Großeinsatz in Albstadt Streit als Motiv für tödliche Schüsse?
Nach der Gewalttat mit drei Toten in Albstadt-Lautlingen sichert die Polizei Spuren und ist auf der Suche nach dem Motiv.
Nach der Gewalttat mit drei Toten in Albstadt-Lautlingen sichert die Polizei Spuren und ist auf der Suche nach dem Motiv.
Es ist Sonntagmittag. Ein Blick auf den Parkplatz beim Freizeitbad Badkap in Albstadt genügt, um zu sehen, was hier vor sich geht. Streifenwagen sind vor Ort, Rettungsfahrzeuge, Notarztwagen. Hubschrauber sind in der Umgebung in der Luft. Großeinsatz.
Selbst anderswo im Zollernalbkreis sind die Einsatzkräfte zu sehen und zu hören. Über die B27 bei Hechingen und Balingen rauschen Streifenwagen und Zivilfahrzeuge mit Blaulicht Richtung Albstadt, ein Sondereinsatzkommando fährt an.
Minuten später wird bekannt: Offenbar hat es in Albstadt-Lautlingen Schüsse gegeben. Wo genau? Welcher Hintergrund? Die Polizei gibt noch keine Informationen heraus.
Erst am Nachmittag wird klar, welche Tragödie sich im Lautlinger Kleeweg, wenige Kilometer von der Sammelstelle der Einsatzkräfte beim Badkap entfernt, abgespielt haben muss: „Unsere Einsatzkräfte haben drei Tote – darunter auch der mutmaßlich Tatverdächtige – und zwei Verletzte aufgefunden“, berichtet die Polizei am Nachmittag.
Hinweise auf eine Amok-Tat gebe es nicht. Erste Erkenntnisse deuteten auf eine Tat innerhalb einer Familie hin.
Gegen 12.30 Uhr waren die Einsatzkräfte der Polizei aufgrund von Schüssen alarmiert worden, die aus einem Wohnhaus in Lautlingen zu hören waren. Anwohner hatten den Notruf gewählt, teilt die Polizei später mit.
Am Abend heißt es schließlich, der 63-jährige Tatverdächtige habe eine 84 Jahre alte Frau sowie einen 24-jährigen Mann getötet. Außerdem schoss er laut Polizei auf die beiden Frauen im Alter von 26 und 59 Jahren, die überlebten – schwer verletzt, so die Angaben. Anschließend nahm der Mann sich demnach selbst das Leben.
Bei dem 24-jährigen Opfer handelt es sich wohl um den Sohn des Schützen. Das andere Opfer soll die Schwiegermutter des Mannes gewesen sein, die beiden Verletzten seine Frau und seine Tochter.
Es gibt schnell Spekulationen, um wen es sich handeln könnte, bestätigen will am Abend niemand offiziell.
Zu Beginn des Einsatzes kursierte noch das Gerücht, dass der Täter flüchtig sei. Dies hat sich laut Aussage von Pressesprecher Martin Raff jedoch nicht bestätigt. Der 63-Jährige wurde am Abend tot in seinem Garten aufgefunden. Weiter bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der Mann als Jäger legal im Besitz von Waffen war. Ob die Tatwaffe aus seinem Fundus stammt, sei ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.
Die genauen Umstände und Hintergründe des Vorfalls sind unklar. Eine Familientragödie offenbar – Abläufe und Motive dieses tragischen Ereignisses zu rekonstruieren, daran wird intensiv gearbeitet. Nachbarn und Zeugen berichteten jedenfalls nach einem Bericht des "Schwarzwälder Boten"" von lautem Streit, der den Schüssen vorausging. Diese Angaben werden derzeit von den Ermittlern geprüft und ausgewertet.
Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt, um eine gründliche Spurensicherung zu ermöglichen. Experten der Kriminalpolizei waren vor Ort, um Beweise zu sammeln und die Tatwaffe zu identifizieren. Absperrband war zu sehen, die Polizei sperrte Zufahrten. Im Einsatz waren weit mehr als 100 Kräfte von Polizei und Rettungsdienst.
Deren Auftauchen hatte zu Beginn auch Badkap-Badegäste in Aufruhr versetzt. Doch: Lediglich aufgrund der am Mittag noch unklaren Lage sammelten sich die Einsatzkräfte aus mehreren Landkreisen dort – um sich auszurüsten und einer möglichen akuten Gefahr aus dem Weg zu gehen. Eine Gefahr für die Menschen habe nicht bestanden, so die Polizei.