Großübung in Stuttgart-Untertürkheim Inszenierter Katastrophenalarm

Von Martina Fürstenberger 

Der Wasserrettungszug der DLRG hat am Samstagabend im und am Untertürkheimer Inselbad eine Großübung durchgeführt. 33 Retter waren im Einsatz.

Jeder Handgriff sitzt – die Übung hat nahezu reibungslos  funktioniert. Foto: DLRG Stuttgart
Jeder Handgriff sitzt – die Übung hat nahezu reibungslos funktioniert. Foto: DLRG Stuttgart

Untertürkheim - Katastrophenalarm in Untertürkheim: Der Pegel des Neckars steigt immer weiter, ein Teil des Wohngebiets ist bereits durch die Wassermassen vom Rest des Stadtbezirks abgeschnitten. Die Menschen müssen gerettet werden, bevor das Wohngebiet überflutet wird.

Es ist kurz nach 17 Uhr, und es wird bereits dunkel. Um 18.30 Uhr, so die Voraussage, wird die Insel überflutet sein. Die Einsatzkräfte stehen unter Zeitdruck. Dass die 33 Männer und Frauen der DLRG trotzdem ruhig an ihre Arbeit gehen, hat natürlich seinen Grund: Es ist alles nur eine Übung. „Einmal im Jahr führen wir eine solche Großübung durch“, erklärt Einsatzleiter Thomas Ruhland. Schließlich muss man für tatsächliche Katastrophen gerüstet sein. Die Einsatztruppe, die sich aus DLRG-Mitgliedern des Bezirks Stuttgart, Ludwigsburg und Glems-Schönbuch zusammensetzt, war zum Beispiel 2016 in Braunsbach, 2013 in Magdeburg und Pleidelsheim und 2011 in Backnang im Einsatz.

Mögliche Szenarien durchgespielt

Auch heute warten einige Herausforderungen auf die Helfer. Denn auf der durch die Wassermassen geschaffenen Insel – in der Übung das Gelände des Inselbads – sind noch etliche Personen, die evakuiert werden müssen. Wie viele genau, weiß keiner. Während auf dem Parkplatz des Rudervereins die Boote in Position gebracht werden, erkunden Mitglieder der sogenannten Strömungsrettergruppe auf der Insel die Lage. Sie stoßen schon bald auf zwei Frauen, die sich gerade im Kanu in Sicherheit bringen wollen, aber panisch nach ihren zwei Freunden Max und Moritz suchen, die offensichtlich untergegangen sind. Im Gebüsch steht ein etwas verwirrter junger Mann, der seinen Freund Luca vermisst. Ein Rettungsboot wird nun losgeschickt, die Taucher suchen im Kanal nach Max und Moritz, während die Strömungsretter nach weiteren Personen Ausschau halten.

„Luca“ liegt übrigens auf dem 5-Meter-Brett des Sprungturms. „Er hat versucht, sich auf einem höheren Gebäude in Sicherheit zu bringen und ist gestürzt“, erklärt Ruhland. „Alleine kommt er nicht mehr runter.“ Die Helfer wissen dies noch nicht – und auch sonst wird es ihnen nicht einfach gemacht. Eine Mutter mit penetrant schreiendem Baby irrt herum, ein Mann mit Krücken kann nicht selbstständig ins Rettungsboot einsteigen, ein weiterer Mann will seinen 20 Kilo schweren Koffer nicht zurücklassen. Zwei der Geretteten sind so in Panik, dass sie vom Boot ins Wasser stürzen. Gleichzeitig steht der Minister an der Einsatzzentrale und will wissen, wie die Lage steht.

Einsatzleiter zeigt sich zufrieden

Verwirrung herrscht um 18.15 Uhr: Zwei Passanten, die auf dem Neckarradweg unterwegs waren, melden den Einsatzkräften eine schwimmende Person im Kraftwerkskanal. Gehört diese zur Übung oder nicht? Wieder eilt ein Erkundungstrupp los. Gleichzeitig drängt die Zeit: „Luca“ wurde gefunden und muss abgeseilt werden, bevor um 18.30 Uhr alles überflutet ist. Gegen 19 Uhr ist die Lage unter Kontrolle: Die schwimmende Person (eine der 15 Mimen der Übung) wurde aus dem Wasser gefischt, Max und Moritz (zwei Puppen) wurden in der Nähe des Ufers gefunden, Mutter mit Kind sowie weitere Personen samt Hund und Katze gerettet. Einsatzleiter Thomas Ruhland ist zufrieden. In den nächsten Tagen wird alles ausgewertet und geschaut, was man noch besser machen könnte. Nur der verwirrte junge Mann macht sich noch Sorgen um seinen verlorenen Autoschlüssel.

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