Großes Chorprojekt Grundschüler aus Kreis Ludwigsburg singen Händels „Messias“
Mehr als 500 Schüler, darunter einige aus Affalterbach, Remseck und Korntal, haben mit Profis den „Messias“ geprobt und zeigen ihr Können am kommenden Samstag.
Mehr als 500 Schüler, darunter einige aus Affalterbach, Remseck und Korntal, haben mit Profis den „Messias“ geprobt und zeigen ihr Können am kommenden Samstag.
Schon von Weitem hört man sie singen. Die gut 250 Schülerinnen und Schüler, die sich am Dienstag in der Turnhalle der Wilhelm-Hauff-Schule in Stuttgart-Heslach versammelt haben, sind ganz offenkundig gut bei Stimme. Und nicht nur das. Wie gut sie singen können, stellen sie mit einem der anspruchsvolleren Werke der Chormusik unter Beweis: Händels „Messias“. Auch wenn es sich dabei um eine bearbeitete, auch für Grundschüler geeignete Version von Karsten Gundermann handelt, sind immer noch schwierige Passagen zu bewältigen in einem Musikstil, mit dem Kinder und Jugendliche normalerweise nicht viel am Hut haben.
Und doch sind alle trotz der drückenden Hitze in der Turnhalle mit Feuereifer dabei, wiederholen ohne zu murren zum x-ten Mal dieselbe Passage, wenn Chorleiter Sebastian Kunz, der die jungen Sänger immer wieder überschwänglich lobt, einmal nicht ganz zufrieden war. „Man muss gerade bei einer so langen Probe schauen, dass man die Kinder immer wieder mitnimmt – mit vielen Wechseln zwischen Sitzen, Aufstehen und Bewegung, damit ihr Kopf wach bleibt“, erklärt der Dirigent, der Chorleitung und Schulmusik studiert hat. Deshalb bringt er die Kinder dazu, auf einem Bein zu hüpfen, mit den Armen große Kreise zu beschreiben, in einem fiktiven großen Honigtopf zu rühren oder rhythmisch zu klatschen – und schafft es so immer wieder, alle zu motivieren.
Von der Kelterschule in Remseck nehmen 23 Drittklässler an dem Chorprojekt der Stuttgarter Bachakademie unter dem Motto „Bach bewegt! Singen!“ teil, von der Freien Evangelischen Schule Strohgäu in Korntal sind es 25 Schülerinnen und Schüler aus der vierten Klasse. Sie haben mit Kindern von sieben weiteren Schulen schon am 26. Juni geprobt. Am Dienstag waren dann 40 Schülerinnen und Schüler der Apfelbachschule in Affalterbach und Kinder von acht weiteren Schulen an der Reihe. Vier der Affalterbacher haben uns erzählt, was sie am „Messias“ so fasziniert.
„Ich singe gern, und das ist ein ganz tolles Projekt“, findet die neunjährige Lea. „Ich freu mich richtig drauf, wenn wir das am Samstag aufführen, auch meine Eltern und meine kleine Schwester sind schon aufgeregt.“ Der gleichaltrige Raphael räumt ein, dass die Choräle schwierig zu lernen gewesen seien – „viel Text und alte Wörter“, aber er findet es „vor allem toll, dass wir das Singen richtig gelernt haben“. Denn zum Projekt gehört, dass jemand aus dem Team von insgesamt sieben Stimmbildnerinnen und Stimmbildnern den Kindern beibringt, wie sie mehr aus ihrer Stimme machen, erklärt Simone Haas, die an der Bachakademie für die Musikvermittlung zuständig ist.
Auch Benni und Jonas, ebenfalls neun Jahre alt und in einer dritten Klasse der Apfelbachschule, finden, das gemeinsame Singen mache einfach Spaß. „Der Teamgeist ist wichtig, wir wachsen dabei zusammen“, sagt Jonas und klingt dabei erstaunlich erwachsen. Benni sei früher schon sein Freund gewesen, dann habe man sich nicht mehr so oft gesehen, aber jetzt seien sie wieder richtig gut befreundet. Über die Aussage freut sich vor allem seine Lehrerin Karin Pflüger-Metz, zeigt das doch, welche verbindende Wirkung gemeinsames Musizieren hat. Auch in Affalterbach sei das Ganze schon ein Stück weit Ortsgespräch und sehr gut aufgenommen worden, sagt sie.
„Die Nachfrage ist sehr groß“, freut sich Simone Haas. „Die Bewerbungszahlen steigen von Jahr zu Jahr.“ Nicht immer kämen alle Interessenten zum Zug, weil das die Kapazitäten überschreite. Umso mehr freuen sich die Affalterbacher, dass es bei ihnen geklappt hat. „Wir haben vor Jahren schon mal teilgenommen“, berichtet Pflüger-Metz. Damals sei es im Rahmen des Musikunterrichts gewesen, dieses Mal im Rahmen des Religionsunterrichts.
Fürs Einstudieren sind zunächst einmal die Lehrkräfte der jeweiligen Schulen zuständig, bevor dann die Profis übernehmen. „Das ist beeindruckend, was die Lehrkräfte da leisten“, lobt Haas. Und sie betont: „Gemeinsames Singen sollte es viel mehr geben. Dafür wollen wir mit unserer Arbeit eine Brücke bauen.“
Gemeinsames Singen wird es übrigens auch am Samstag, 5. Juli, bei den beiden Aufführungen um 11 und um 14.30 Uhr in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart geben, für die nur noch wenige Restkarten erhältlich sind. Das Publikum – darunter viele Eltern und andere Verwandte – soll nämlich in die Choräle mit einstimmen. Und ganz bestimmt werden die Schülerinnen und Schüler auch beim Spiritual „Amen“ nicht alleine singen und klatschen müssen.
Auftritt mit Profis
Am kommenden Samstag, 5. Juli, stehen mehr als 500 Kinder und Jugendliche mit dem Profichor der Gaechinger Cantorey neben Florian Schmitt-Bohn, Bariton, Marta Presentini, Oboe, und Domkapellmeisterin Lydia Schimmer, Orgel, auf der Bühne. Die Gesamtleitung der gut einstündigen Konzerte hat Hans-Christoph Rademann. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 2 bis 7 kommen von 17 Schulen aus Stuttgart, Korntal, Remseck, Affalterbach, Backnang, Schwäbisch Hall, Echterdingen, Uhingen, Wüstenrot, Nagold und Schelklingen und werden von Sebastian Kunz dirigiert.
Kinder- und Jugendprojekt
Das partizipative Vermittlungsformat »BachBewegt!Singen!« hat Akademieleiter Hans-Christoph Rademann 2015 ins Leben gerufen. Es ist Teil von »BachBewegt!«, dem Kinder- und Jugendprogramm der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Tausende von Kindern unterschiedlichster Schularten haben dadurch bereits Zugang zur Welt der Musik gefunden.