Großprojekt zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim Solarthermie: Noch ist nichts sonnenklar

Von Werner Waldner 

Aus dem Kornwestheimer Gemeinderat wird Kritik an der Informationspolitik zum Bau der Kollektoren auf dem Römerhügel laut. Die Räte stimmen dennoch zu – weil sonst Fristen abzulaufen drohen.

Die thermische Solaranlage im brandenburgischen Senftenberg gilt als größte ihrer Art in Deutschland. Auf dem Römerhügel soll eine noch größere Anlage entstehen. Foto: dpa
Die thermische Solaranlage im brandenburgischen Senftenberg gilt als größte ihrer Art in Deutschland. Auf dem Römerhügel soll eine noch größere Anlage entstehen. Foto: dpa

Ludwigsburg/Kornwestheim - Stolz auf Deutschlands größte Solarthermieanlage, die die Stadtwerke auf Ludwigsburger und Kornwestheimer Gemarkung bauen wollen, ist kaum zu verspüren. Eher Skepsis. Die Kornwestheimer Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik haben am Dienstagabend gleichwohl grünes Licht für die Sonnenkollektoren gegeben, die südlich des Römerhügelwegs – und damit in Kornwestheim – aufgestellt werden sollen. Trotzdem: Sie haben noch etliche Fragen und äußerten den Verdacht, dass nicht alles so sauber läuft, wie es die Energieform zu sein vorgibt.

Nie eine Antwort erhalten

Schon mehrfach hatten Kornwestheimer Stadträte – allerdings in nicht öffentlichen Sitzungen – danach gefragt, warum die Stadtwerke auf Flach- und nicht auf Röhrenkollektoren setzen. Letztere sollen effektiver, aber auch teurer sein. Eine Antwort haben sie nach eigenem Bekunden nie erhalten. So gehe Vertrauen verloren, kritisierte Hans Bartholomä, Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion, am Abend. Und so wiederholten Stadträte aus Reihen der CDU, Freien Wähler und SPD ihre Anfragen: Auf welche Fläche könnten die Stadtwerke verzichten, wenn sie auf die Röhrentechnologie setzen würden? Bräuchte man dann möglicherweise die Fläche auf Kornwestheimer Gemarkung nicht? Röhrenkollektoren, so Bartholomä weiter, seien nicht nur effektiver, sie hätten auch noch einen anderen Vorteil: Sie seien mit Wasser gefüllt, während sich in den Flachkollektoren Glykol befinde. Bei einem Leck würde also nur Wasser ins Erdreich gelangen, nicht aber Glykol.

Antworten mit detaillierten Zahlen bekamen die Stadträte am Dienstag nicht, gleichwohl bemühte sich ein Vertreter der Stadtwerke um Aufklärung. Vorgabe des Bundes, der zehn Millionen der veranschlagten 13 Millionen Euro übernimmt, die die Anlage kostet, sei eine hohe Wirtschaftlichkeit gewesen. Und die sei bei den Flachkollektoren gegeben.

Oberbürgermeisterin Ursula Keck: „Es ist nicht alles gut gelaufen.“

Weitere Antworten auf die Fragen der Stadträte sollen nachgeliefert werden, versprach Oberbürgermeisterin Ursula Keck, schränkte aber ein, dass das möglicherweise hinter verschlossenen Türen geschehen werde, weil man die Stadtwerke nicht dazu verpflichten könne, Wirtschaftlichkeitsberechnungen coram publico vorzulegen. Hans Bartholomä zeigte sich damit nicht einverstanden: „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, das zu erfahren.“ Ursula Keck räumte auch ein, dass im Zusammenhang mit der Solarthermieanlage nicht alles gut gelaufen sei.

Unabhängig von den noch aussstehenden Antworten beauftragte der Ausschuss die Stadtverwaltung, den Stadtwerken grünes Licht für den Bau der Solaranlage zu geben. Anderes wäre auch nicht möglich, erläuterte der Baubürgermeister Daniel Güthler. Er sehe die Stadt in der Pflicht, den Bauantrag zu genehmigen – und zwar bis Montag, weil dann eine Frist ablaufe.

Kritik am Vorgehen der Stadtwerke

Das Vorgehen der Stadtwerke kritisierte Hans Bartholomä. Der normale Weg sei es, Verträge erst dann abzuschließen, wenn die Genehmigungen von Seiten der Kommune vorliegen würden. Die Stadtwerke würden sich ihr Vorhaben aber erst im Nachhinein genehmigen lassen und hätten die Kollektoren schon bestellt.

Und in der Tat: In Ludwigsburg, wo der Großteil der Kollektoren aufgestellt und zudem das Technikhaus errichtet wird, entscheidet der Gemeinderat abschließend erst in der kommenden Woche über den erforderlichen Bebauungsplan. Für die Stadtwerke drängt allerdings die Zeit: Die Anlage muss bis Mitte des Jahres 2020 fertiggestellt sein, ansonsten gehen Zuschüsse des Bundes verloren.