Bürsten, Socken, oder doch gleich einen Rasenmäher? Beim Friolzheimer Pfingstmarkt trifft sich beileibe nicht nur die ganze Gemeinde. Tausende sind auf den Beinen.
Ferdinand betrachtet das Markttreiben aus sicherer Distanz. Am Stand von Rainer Padubrin liegt der Mops in seinem Körbchen und beobachtet die Menschen. Interessiert zwar, aber auch nicht unbedingt auf Action aus. Handlung und Handeln überlässt er seinem Herrchen sowie den Kundinnen und Kunden. Und von denen gibt es bereits am Vormittag dieses Pfingstmontags einige. Ihr Begehr: Socken, und zwar in allen Variationen. Dafür sind sie beim Stuttgarter Padubrin richtig. Seit mehr als 30 Jahren kommt er zum Friolzheimer Pfingstmarkt. Seine Familie ist seit fast 60 Jahren mit dabei, er selbst ist die dritte Generation. „Wir haben überwiegend Stammkunden“, sagt er, bevor er sich mit fachkundiger Beratung einer weiteren Kundin widmet.
Was in Leonberg der Pferdemarkt, ist in Friolzheim der Pfingstmarkt
Was den Leonbergern der Pferdemarkt ist, ist für die Menschen in Friolzheim ihr Pfingstmarkt: Der „Nationalfeiertag“ im Kalender, an dem Tausende Gäste auch von außerhalb die abgesperrten Straßen der Enzkreisgemeinde bevölkern. An diesem Pfingstmontag ist es wieder so weit, zum inzwischen 190. Mal. An weit mehr als 100 Marktständen können sich die Besucherinnen und Besucher mit fast allem eindecken, was für Haushalt und Freizeit vonnöten ist – flankiert selbstredend vom klassischen Essens- und Getränkeangebot.
Und es gibt sie auch in Friolzheim, die echten Urgesteine des Marktgeschehens. Wie Rainer Padurbin. Oder Ruth und Peter Rollbühler aus Aalen, die an ihrem Stand im Friolzheimer Kreisverkehr große Kunststoff-Spielzeugautos der Firma Bruder verkaufen. Das heißt: die Augen der Kinder werden ein ums andere Mal groß und größer. „Und genau das macht auch so einen Markt wie hier in Friolzheim aus“, findet Ruth Rollbühler. Hier werde nicht durchgehetzt wie auf kommerziellen Märkten. „Hier sind die Vereine mit an Bord, und schon allein deswegen kommen die Leute, die dann viel interessierter sind. Es ist ein gutes Pflaster hier.“ Gemeinsam mit ihrem Ehemann verkauft sie seit 1983 die Bruder-Spielsachen – vermutlich kann sie die verschiedenen Marktgeschehen also durchaus einschätzen.
Sockenspezialist: Rainer Padubrin ist ein Pfingstmarkt-Veteran. Foto: Simon Granville
Während der Leonberger FW-Stadtrat Jörg Langer um die Mittagszeit im Festzelt mit seinem Akkordeon aufspielt, macht sich ein paar Meter weiter Jonas Weiß für ein weiteres Verkaufsgespräch bereit. Er verkauft Gemüsehobel aller Couleur – und führt sie den Besucherinnen und Besuchern auch gleich wortreich vor. „Man muss die Leute schon ansprechen“, sagt der Heidelberger, der zum ersten Mal in Friolzheim beim Pfingstmarkt teilnimmt – und dessen Herkunft man in Sachen Zungenschlag eher aus der Kölner Ecke verorten würde. „Stimmt“, sagt er lachend, „vielleicht macht es das auch noch etwas einfacher.“ Über 30 Jahre ist er im Geschäft, dem Pfingstmarkt gibt er auf seiner eigenen Skala sieben von zehn Punkten („Schon gut hier“). Und er weiß, wann er sich von der Presse ab- und der Kundschaft zuwenden muss: „Bleiben Sie ruhig stehen, ich zeig’ Ihnen, wie das funktioniert!“
Wie groß der Pfingstmarkt in Friolzheim ist, zeigt sich nicht nur an den Menschenströmen, die sich durch die Standreihen drücken. Die Tatsache, dass an allen Enden der Veranstaltung große Lastwagen als Terror-Barrikaden abgestellt sind, zeugt auf eigenartige Weise von der Dimension des Geschehens. Auch gab es erneut einen Busshuttle von weiter entfernten Parkplätzen.
Doch davon lassen sich die Leute den dank prächtigem Wetter wunderbaren Markttag nicht vermiesen. Eine Frau hat einen Teppichklopfer gekauft und verschwindet im Handtaschenstand. Einige pilgern bereits wieder nach Hause. In ihren Tüten: unter anderem Rührlöffel und Flaschenbürsten.
Frank Promoli fährt 250 Kilometer zum Friolzheimer Pfingstmarkt
Gut möglich, dass sie die bei Frank Promoli gekauft haben. Auch er ist ein Veteran – einer mit langem Anfahrtsweg. „Seit 30 Jahren komme ich aus Pfaffenhofen in Oberbayern hierher, 250 Kilometer“, berichtet er. An seinem Stand gibt es alles für den Haushalt: eben Flaschenbürsten und Rührlöffel, aber auch Messer, Rosshaarbesen („Das kriegt man keine im Baumarkt“) und vieles mehr. „Die Menschen schätzen Qualität“, sagt Promoli, „Glump ist nicht mehr gefragt.“
Ebenfalls kein Glump waren die Werkstücke, die beim Kunsthandwerkermarkt in Renningen den Besitzer wechselten. Ebenfalls bei bestem Wetter kamen rund um den Kirchplatz zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf ihre Kosten.