Großprojekt in Sillenbuch Bürgerzentrum so gut wie gestorben

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Vor rund zehn Jahren war die Euphorie für ein Bürger- und Veranstaltungszentrum für den Stadtbezirk Sillenbuch. Inzwischen ist die Luft aus dem Großprojekt entwichen wie aus einem Luftballon. Die Chancen für das Vorhaben sind geringer denn je.

180 000 Euro hat die Stadt für den Architektenwettbewerb ausgegeben, Sieger war Peter Schürmann (rechts). Das Foto ist bei einem Besuch des Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (links) entstanden. Zudem auf dem Bild Philipp Kordowich (2.v.l.) und Peter-Alexander Schreck. Foto: Archiv Sägesser
180 000 Euro hat die Stadt für den Architektenwettbewerb ausgegeben, Sieger war Peter Schürmann (rechts). Das Foto ist bei einem Besuch des Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (links) entstanden. Zudem auf dem Bild Philipp Kordowich (2.v.l.) und Peter-Alexander Schreck. Foto: Archiv Sägesser

Sillenbuch - Das große Projekt für den Stadtbezirk Sillenbuch ist während der vergangenen Jahre zusammengeschrumpft wie ein Ballon, der nach und nach an Luft verliert. Dieses große Projekt ist ein Bürger- und Veranstaltungszentrum für Sillenbuch, ein Allrounder, neue Heimstätte für die örtliche Bezirksverwaltung, Stadtteilbücherei, Feuerwehrmagazin und Bürgerhaus. Die Kosten wurden zuletzt von der Stadt auf 14,5 Millionen Euro geschätzt. Das war vermutlich das Todesurteil.

Der Architekt war bereits beauftragt

Dabei hatte es vor knapp zehn Jahren wirklich gut ausgesehen fürs Bürgerzentrum. Die Stadt hatte 2008 sogar einen Architektenwettbewerb ausgelobt, Kostenpunkt 180 000 Euro. Dann kam die Finanzkrise, das Sillenbucher Projekt fiel das erste Mal durch den Haushalt. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben: Fünfmal haben die Räte kein Geld dafür bereitgestellt. Es sieht so aus, als ob das Zentrum so gut wie gestorben ist.

Einer, der das gut einschätzen kann, ist Jürgen Wenzler, der persönliche Referent des Finanzbürgermeisters. „Je länger das geht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Raumprogramm noch eins zu eins umgesetzt werden könnte“, sagt er. Neue Architektenpläne müssten her, das würde erneut kosten. Vor acht Jahren habe es einen „großen Hype“ um das Bürgerzentrum gegeben, sagt Wenzler. Davon sei heute nichts mehr zu spüren. Es ist leise geworden ums Bürgerzentrum, die Stadträte haben andere Prioritäten gesetzt.

„Beerdigung erster Klasse“

Eine einzige Fraktion fragt hartnäckig nach oder stellt Anträge für die Haushalte: die Freien Wähler. Anfang November hat die Verwaltung Stellung zu einem der Vorstöße genommen: „Eine Bereitstellung von Planungsmitteln macht nur Sinn, wenn eine Realisierungschance gegeben ist. Dies ist derzeit nicht erkennbar.“ Für Rose von Stein, Stadträtin der Freien Wähler, eine klare Botschaft. „Das ist die Beerdigung erster Klasse“, sagt sie. „Mit dieser Antwort kannst du das Ding begraben.“ Doch bevor die Freien Wähler sich endgültig verabschieden, fragen sie ein letztes Mal nach.

In einer Anfrage von vergangener Woche wollen sie von der Stadtverwaltung wissen: „Ist das angedachte Multifunktionsgebäude Sillenbuch endgültig vom Tisch?“ Zudem interessiert sie, was die Stadt bisher an Geld in das Projekt investiert hat und ob es stimmt, dass mittlerweile eine Sanierung des Sillenbucher Bezirksrathauses an der Aixheimer Straße in Betracht gezogen werde.

Auch Peter-Alexander Schreck, der Sillenbucher Bezirksvorsteher und seinerzeit einer der größten Verfechter des Bürgerzentrums, hat die Hoffnung auf den ganz großen Wurf verloren. „Es ist einfach zu viel vom Kostenvolumen“, sagt er. „Deshalb liegt es auf Eis.“ Eine Idee wäre noch, das Projekt zu stückeln, es dem Gemeinderat quasi häppchenweise zu servieren.

Große Summen nach Sillenbuch geflossen

Eine Idee, die der Grünen-Bezirksbeirat Dieter Grötzinger goutieren würde. „Das wäre eine Notlösung und nicht so charmant“, sagt er. Doch es wäre eine Lösung. „Wir wollen dieses Projekt auf jeden Fall nicht totsagen.“ Philipp Kordowich, CDU-Sprecher im Bezirksbeirat, bedauert den Gang der Dinge. „Es wäre ein schönes Gesamtpaket gewesen, aber es ist zu schwierig, es durchzukriegen“, sagt er. Klar sei, dass Sillenbuch endlich eine Stadtteilbücherei, eine Lösung fürs marode Bezirksrathaus und einen Veranstaltungsraum brauche. „Wie, ist mir eigentlich egal.“

Ulrich Storz, SPD-Sprecher im Bezirksbeirat, verweist auf die großen Summen, die Sillenbuch in den vergangenen Jahren eingestrichen habe – etwa für die Bädle-Sanierung, die Riedenberger Sporthalle oder fürs Geschwister-Scholl-Gymnasium. Sollte Letzteres neu gebaut werden, so Storz, wäre im bisherigen Gebäude ja Platz für eine Bücherei und Wohnprojekte.

Und das Großprojekt, das ist derweil in den letzten Atemzügen.

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