So wird es in Kornwestheim wohl nicht aussehen, denn die Stadt hat den Plänen eines Solarparks eine Absage erteilt. Foto: Imago/Harry Koerber
Stadt und Gemeinderat in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) haben einem Landwirt eine Absage erteilt, der Solarstrom für mehr als 10 000 Menschen produzieren wollte. Warum möchte die Stadt keinen Solarpark und welche Rolle spielt dabei ein Windrad?
„Wir wollen klarmachen, dass wir nicht gegen regenerativen Energien sind als Verwaltung. Im Gegenteil, wir wollen sie auch im Stadtgebiet“, sagte Daniel Güthler, Erster Bürgermeister Kornwestheim, als er das Nein der Verwaltung zu einem Solarpark an der Stadtgrenze rechtfertigte. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am Dienstagabend standen die Pläne eines Landwirten mit Flächen an der Grenze zu Ludwigsburg auf der Tagesordnung. Auf elf Hektar landwirtschaftlicher Fläche hätte er gerne Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichtet.
Gemeinsam mit der Firma Stromernte war geplant, Strom für mehr als 10 000 Menschen zu generieren. Die fragliche Fläche für die PV-Anlagen befinden sich westlich und östlich der B 27 auf Kornwestheimer Gemarkung direkt an der Grenze zu Ludwigsburg.
Nördlich der B27-Brücke beim Autokino sollten auf den Feldern große Solaranlagen entstehen. Foto: Werner Kuhnle
Wie passt die Ablehnung der Verwaltung und dann auch des Gemeinderats für das Projekt mit dem Ziel zusammen, mehr regenerative Energien zu fördern? „Das war keine leichte Abwägung“, sagte auch Oberbürgermeister Nico Lauxmann. Die Stadt setzt sich gemeinsam mit dem Gemeinderat dafür ein, auf einer Fläche im Westen der Bebauung eine Fläche für ein Windrad zu erhalten. Die Chancen stehen dafür allerdings nicht so gut, weil die Region, die über die Vorranggebiete noch zu entscheiden hat, wahrscheinlich eher Flächen an Autobahnen und solche wo mehrere Windräder entstehen können bevorzugt.
Was also spricht in Kornwestheim dagegen, wenn ein Landwirt große Flächen für die Stromerzeugung nutzen möchte? Die Bodenqualität. Das ist zumindest eines der Argumente, die Verwaltung und die Ratsmehrheit für ihre Ablehnung anführen. Die Böden rund um Kornwestheim gehörten zu den fruchtbarsten und sollten deshalb besser für die Landwirtschaft genutzt werden.
Ein weiterer Punkt, der gegen eine so großflächige Anlage spreche, sei der Schutz der Freiflächen. Kornwestheim ist dicht besiedelt und die Felder am Stadtrand dienten der Naherholung. Laut Hans Bartholomä (CDU) sprach auch eine mögliche Erweiterung von Wüstenrot dem aktuellen Projekt entgegen. Man sollte sich die Flächen nicht verbauen für den Fall, dass das Unternehmen auf der Seite zur B 27 hin einmal erweitern wolle.
Dabei kann die Stadt zumindest einen Teil der Pläne des Landwirts gar nicht verhindern. Auf 1,5 Hektar – eine Fläche, die mit Apfelbäumen bepflanzt ist und direkt an den Hof anschließt – braucht der Landwirt für seine PV-Anlage keine Zustimmung der Stadt. Dort soll eine sogenannte Agri-PV-Anlage entstehen. Das sind Anlagen, die in einer gewissen Höhe über den Feldfrüchten, in diesem Fall den Apfelbäumen, errichtet werden. „Der Landwirt führt an, dass dadurch auch die Erträge verbessert werden, weil die Äpfel vor Hagel und Sonnenbrand geschützt sind durch die PV-Anlage“, sagte Güthler. Die Stadt befürwortet die geplante Anlage dort.