Der Bedarf für ein zweites Frauenhaus im Landkreis Ludwigsburg besteht seit Langem, nun ist auch die Finanzierung fast ganz gesichert.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Arezoo Shoaleh vom Verein „Frauen für Frauen“ ist die Freude deutlich anzumerken: „Das ist für unseren Verein und den Landkreis ein ganz besonderer Tag heute“, sagte sie am Freitag. Denn da kam die Zusage des Landes, die geschätzt 3,7 Millionen Euro teure Sanierung des alten Kurhotels in Ludwigsburg-Hoheneck mit rund 2,8 Millionen zu unterstützen – das entspricht 75 Prozent der Gesamtkosten und damit der maximal möglichen Förderung. Anfang des Jahres hatte der Landkreis Ludwigsburg von den beantragten 900 000 Euro an Fördergeld 500 000 bewilligt, was der Verein als Schlag ins Gesicht empfand. Umso größer ist jetzt die Freude darüber, dass es dank der Finanzspritze des Landes doch noch klappt mit einem zweiten Frauenhaus, das seit Langem gefordert wird, weil das bereits bestehende den Bedarf nicht decken kann.

 

„Wenn wir das realisieren, was jetzt möglich ist, haben wir etwas ganz Besonderes erreicht“, sagt Shoaleh. Zugleich sei die Zusage ein deutliches Signal des Landes, dass der Schutz von Frauen und Kindern auch in Zeiten verschärfter Sparmaßnahmen Priorität habe.

Altes Kurhotel schon in Besitz des städtischen Wohnbauunternehmens

Die Wohnbau Ludwigsburg (WBL) hatte sich das alte Kurhotel bereits vor einiger Zeit gesichert, bislang jedoch hatte es am Geld für den notwendigen Umbau gefehlt. Auch wenn noch etwa 400 000 Euro fehlen ist Shoaleh überzeugt, dass man möglicherweise schon im Herbst, spätestens jedoch im kommenden Frühjahr mit den Arbeiten beginnen kann. „Wir haben schon Gespräche mit dem Landrat Allgaier und Oberbürgermeister Knecht geführt und die haben Stiftungen als mögliche Geldgeber ins Gespräch gebracht“, berichtet sie. „Und sie haben beide gesagt: Wir finden eine Lösung.“ Knecht erklärt dazu: „Wir werden uns jetzt mit dem Verein Frauen für Frauen Gedanken machen, wie diese fehlende finanzielle Lücke noch geschlossen werden kann, sei es durch Spenden oder Stiftungsgelder. Und wir werden nach der Sommerpause auch mit dem Gemeinderat darüber beraten. Klar ist für mich aber schon heute: Nach dieser langen Wegstrecke darf und wird das zweite Frauenhaus nicht an den Finanzen scheitern.“ Sowohl die Stadt als auch der Landkreis schreiben rote Zahlen und fahren deshalb ein Sparprogramm.

Derzeit sei man unter anderem mit der Polizei in Gesprächen, weil es sich bei dem künftigen zweiten Haus um ein offenes Haus handle, das ein eigenes Sicherheitskonzept brauche, sagt Shoaleh. Wenn das ebenso geklärt ist wie die Restfinanzierung, könne das zweite Frauenhaus wohl schon 2027 in Betrieb gehen. Das hielten die WBL und der beauftragte Architekt für realistisch.