Der Schulsingtag eröffnete am Montag die große Jubiläumsfestwoche der Böblinger Musik- und Kunstschule. Rund 1000 Kinder traten dabei in der Kongresshalle auf. Foto: Stadt Böblingen
60 Jahre Musikschule, 40 Jahre Kunstschule: Die kombinierte 100-Jahr-Feier der beiden Böblinger Bildungseinrichtungen erreicht in dieser Woche ihren Höhepunkt. Als Sahnehäubchen gibt es den Musikschulpreis für ein erfolgreiches Projekt.
edi
04.07.2023 - 16:57 Uhr
Grundschulen, die den Unterricht zum Singen unterbrechen, Kinder, die voller Begeisterung einen Chor gründen, Familien, die ein Konzert besuchen, obwohl sie mit Kultur sonst wenig zu haben – das Programm der MusikschuleBöblingen schafft das. Im Interview erklärt ihr Leiter Rainer Kropf das Rezept dieses Erfolges – und verrät, was er sich für den Schlossberg wünscht.
Herr Kropf, die Jubiläumsfestwoche mit drei Großveranstaltungen in der Kongresshalle hat am Montag mit dem Schulsingtag begonnen. Wie haben Sie das Ereignis erlebt?
Es war ein umjubelter Tag. Mehr als 1000 Böblinger Grundschulkinder haben aufgeteilt in zwei aufeinanderfolgende Shows das Publikum im vollbesetzen Europasaal mit ihren Stimmen und vor allem ganz viel Spaß begeistert. Perfekt begleitet wurden sie dabei von den Hanke Brothers aus Sindelfingen und dem Jungen Kammerchor Böblingen. KIKA-Moderator Juri Tetzlaff hat die über 1000 Gäste immer wieder zum Mitmachen animiert. Als Überraschung überreichte uns Siegfried Schneider, der Präsident des Chorverbandes Otto Elben, für die Singpause einen Scheck über 5000 Euro als Unterstützung von allen Chören der Region – eine starke Geste und ein großer Betrag für den Gesangsnachwuchs.
Das ist bereits das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass die Singpause BB große Anerkennung erfährt. Erst zuletzt wurde das Projekt mit dem Musikschulpreis Baden-Württemberg „Hergehört“ ausgezeichnet. Was bedeutet dieser Preis für Sie und die Musikschule?
Der Preis ist das i-Tüpfelchen auf unserer Jubiläumswoche. Das bedeutet uns sehr viel, denn abgesehen davon, dass wir mit dem Preisgeld von 10 000 Euro ganz gut arbeiten können ist das ja eine unglaubliche Wertschätzung. Aber ich muss auch ganz ehrlich gestehen, dass die Singpause BB den Preis einfach verdient hat. Das Projekt läuft jetzt im fünften Jahr in Böblingen, ist dort an fünf Grundschulen fest verankert und ich weiß, dass viele weitere Schulen im Kreis das Konzept ebenfalls bei sich installieren wollen, darunter Sindelfingen und Herrenberg.
In Festlaune: Rainer Kropf Foto: Stadt Böblingen
Wie genau funktioniert die Singpause?
Zweimal wöchentlich geht eine pädagogische Fachkraft der Musikschule in die Grundschulklassen und unterbricht den Unterricht für eine Pause zum Singen. In 20- Minuten-Einheiten bilden unsere Lehrkräfte mit Stimmbildungsübungen die Kinderstimme gezielt aus und wollen so die natürliche Freude der Kinder am Singen wecken. Das Konzept der Singpause ist ursprünglich in NRW entstanden – Düsseldorf ist da Vorreiter gewesen.
Gibt es messbare Effekte und Erfolge?
Ja, die gibt es. Zum Beispiel haben wir jetzt einen rund 30-köpfigen Kinderchor bei uns an der Musikschule, der aus der Singpause hervorgegangen ist. Genau aus diesem Grund fördert uns auch der Chorverband Otto Elben. Auch die Lehrkräfte an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen melden uns zurück, welche Verbesserungen die Singpause für ihren Unterricht mitbringt.
Hinzu kommt, dass dies ein absolut niederschwelliges und kostenloses Angebot ist. Für mich persönlich gibt es kein besseres Kooperationsprojekt.
Wie geht die große Festwoche weiter?
Am Donnerstag bringen wir alle Schülerinnen und Schüler aus Kooperationen der Musikschule mit Klassen verschiedener Böblinger Schulen und der Friedrich-Kammerer-Gemeinschaftsschule Ehningen auf eine große Bühne. Dabei führen wir zunächst die Fachbereiche Schlagzeug und Tanz zusammen und stellen im zweiten Teil die Bläserklassen vor. Am Sonntag kommt dann mit dem „Zirkus der Tiere“ das Highlight unseres Jubiläumsjahres. Das Stück basiert auf „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Wie schon bei der „Moldaumuschel“, unserem ersten Hand-in-Hand-Projekt vor fünf Jahren, wirken hier alle vier Fachbereiche mit – also Musik, Bildende Kunst, Tanz und Schauspiel. Und wie schon 2018 wird das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg uns wieder musikalisch begleiten, ebenso das Klavierduo Yseult Jost und Domingos Costa.
Welche Bedeutung haben solche Auftritte für die Kinder und Eltern?
Eine sehr große – gerade für viele Familien, denen ansonsten aus unterschiedlichsten Gründen das ganze Jahr über der Bezug zu solchen Kulturangeboten fehlt. Für diese Eltern und Schulkinder schaffen wir damit ein schönes Konzerterlebnis.
Abseits der Jubiläumsfeierlichkeiten beschäftigt die Musikschule sicher auch die Frage, wie es mit der Schlossbergbebauung weitergeht. Dort ist ein gemeinsames Gebäude für alle Fachbereiche angedacht. Was wären die Vorteile?
Ich habe ein unglaublich kreatives Team, auf das ich wahnsinnig stolz bin und in dem es sehr viel Potenzial gibt. Da macht es natürlich schon viel aus, dass die Fachbereiche Schauspiel und Kunst räumlich von uns getrennt sind. Darum wäre es unser größter Wunsch, alle zusammenzubringen. Das würde viele Synergieeffekte bringen – ganz abgesehen davon, dass wir mit der Musikschule in der Herrenberger Straße räumlich an die Grenzen stoßen.
Böblinger Musik- und Kunstschule feiern kombiniertes Jubiläum
Doppel-K(r)opf: Rainer Kropf, 1980 in München geboren, leitet seit 2016 die Musikschule Böblingen. Seine Stelle ist mit einer Doppelfunktion verbunden: Er steht sowohl der Musikschule als auch der gesamten Einrichtung vor – also der DAT-Kunstschule mit den Sparten Tanz, Theater und Bildende Kunst.
Highlight-Woche Nach dem Schulsingtag mit 1000 Kindern aus fünf Böblinger Grundschulen am Montag gehen die kombinierten Feierlichkeiten in der Kongresshalle zum 60- beziehungsweise 40-jährigen Bestehen von Musik- und Kunstschule am Donnerstag, 6. Juli, um 18 Uhr unter dem Motto Dance, Drums & Bläserklassen weiter. Das große Finale bildet am Sonntag, 9. Juli, um 11 Uhr der „Zirkus der Tiere“ mit dem Landespolizeiorchester. Zum Konzertbeginn zeigen rund 150 Böblinger Kindergartenkinder, was sie im Rahmen des vom Land geförderten Programms „Singen-Bewegen-Sprechen“ gelernt haben.