Großes Musiktheaterprojekt für Ludwigsburg Juchhe! „Die Jahreszeiten“ schlagen aus

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Orchestermusiker, Chöre und Tänzer proben für den großen Auftritt: Zum 300-Jahr-Jubiläum der Stadt Ludwigsburg wird Josph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ aufgeführt. Ergänzt um zeitgenössische Musik – und mit dem Wissen um den Klimawandel.

Daumen hoch: Angelika Rau-Culo und Axel Brauch sind  mit dem Chor zufrieden. Foto: factum/Granville
Daumen hoch: Angelika Rau-Culo und Axel Brauch sind mit dem Chor zufrieden. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Es soll fröhlich klingen, wenn der große Chor „Juchhe! Der Wein ist da“ singt. Richtig ausgelassen und am besten so, als hätten die Sänger schon etwas vom Rebensaft getrunken. Andererseits sollen die Sänger noch eine einwandfreie Aussprache haben und nach wie vor die richtigen Noten treffen. Die Zeile ist nur Teil eines Chorlieds in Josef Haydns „Die Jahreszeiten“, die das Ludwigsburger Bürgertheater im März auf die Bühne bringt. Am Wochenende hat in der Waldorfschule der Reigen der Gesamtproben für das Oratorium begonnen. Und in den Pausen gab es nur garantiert Alkoholfreies zu trinken.

„Juchhe!“ und „Heißassa!“ gehören zu den vielen Stolperfallen, die die klassische Musik bereithält. Vor allem in Opern und Oratorien darf zwar schon mal der Eindruck von Chaos oder Leichtsinn erweckt werden, aber eben nur der Eindruck. Tatsächlich aber ist das Chaos streng choreografiert und selbst die Kakophonie exakt durchkomponiert. Angelika Rau-Culo, die gemeinsam mit Michael Culo die musikalische Leitung innehat, wollte am Samstag auch deshalb, dass diese kleine Szene sitzt, weil es eine der wenigen ist, bei denen der Chor die ganze Bühne beherrschen wird.

Vier Jahreszeiten, vier Bühnenbilder

Die große Kunst dabei: Niemand der insgesamt 170 Sänger hat über der anstrengenden Probe für die demonstrativ gute Laune die persönliche gute Laune verloren. „Die Bereitschaft ist sehr groß“, sagt Angelika Rau-Culo, „die Leute sind mit Leidenschaft bei der Sache.“ Die Sänger kommen aus verschiedenen Chören, darunter die Kantorei der Karlshöhe. Viele wurden erst im vergangenen Sommer rekrutiert, als feststand, dass der Fachbereich Kunst und Kultur, der Stadtverband der Gesang- und Musikvereine und die Tanz- und Theaterwerkstatt für 2018 ein neues Großprojekt planen. Nach „Carmina Burana“, „Messias“, „Fürsten, Bürger und Soldaten“, „Schöpfung“ und „Passion 2013“ sollen „Die Jahreszeiten“ die sechste Großproduktion seit 1996 werden.

„Erst als es konkret an die Kostüme und das Bühnenbild ging, ist uns aufgefallen, dass wir so viel Aufwand wie für vier einzelne Stücke haben“, sagt der Regisseur Axel Brauch. Denn mit jeder Jahreszeit soll sich auch das gesamte Tableau ändern. Gemeinsam mit Gesine Pitzer (Bühne und Kostüme) entwickelt er seither das passende Outfit zum jeweiligen Ambiente.

Für die Probe am Samstag hat Brauch die Sänger mit grünen Perücken und 3D-Brillen überrascht. Und er war zufrieden: Der Chor hat sich darauf eingelassen, mit grellen Perücken und Brillen gesungen, und der Regisseur war von der Wirkung überzeugt. Er wolle keine Grasbüschel als Naturinseln auf der Bühne, sagt Brauch. Aber etwas Grün brauche der Frühling schon. Die 3D-Brillen wiederum sollen signalisieren, dass der unverstellte Blick auf die Natur nicht so leicht zu haben ist. „Allerdings weiß ich noch nicht, ob diese Ideen auch im Forum am Schlosspark funktionieren werden.“ Dort werden „Die Jahreszeiten“ zwischen dem 15. und 25. März an fünf Abenden aufgeführt.

Naturverherrlichung in Zeiten des Klimawandels

Brauch möchte nicht, dass die Kostüme oder das Bühnenbild platt bebildern, was ohnehin gesungen wird. Außerdem will er mehr Doppeldeutigkeit haben. Er möchte ausloten, wie viel von Haydns Lobpreis der Schöpfung auch in Zeiten des Klimawandels noch standhält. So kann ein gewöhnliches Sommergewitter die Drohung eines schlimmen Unwetters enthalten oder der Wind vom Unheil erzählen, das Orkane anrichten. Um das Spektrum in Richtung Gegenwart auszudehnen, wurde die 1801 uraufgeführte Musik des Wiener Klassikers durch Kompositionen von Vincent Wikström ergänzt.

Insgesamt werden bei den Aufführungen im Forum etwa 350 Personen beteiligt sein. Neben den Chorsängern werden das vor allem verschiedene Ensembles der Tanz- und Theaterwerkstatt sowie das Sinfonieorchester Ludwigsburg sein. Inzwischen könne er auch die Namen der Solisten verraten, die die Arien und Rezitative singen werden, sagt Michael Culo. Es sind Fanie Antonelou (Sopran), Koral Güvener (Tenor) und Matthias Hoffman (Bariton).