Im Kappelbergtunnel in Fellbach wird ein Notfall simuliert: Mehr als 140 Einsatzkräfte sollen zwei brennende Lastwagen löschen und die Verletzten retten.
Rauch liegt in der Luft – so dicht wie Nebel. Schritt für Schritt tastet sich ein Rettungsteam der Feuerwehr vor. Die Lichtkegel ihrer Taschenlampen gleiten über den Tunnelboden – auf der Suche nach Verletzten. Dann werden sie fündig: Neben einem querstehenden Auto liegt ein bewusstloser Mann auf dem Bauch, er blutet.
Zum Glück ist die Szene nur gestellt: Die Feuerwehren aus Fellbach und Stuttgart, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Polizei simulieren am Sonntagnachmittag einen Großbrand im Kappelbergtunnel(Rems-Murr-Kreis). Das angenommene Schreckensszenario: Ein schwerer Auffahrunfall mit zwei Lastwagen – die beteiligten Fahrzeuge explodieren und verursachen einen großen Brand.
Das erste Löschfahrzeug fährt nach 15 Minuten in den Tunnel
Im Rems-Murr-Kreis gibt es alle vier Jahre in einem der modernen Stadttunnel eine Notfallübung für Einsatzkräfte – so will es das Gesetz. Weil der Kappelbergtunnel am Sonntag ohnehin wegen Wartungsarbeiten gesperrt ist, nutzen das Regierungspräsidium Stuttgart, das Landratsamt Rems-Murr und die Stadt Fellbach die Gelegenheit für eine groß angelegte Notfallübung.
Rund 15 Minuten nachdem der Alarm ausgelöst wurde, fährt das erste Löschfahrzeug der Stuttgarter Feuerwehr in den Tunnelmund Richtung Fellbach. „Jetzt heißt es Löschen, Löschen, Löschen“, sagt Alexander Ernst von der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach. Schläuche werden ausgefahren und verbunden – die Löschkette steht in nur rund drei Minuten. Als Erstes spritzen die Feuerwehrleute Wasser an die Tunneldecke, damit diese abkühlt. So wird sichergestellt, dass die Bausubstanz keinen Schaden nimmt und nichts von der Decke fällt. Dann sind sofort die zwei Lastwagen dran.
Eine Notfallübung kostet Geld. Das Regierungspräsidium übernimmt die Kosten von 15.000 Euro für den Rauch. Das Landratsamt kommt fürs Vesper auf, die Arbeitsstunden tragen die Hilfsorganisationen.
Der künstlich erzeugte Rauch ist so dicht, dass man die eigene Hand kaum vor Augen sieht. „Es ist wie beim Spiel Blinde Kuh, sie wissen nicht, wo sie sind“, sagt Alexander Ernst. „Aber der Rauch ist gefahrlos, denn es ist Disconebel.“ Das Erkundungsteam ist jetzt im Tunnel, es hat die Aufgabe, alle zu markieren, die verletzt sind. Es muss schnell gehen, immerhin steht das Leben einiger Verletzter auf dem Spiel.
Jedes noch so wichtige Detail wird der Einsatzleitung gemeldet. Die hat sich vor dem Tunnel auf Fellbacher Seite positioniert. Dort laufen die Fäden zusammen: Wie viele Verletzte gilt es zu versorgen? Wie viele Fahrzeuge werden noch benötigt?
Die Durchsagen im Tunnel sind nicht zu verstehen
Inzwischen gibt es kein Stillstehen mehr im Tunnel. Das Rettungsteam trägt vermeintlich Verletzte aus der verrauchten Röhre, DRK und Notarzt verabreichen Schmerzmittel und Infusionen. Es ist ziemlich laut, da die Ventilatoren eingeschaltet wurden, um den Rauch wegzublasen. Es gibt auch Durchsagen im Tunnel, aber die sind praktisch nicht zu verstehen. „Es ist wie im Flugzeug, wenn ein ausländischer Pilot spricht“, bringt es Alexander Ernst auf den Punkt. Schon zeigt die Übung eine Schwachstelle auf.
Draußen vor dem Fellbacher Tunnelmund hat auch das Deutsche Rote Kreuz seine Zelte aufgebaut. „Unser Ziel ist es, dort alle vom Notfall betroffenen Personen durchzuchecken“, erklärt Steffen Schwendemann vom DRK Rems-Murr. Anschließend werde entschieden, welche Verletzten vorrangig abtransportiert werden müssen.
Christian Köder, Kommandant der Fellbacher Feuerwehr, ist Leiter der Notfallübung. Er weiß, dass seine Männer heute nicht nur mit ihrer 28 Kilogramm schweren Ausrüstung zu kämpfen haben. „Unter Atemschutz zu funken, ist eine echte Herausforderung“, sagt er. Mit dem Verlauf der Übung sei er zufrieden. Mehr könne er momentan nicht sagen, denn die gesammelten Erkenntnisse kämen erst in wenigen Tagen auf den Tisch. Die zentralen Fragen sind dann: Was war gut? Was war schlecht? Und was kann man besser machen? Eine Erfolgsmeldung hat er rund eine Stunde nach dem Auslösen des Alarms im Kappelbergtunnel dann doch noch parat: „Feuer ist aus, die Verletzten sind raus, dann sind wir zufrieden.“