Große Sorgen bei Allianz MTV Stuttgart Die Zukunft der Volleyball-Bundesliga steht auf dem Spiel

Ernste Miene: Aurel Irion, Geschäftsführer des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Weil der SC Potsdam offenbar erneut finanzielle Probleme hat, fordern Allianz MTV Stuttgart und SSC Schwerin vom Liga-Verband schnelle und konsequente Gegenmaßnahmen.

Die Freude über den 3:0-Pflichtsieg im vierten Spiel der Finalserie gegen den SSC Schwerin hielt bei Aurel Irion nicht lange an. Eine halbe Stunde später saß der Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart mit nachdenklicher Miene im Vip-Raum der Scharrena. Auf die Frage, ob er nicht erleichtert darüber sei, dass es nun ein entscheidendes fünftes Spiel gebe, antwortete er: „Eigentlich haben wir im Volleyball ganz andere Probleme.“ Und große Sorgen – um die Zukunft der Frauen-Bundesliga.

 

Denn just in der Zeit, in der die Spielerinnen aus Stuttgart und Schwerin eindrucksvoll zeigen, wie schön, spektakulär und spannend ihr Sport sein kann, gibt es neue Hiobsbotschaften aus Potsdam. Dort hat nun offenbar die Spielbetriebs-GmbH, die nach den Vorwürfen der Steuerhinterziehung und des Sozialversicherungsbetrugs (die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen) vor dieser Saison neu gegründet worden war, schon wieder finanzielle Probleme. Was auch deshalb überrascht, weil der Bundesligist noch im Winter von städtischen Sponsoren mit 225 000 Euro gestützt wurde.

Andreas Klemund, der Präsident des SC Potsdam, und Verwaltungsratschef Stephan Goericke, die am Mittwoch ihren Rücktritt zum Monatsende verkündet haben, weil sie zu spät über das neue Etatloch informiert worden seien, sprechen nun von einem Fehlbetrag von rund 400 000 Euro. Der Verein wollte diese Summe nicht bestätigen und widersprach auch Medienberichten, dass die Spielbetriebs-GmbH Insolvenz anmelden müsse. „Wir sind von all diesen Nachrichten völlig kalt erwischt worden“, sagte derweil Daniel Sattler, der Geschäftsführer des Liga-Verbandes (VBL), „wir müssen abwarten, bis die Faktenlage geklärt ist.“

Bis zum 2. Mai müssen die Lizenzanträge gestellt sein

Eines allerdings steht jetzt schon fest: Das Image der Frauen-Bundesliga leidet weiter. „In Potsdam findet ein schmutziges Wäschewaschen statt. Diese negativen Schlagzeilen schaden dem Volleyball und der Liga“, erklärte Michael Evers, der Geschäftsführer des SSC Schwerin. Aurel Irion empfahl der VBL umgehend, dem SC Potsdam, der wie alle anderen Bundesligisten bis zum 2. Mai seinen Lizenzantrag stellen müsste, nicht wieder Fristverlängerungen einzuräumen: „Wir sind schon so oft angelogen worden, diesen Leuten glaube ich nichts mehr. Wie kann es sein, dass eine neu ins Leben gerufene GmbH schon wieder Probleme hat? Damit gefährdet der SC Potsdam die Jobs bei allen anderen Bundesligisten.“ Weil die Spielräume immer enger werden.

Zuletzt hatten sich die Roten Raben Vilsbiburg nach 30 Jahren aus der höchsten deutschen Klasse zurückgezogen, ohne den SC Potsdam wären nun gerade noch acht Vereine übrig – und sorgenfrei ist kaum einer. „Der professionelle, gesunde Kern des deutschen Frauenvolleyballs besteht momentan nur noch aus den Clubs Allianz MTV Stuttgart und SSC Schwerin“, sagte VBL-Geschäftsführer Daniel Sattler am Mittwochabend in Stuttgart, und er sprach zudem über die Gefahr, dass es „den professionellen Frauenvolleyball in Deutschland irgendwann nicht mehr geben“ werde. Allerdings skizzierte Sattler auch mögliche Auswege.

Die VBL hofft für die Saison 2025/26 auf den „Paketaufstieg“ mehrer Vereine aus der 2. Liga Pro. Dafür werden die Anforderungen an die Clubs zurückgeschraubt, aus der heute (nicht mehr funktionierenden) professionellen Bundesliga würde eine Spielklasse mit teilweise semiprofessionellen Strukturen werden. Es wäre ein Rückschritt, um zukunftsfähig zu bleiben. „Derzeit warten wir nur, bis es den nächsten trifft. Das ist total frustrierend, weil es so auch für uns immer schwieriger wird, neue Sponsoren zu finden und bisherige Unterstützer bei uns zu halten“, sagte Irion, „deshalb muss sich die Bundesliga schnell neu erfinden.“ Das sieht auch Evers so, der die VBL bis 2021 als Präsident anführte: „Ich bin nicht abgetreten, um mir jetzt dieses Trauerspiel anzuschauen. Es muss sich dringend etwas ändern!“

Weitere Themen