Großprojekte im Kreis Esslingen Wo im großen Stil Wohnraum gebaut wird

Für die Zeit nach dem Umzug der Hochschule Esslingen in die Weststadt gibt es Überlegungen, die Bestandsgebäude aus den 1970er-Jahren umzunutzen. (Archivfoto) Foto: Roberto Bulgrin

Auch 2025 bleibt das Thema Wohnbau eine der größten Herausforderungen im Kreis Esslingen. Mehrere Großprojekte sind in Planung. Während in den Badwiesen in Kirchheim schon gearbeitet wird, soll der beste Entwurf für die Esslinger Flandernhöhe im neuen Jahr gekürt werden.

Region: Corinna Meinke (com)

Bauland ist knapp und bauen ist weiterhin sehr teuer. Als Folge daraus ist der Immobilienmarkt auch im Kreis Esslingen in den vergangenen Monaten regelrecht aus dem Takt geraten. Nachdem der Markt jahrelang nahezu leer gefegt war, sind nun auffällig viele Verkaufsschilder an Immobilien im ganzen Kreis zu finden. Dabei handelt es sich um alle Arten von Wohngebäuden vom Mehrfamilien- bis zum klassischen Einfamilienhaus. Die neuesten Zinssenkungen lassen aber wieder Hoffnung aufkeimen.

 

Auch Überraschungen hatte das Jahr 2024 beim Blick auf die Situation rund um Immobilien und ums Wohnen in Esslingen und im Kreis zu bieten. Positiv überrascht hat beispielsweise der mögliche Investorenwechsel auf dem Esslinger Karstadt-Areal. Der Strabag-Konzern hat Interesse an der Großimmobilie in zentraler Esslinger Innenstadtlage und damit einem Filetstück in Sachen Wohnen und Gewerbe angemeldet. Da es aber weiterhin vor allem an bezahlbarem Wohnraum extrem fehlt, ist eine Debatte um eine eigene kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Esslingen entbrannt.

Auch das Tobias-Mayer-Quartier in Esslingen soll nachverdichtet werden. Foto: Ines Rudel

Zu den größten Bauprojekten gehört in Esslingen die Flandernhöhe, ein von der Hochschule genutztes Areal von knapp sieben Hektar Größe, das mit dem Umzug der Hochschule zum Sommersemester 2026 in ihr neues Domizil in der Neuen Weststadt frei werden soll. An der Flandernhöhe könnten eines Tages bis zu 650 Wohneinheiten entstehen. Nach Angaben der Kommune überarbeiten die Planungsteams momentan ihre Entwürfe und lassen dabei die gesammelten Anregungen einfließen. Im neuen Jahr sollen Jury und Gemeinderat den besten Entwurf küren, der anschließend in einen städtebaulichen Rahmenplan einfließen soll, der für das Bebauungsplanverfahren und die Vermarktung notwendig ist.

Wohnraum für mehrere hundert Menschen rund um Nürtinger Bahnhof

Ebenfalls auf der Flandernhöhe befindet sich das vier Hektar große Tobias-Mayer-Quartier. Schrittweise soll es in den kommenden 15 Jahren im Rahmen eines Architektenwettbewerbs für rund 1000 Bewohnerinnen und Bewohner entwickelt werden. Weitere größere Quartiere sind in Nürtingen mit dem Areal Gleis 13 geplant, wo rund 300 Wohnungen entstehen sollen sowie in der Neuen Bahnstadt, einem IBA’27-Projekt, weiterer Wohnraum für mehrere hundert Menschen entstehen.

Ebenfalls ein IBA’27-Projekt sind die Badwiesen in Kirchheim, wo die Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen eine Wohnanlage aus den 1960er-Jahren zu einem klimaneutralen Quartier umbaut und um 117 Wohnungen ergänzt indem Bestandsgebäude baulandschonend im großen Stil aufgestockt werden. Der Bestand wächst von derzeit 192 auf über 300 Genossenschaftswohnungen.

Das eigene Haus ist je nach Lage kaum noch bezahlbar

Für Aufstockungen, eine kompakte Bauweise und die Nutzung kleiner Grundstücke spricht sich auch der Architekt Thomas Sixt Finckh aus. Der Vorsitzende der Kammergruppe Esslingen I bezeichnet den Bau von Einfamilienhäusern im urbanen Raum als puren Luxus.

Der Markt für das klassische Einfamilienhaus entwickelt sich je nach Lage recht unterschiedlich. Besonders teuer sind weiterhin attraktive Hanglagen in Esslingen rund um die Burg, in Rüdern und der Neckarhalde. Aber auch Immobilien in Aussichtslagen in Leinfelden, in Kirchheim am Würstlesberg und in Nürtingen rufen Spitzenpreise auf. Wer nicht erbt oder gut verdient, kann dort nicht kaufen, das ergibt sich aus dem Immobilienmarktbericht der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Für Gebäude mit Baujahr bis 1950 und in renovierungsbedürftigem Zustand starten die Preise in Esslingen bei 330 000 Euro, während für sanierte beziehungsweise neuwertige Einfamilienhäuser bis zu 2 Millionen Euro aufgerufen werden.

Not macht auch Bauträger erfinderisch, das zeigt das Beispiel der zehn Doppelhaushälften im Osten des Plochinger Stumpenhofs. Dort hat die Kreisbau Kirchheim-Plochingen im Juni 2022 den Spatenstich für die Häuser mit Aussicht auf die Schwäbische Alb getätigt. Weil aber der Verkauf der nachhaltigen Gebäude mit Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher, Be- und Entlüftungsanlage sowie E-Auto-Ladestation stockt, hat die Genossenschaft inzwischen fünf Häuser vermietet. Die übrigen sollen für je 920 000 bis 980 000 Euro verkauft werden.

In den Kirchheimer Badwiesen werden Bestandsgebäude aufgestockt. Foto: /Bankwitz Planungsgesellschaft

„Letztes Jahr war der Markt bei Null“, berichtet der Vorstandssprecher der Kreisbau, Bernd Weiler. Inzwischen ziehe immerhin das Interesse an Eigentumswohnungen dank der Zinssenkung an und es werde wieder ohne Preisverhandlungen gekauft. Er blicke leicht optimistisch ins Jahr 2025.

Der Markt kommt wieder in Bewegung

Kaufen
Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen finanzierte im Jahr 2024 bis Juli nach eigenen Angaben Immobilienkäufe in Höhe von 268 Millionen Euro – das bedeute ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, heißt es im KSK-Immobilienmarktbericht. Dem Bericht zufolge ist der mittlere Kaufpreis – das bedeutet, dass die Hälfte der Angebote darüber, die andere darunter lag – für Häuser in Leinfelden-Echterdingen mit 707 200 Euro am höchsten gewesen. Hier sind auch die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Einfamilienhäuser Spitze im Kreis Esslingen (4420 Euro).

Mieten
Während die Kaufpreise für Immobilien nach Angaben der KSK im Kreis Esslingen leicht gesunken sind, stiegen die Mieten in den vergangenen Monaten weiter an auf durchschnittlich 13,75 Euro pro Quadratmeter. In Esslingen liegt der durchschnittliche Mietpreis bei 12,30 Euro pro Quadratmeter, in Kirchheim bei 11,70 Euro, dort beträgt die Steigerung 4,9 Prozent.

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