Rund 2000 Menschen und 800 Fahrzeuge kamen zu einem als „Autotreffen“ beworbenen Event im Gewerbegebiet Tammerfeld im Kreis Ludwigsburg. Es spielten sich chaotische Szenen ab.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Ein „Autotreffen“, das über Soziale Medien beworben wurde, zog am Samstagabend einen Großeinsatz für die Polizei nach sich. Es gab erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen und Lärmbelästigungen im Umfeld eines Einkaufszentrums, zudem wurden auf der Autobahn Rennen gefahren. Es spielten sich beängstigende Szenen ab.

 

Die Polizei berichtet, dass beispielsweise zwei Fahrzeuglenker mit einem VW Golf und einem orangefarbenen BMW mit Schweizer Kennzeichen auf der Autobahn 81 von Heilbronn kommend in Richtung Stuttgart rasten. Dabei fuhren sie bei etwa Tempo 200 teilweise nebeneinander und versuchten, sich per Lichthupe freie Fahrt zu verschaffen. Dem Fahrer des BMW gelang die Flucht über die Autobahn in Richtung Stuttgart.

Polizei stoppt Raser-Duo am Parkplatz Engelberg

Eine Streifenwagenbesatzung, die nur mit Mühe auf die Fahrzeuge aufschließen konnte, stoppte den VW Golf im Bereich des Parkplatzes Engelberg. Die Beamten kontrollierten den 20-jährigen Fahrer sowie dessen 21-jährigen Beifahrer.

Vorausgegangen war an jenem Abend „Autotreffen“, bei dem Angehörige der sogenannten Posing-/Tuning-/Eventszene auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums in der Heinkelstraße in Ludwigsburg teilnahmen. Dabei war der Zulauf in den Abendstunden so groß, dass bereits gegen 20 Uhr die Parkflächen und ein Teil eines Parkhauses nahezu ausgelastet waren.

Nach Schätzung der polizeilichen Einsatzkräfte waren im Laufe des Abends in der Spitze über 800 Fahrzeuge sowie bis zu 2000 Personen vor Ort. Dadurch kam es auf dem Gelände des Einkaufszentrums sowie den umliegenden Straßen zu teils erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, von denen auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmende und der Busverkehr des ÖPNV betroffen waren.

Während der Veranstaltung kam es zu teils massiven Lärm- und Geruchsbelästigungen, da Fahrerinnen und Fahrer von Autos und Motorrädern immer wieder laut ihre Motoren aufheulen oder Reifen durchdrehen ließen und über den Parkplatz drifteten. Einige Motorradfahrende umfuhren zudem Absperrungen und gelangten so in eines der Parkhäuser. Dort sorgten sie durch starke Beschleunigungen für extremen Lärm, der auch die Anwohnerschaft im Bereich des Tammer Wohngebiets Hohenstange massiv in ihrer Ruhe störte und zu zahlreichen Anrufen bei der Polizei führte.

Elf Streifenwagenbesatzungen des Polizeipräsidiums Ludwigsburg waren im Einsatz, um Zu- und Abfahrtskontrollen durchzuführen und Verstöße auf dem Parkplatzgelände zu ahnden. Dabei wurden die Einsatzmaßnahmen durch die Teilnehmenden des „Autotreffens“ teilweise erheblich behindert. Kontrollmaßnahmen wurden beispielsweise durch dutzende Personen beobachtet und lautstark kommentiert. Außerdem wurde immer wieder aufgestelltes Absperrmaterial entfernt, um gesperrte Flächen nutzen oder Polizeikontrollen umfahren zu können.

Polizei ahndet Lärmverstöße und illegale Fahrzeugumbauten

Während der Veranstaltung wurden bei Kontrollen zahlreiche Ordnungswidrigkeiten festgestellt und geahndet. Unter anderem wurden 13 Fahrende wegen Verursachung unnötigen Lärms zur Anzeige gebracht. Bei sieben Fahrzeugen waren unzulässige Veränderungen vorgenommen worden, die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führten.

Im Umfeld des „Autotreffens“ fanden noch weitere verbotene Rennen statt. Kurz vor 1 Uhr stellte eine Zivilstreife der Polizei vier Motorräder fest, die bei Tamm von der Bundesstraße 27 kommend auf die Autobahn 81 in Richtung Stuttgart auffuhren. Dort beschleunigten sie stark, zogen von der Einfädelspur sofort auf die linke Fahrspur und rasten mit überhöhter Geschwindigkeit bis zur Anschlussstelle Stuttgart-Zuffenhausen.

Dort wechselten sie auf die Bundesstraße 10 in Richtung Stuttgart und beschleunigten auf bis zu 170 km/h. Zulässig ist dort Tempo 80. Nachdem ein Fahrer versuchte, bei geschätzten 120 km/h einen sogenannten „Wheelie“, das Hochreißen des Vorderrades, zu machen, erlitt sein Motorrad einen technischen Defekt, so dass alle vier Personen anhielten und sicher kontrolliert werden konnten. Gegen die drei Männer im Alter von 23, 24 und 35 Jahren sowie eine 29-jährige Motorradfahrerin wird nun wegen verbotenem Kraftfahrzeugrennen ermittelt.

Weiteres illegales Rennen in Murr

Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr wurde ein neuerliches verbotenes Kraftfahrzeugrennen in Murr gemeldet. Dort stellten zwei Fahrer ihre Fahrzeuge, einen Mercedes AMG und einen Porsche, nebeneinander in der Gottlieb-Daimler-Straße auf, um gleichzeitig zu starten und in Richtung Rudolf-Diesel-Straße zu rasen. Die hinzugezogene Streifenwagenbesatzung stellte den Mercedes kurz darauf auf einem Tankstellengelände in der Robert-Bosch-Straße fest und unterzog den 30-jährigen Fahrer einer Kontrolle. Ihn erwartet nun eine Strafanzeige wegen der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen. Der Fahrer des Porsche konnte unerkannt entkommen und auch im Zuge der Fahndung nicht mehr festgestellt werden.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht insbesondere Personen, die durch das Verhalten der Raser gefährdet wurden. Entsprechende Hinweise werden unter Telefon 0711/6869-0 oder per E-Mail an stuttgart-vaihingen.vpi@polizei.bwl.de entgegengenommen.