Großes Zentrum auf dem Flugfeld geplant Lebenshilfe Böblingen feiert 60. Geburtstag

Auch das Reiten gehört zu den Angeboten der Lebenshilfe. Foto: Lebenshilfe Böblingen

Von der Selbsthilfeorganisation zum mittelständischen Unternehmen: Die Böblinger Lebenshilfe gibt es seit 60 Jahren – am Sonntag wurde der runde Geburtstag beim inklusiven Sommerfest groß gefeiert. Es wurden die Pläne für das Kompetenzzentrum auf dem Flugfeld erläutert.

Der Wettergott hatte es gut gemeint: Sonnenschein und angenehme Temperaturen lockten Menschen mit und ohne Behinderung am Sonntagmittag zahlreich an den Oberen See. Ihr Ziel: die Alte TÜV-Halle, die schon seit Jahren Heimat für das Sommerfest der Lebenshilfe Böblingen ist. Am vergangenen Sonntag war der feste Termin im Jahreskalender des Vereins eine besondere Feier, denn dieser feierte gleichzeitig sein 60-jähriges Bestehen.

 

Im Jahr 1964 durch als Selbsthilfeorganisation von betroffenen Eltern ins Leben gerufen, sei die Lebenshilfe Böblingen inzwischen „ein mittelständisches Unternehmen“, so Geschäftsführerin Nicole Henk, die gemeinsam mit ihrer Kollegin im Leitungsteam, Christina Holler, durch den offiziellen Teil der Feierlichkeiten führte.

Die Geschäftsstelle der Lebenshilfe zieht in den kommenden Jahren um in das künftige Kompetenzzentrum, das auf dem Flugfeld entstehen soll. Foto: Lebenshilfe Böblingen

510 Vereinsmitglieder zählt der Verein inzwischen. 240 Festangestellte und 140 ehrenamtlich Tätige sind für rund 850 Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen da, die nahezu täglich eines der vielfältigen Angebote der Lebenshilfe in Anspruch nehmen. Dazu gehören neben der Beratung auch zahlreiche Angebote in den Bereichen der familienentlastenden Dienste und der offenen Hilfen wie Schüler- und Jugendtreffs oder Sport- und Reiseangebote sowie der Eingliederungshilfe wie zum Beispiel die Unterstützung durch Schulbegleitung.

„Die Bilanz der Lebenshilfe Böblingen ist einfach fantastisch“

Angesichts dieses „breiten Portfolios“ gab es von Roland Bernhard Komplimente: „Die Bilanz der Lebenshilfe Böblingen ist einfach fantastisch“, meinte er. Alle Leute seien schließlich in ihrer Art und Weise unterschiedlich, betonte der Landrat – und es sei wichtig, diese Unterschiede zuzulassen. Ausgrenzung zu vermeiden und behinderte Menschen mit ihren Talenten zu sehen – diese Grundidee sei seit der Gründung der Lebenshilfe gleichgeblieben. Er freue sich, dass Menschen mit Behinderung im Landkreis Böblingen „einen festen Platz haben“.

Einzelassistenz: eine ganz wichtige Aufgabe für die Lebenshilfe Foto: Lebenshilfe Böblingen

Für die Stadt Böblingen sei die Lebenshilfe „ein unverzichtbarer und ganz wertvoller Baustein unserer vielfältigen Stadtgesellschaft“, betonte Tobias Heizmann, der Erste Bürgermeister der Stadt. Er unterstrich zudem das „enge partnerschaftliche Verhältnis“ zwischen Verein und Stadt. Aus seiner Sicht ist es zudem „toll, dass die Lebenshilfe von Anfang an darauf geachtet hat, eigene Räume zu bekommen und sich zu vergrößern“. Dabei blickt er auch in die nahe Zukunft: Das neue Kompetenzzentrum der Lebenshilfe, das auf dem Flugfeld entstehen soll, wird aus seiner Sicht eines der „erster Güte“ sein: Freizeitangebote, Verwaltungs- und Schulungsräume, eine inklusive Kita, eine interdisziplinäre Frühförderstelle, ein Autismuszentrum, Kurzzeitpflegeplätze, eine ergänzende unabhängige Teilhabeberatung und ein öffentliches Quartierszentrum sollen auf dem Grundstück am Auguste-Piccard-Weg, das die Böblinger Lebenshilfe im vergangenen Jahr erworben hat, unter einem Dach vereint werden. Damit bekommt der Verein auch äußerlich ein neues Gesicht – das zu seinem prallvollen Inhalt passt.

Freizeitangebote gibt es wahrscheinlich schon seit der Gründung Foto: Lebenshilfe Böblingen

„Der Architektenwettbewerb ist kurz vor dem Abschluss“, gab Raffael Haisch, Prokurist der Firma CPM, die das Bauvorhaben als Projektsteuerer begleitet, einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge. Für CPM sei die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Böblingen in mehrfacher Hinsicht „etwas Besonderes“: Allein der Entschluss „Wir bauen jetzt einmal die Lebenshilfe neu“, um den Verein auf das nächste Level zu bringen, sei angesichts der aktuellen Entwicklungen in puncto Zinsen, Finanzen und Bürokratie nicht alltäglich, berichtete er.

Abgerundet wurde das Sommer- und Jubiläumsfest unter anderem durch die Mitglieder des Round Table 129 Böblingen/Sindelfingen, die schon seit Jahren nicht nur das Grillgut zubereiten, sondern dieses auch spenden, und damit zum abwechslungsreichen Büffet betragen. Ein facettenreiches Unterhaltungsprogramm sorgte zudem für Stimmung: Der Schülertreff der Lebenshilfe und der inklusive Chor der Lebenshilfe Leonberg unterhielten das Publikum ebenso wie die Band „Rhythm Bones“ mit jazzigen Klängen, Clowns und Glitter-Tattoos standen bei den jüngsten Gästen hoch im Kurs. Außerdem fieberten viele dem Bingo-Spiel entgegen.

Meilensteine der Geschichte der Lebenshilfe

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