Die Skizze zeigt, wie die Landesstraße per begrünter Brücke überwunden werden könnte. Foto:
Der Boss der Firma Hainbuch hat für die Landesstraße von Marbach nach Ludwigsburg ein spektakuläres Konzept entwickeln lassen. Eine „große Summe“ würde er dazu beisteuern.
Christian Kempf
26.02.2026 - 12:00 Uhr
Unter Gerhard Ralls Regie entwickelte sich der Marbacher Spannmittelspezialist Hainbuch von einer kleinen Firma mit 34 Mitarbeitern zu einem Unternehmen, für das weltweit rund 800 Frauen und Männer tätig sind. Bis heute brütet der 84-Jährige über frischen Ideen, versucht, andere damit anzuzünden. Eine seiner neuesten Überlegungen betrifft zwar nicht die Firma, ist aber dennoch spektakulär: Rall schwebt vor, die Landesstraße 1100 zwischen Marbach und Ludwigsburg in einem Teilbereich zu überspannen und in einem Korridor hinauf zur Ludwigsburger Straße einen Abenteuerspielplatz anzulegen.
Rall hat eine Landschaftsarchitektin beauftragt, im Zusammenspiel mit ihm einen Entwurf zu entwickeln. Doch damit soll sein Engagement nicht enden. Eine „große Summe“ würde er für das Projekt zur Verfügung stellen.
Hainbuch-Chef will den Forscherdrang unterstützen
Der Hainbuch-Geschäftsführer Gerhard Rall hat große Pläne für den Korridor im Bereich der Landesstraße nach Ludwigsburg und der Ludwigsburger Straße bei Marbach. Foto: Gerhard Rall
Viele würden an der Stelle sagen, sie wollen mit ihrem Engagement für die Gemeinschaft etwas zurückgeben. „Ich habe aber nichts genommen, deswegen muss ich auch nichts zurückgeben“, betont Rall. Seine Motivation ist eine andere. Er sei dankbar, wenn ihm etwas Gutes widerfahre, sagt er. Diese Haltung hätten ihn seine Eltern gelehrt. Und er sei dankbar dafür, seinen Unternehmergeist in einem freien Land ausleben zu können. „Deshalb tue ich alles, diese Möglichkeit für die Zukunft zu erhalten“, sagt er.
Bei den jungen Menschen möchte er den Tüftler- und Forscherdrang fördern. Rall will den Weg ebnen, dass weiter Firmen gegründet und betrieben werden. „Tüchtige, strebsame, auch risikobereite junge Leute halten uns über Wasser“, sagt er. Mit Sorge blickt Rall deshalb auf Bestenlisten, in denen etliche andere Nationen Deutschland den Rang in puncto Innovationsfähigkeit abgelaufen haben. Vor diesem Hintergrund ist bei ihm die Idee für den Abenteuerspielplatz gereift, wo Mädchen und Jungs auch wieder eins mit der Natur werden und wild sein könnten.
Im Konzept für die gemeinsame Gartenschau mit Benningen im Jahr 2033 ist ein eben solcher sogar vorgesehen, allerdings auf der Schillerhöhe, auf Tuchfühlung zu den Literaturmuseen. „Das kann ja nicht sein“, war Ralls erste Reaktion auf diese Planspiele. Wie solle man hier als Kind auf einer topfebenen Fläche auf Entdeckungsreise gehen, wenn obendrein drumherum die Erwachsenen eher Ruhe suchen? Weil Rall aber nicht nur bruddeln, sondern auch etwas unternehmen wollte, schaltete er die Landschaftsarchitektin ein.
Der Fokus richtete sich auf den Bereich an der Landesstraße 1100 am Neckar. Ralls Konzept sieht vor, die viel befahrene Verkehrsader ungefähr in der Mitte zwischen dem alten Wasserkraftwerk und der Firma EgeTrans auf einer Länge von 100 oder 200 Metern zu übertunneln. Der Verkehrslärm würde so eingedämmt. Spaziergänger könnten die L 1100, beginnend beim entlang der Straße führenden Radweg, mit einer begrünten Fußgängerbrücke überwinden.
Spielplatz mit einer Bobbahn als Vision
Der Abenteuerspielplatz soll viele Wasserelemente enthalten. Foto: Gerhard Rall
Der Abenteuerspielplatz könnte vom Neckar kommend linker Hand auf dem derzeit brach liegenden Streifen zwischen Ludwigsburger Straße und der L1100 angesiedelt werden. „Es muss eine ziemlich wilde Sommerbobbahn geben. Und es braucht viel Wasser“, sagt Rall. Kinder sollten zum Beispiel die Möglichkeit erhalten, Wasser aufzustauen. Einen Seilgarten zwischen den Bäumen fände er ebenfalls charmant. Rechter Hand könnte ein Spielplatz für die Kleineren mit Rutsche und Co. angelegt werden. Erwachsene sollen grillen, Schach oder Boule spielen können.
Fußgänger und vielleicht auch Radfahrer könnten außerdem von hier weiter hoch zu einem Turm und von dort dann über die Ludwigsburger Straße zu der Felswand gelangen und an dieser entlang über einen Eisensteg zu den Literaturmuseen gelotst werden. Ergänzend sieht die Vision einen Parkplatzturm mit vier Stockwerken samt Brücke über die Ludwigsburger Straße zur Schillerhöhe vor.
„Es muss eine ziemlich wilde Sommerbobbahn geben. Und es braucht viel Wasser.“
Gerhard Rall, Geschäftsführer Hainbuch
Rall lässt für all das seine Kontakte spielen. Hochrangige Landespolitiker hätten sich angetan von dem Ansatz gezeigt, sagt er. Das ist nicht unwichtig. Denn selbst sein erklecklicher finanzieller Beitrag dürfte kaum reichen, ein solches Vorhaben zu stemmen. Es bräuchte vor allem Zuschüsse von der öffentlichen Hand. Rall hat auch das im Blick, versucht über Fachleute, die passenden Fördertöpfe aufzuspüren.
Bei der Stadt will man die Überlegungen von Gerhard Rall, insbesondere im Hinblick auf den Abenteuerspielplatz, im Kontext der Gartenschau 2033 aufgreifen, erklärt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Zumal der Hainbuch-Geschäftsführer damit einen Nerv getroffen hat, der Neckar über das Grünevent der Stadt nähergebracht werden soll, wie Trost hervorstreicht. „Neue Fuß- und Radwegeverbindungen, vernetzte Freiräume, verbesserte Aufenthaltsqualität und attraktive Angebote für alle schaffen, das sind neben den klimatischen und nachhaltigen Aspekten die Hauptziele der Stadtentwicklung in Marbach“, betont der Rathauschef.
Und er erklärt weiter: „Mit der Unterstützung von Land und Region setzen beide Gartenschaukommunen Benningen und Marbach aufgrund nachhaltiger Infrastrukturprojekten mit landesweiter Strahlkraft auf hohe Fachförderungen in der Umsetzung der Planungen. Wie beim neuen Hallenbad wird die Stadt aber alleine eine solche Straßenüberführung nicht finanzieren können.“
Letztlich werde ein Gespräch mit Verkehrsminister Winfried Hermann am 31. März Aufschluss darüber geben, ob das Land eine Brückenlösung über die L1100 finanziert und die Flächen entlang der Landesstraße „für einen möglichen Abenteuerspielplatz sinnvoll miteinbezogen werden können“.