machen sich Walther und Ganske keinen Kopf. Die Bürgermeisterin spricht von einem „sehr kompetenten Partner“, Ganske erinnert an die gelungene Zusammenarbeit beim Tränklein-Areal in Schönaich, auf dem fünf Mehrfamilienhäuser und sechs Reihenhäuser entstehen sollen. Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne), als Aufsichtsratsvorsitzender der BBG ebenfalls beim Gespräch dabei, betont, er freue sich gleich zweimal: „Dass es der BBG gelungen ist, das Areal zu erwerben und über die große Chance, die das für Schönaich bedeutet.“

Honeywell in Schönaich und die BBG

Honeywell
Das US-amerikanische Unternehmen hat in Schönaich viele Jahre lang Klimatechnik für größere Gebäude entwickelt. 1984 hatte das Unternehmen die ehemalige Firma Centra-Bürkle übernommen und zu Hochzeiten mehr als 700 Arbeitsplätze gestellt. Nach mehreren Wellen des Stellenabbaus, waren dort zuletzt etwa 160 Mitarbeiter beschäftigt. 2020 wurde verkündet, dass die Niederlassung in Schönaich 2022 dicht gemacht wird. Ein schwerer Schlag für die Angestellten und ein Schritt, der viel Protest hervorrief.

BBG
 Die Böblinger Baugesellschaft mbH (BBG) ist eine Tochtergesellschaft der Stadt Böblingen und der Gemeinde Schönaich. Sie vermietet, verwaltet und betreut laut eigener Angabe rund 2900 Wohnungen in und um Böblingen. In ihrer Verantwortung liegt beispielsweise auch die Entwicklung des Tränklein-Areals in Schönaich und des Pulse-Quartiers in Böblingen.

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