Grün-rote Regierung Arbeitsministerin Katrin Altpeter hat ein Heimspiel

Von und Reiner Ruf 

Noch wärmer, ja geradezu freundschaftlich ist die Stimmung am Montag im Haus der Katholischen Kirche beim Auftritt der neuen Sozialministerin Katrin Altpeter. Es ist, als freue sich ein alter Freundeskreis über die Beförderung einer der Ihren oder auch von zweien. Zur Landestagung der Landesstelle für Suchtfragen sind Altpeter und auch die grüne Sozialpolitikerin Brigitte Lösch als frischgebackene Vizepräsidentin des Landestags gekommen, um Grußworte zu sprechen. Ihnen folgt am Rednerpult Ulrich Fellmeth nach, der Vorsitzende des Ligaausschusses Kinder, Jugend, Familie. Und er gerät vor den rund 100 Sozialpädagogen ins Schwärmen: "Wer hätte sich das träumen lassen, dass sich diese Phalanx von Expertinnen so wichtige Posten teilen." Fellmeth räumt ein, "vor der Wahl haben einige in der Kinder- und Jugendhilfe davon geträumt, dass die neue Sozialministerin entweder Katrin Altpeter oder Brigitte Lösch heißt". Aber "es konnte nur eine werden". Da gibt auch der Gastgeber seine mühsam gewahrte Zurückhaltung auf. "Ich werde keine großen Erwartungen an die Landesregierung formulieren, aber wir hoffen, dass wir in der Kommunikationsbasis deutliche Fortschritte machen. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das mit Ihnen gelingen wird", sagt Hansjörg Böhringer, der Vorsitzende der Landesstelle, und reiht sich ein in die Riege der Strahlemänner, die sich freuen, als hätten sie selbst die Wahl gewonnen. Sozialpädagogen lieben Sozialdemokraten. Das weckt Erwartungen.

Die neue Ministerin weiß durchaus, dass sie ein Heimspiel hatte. "Ich kenne da alle Akteure", sagt sie und verlässt trotz aller Freundschaft die Veranstaltung nach der gut einstündigen Anstandsfrist. Der Sozialbereich ist weit verzweigt. Es gibt viele Metiers, in denen sie noch nie war. Und überall seien die Erwartungen an eine Sozialdemokratin höher als an andere, sagt Katrin Altpeter und zieht die Stirn in Falten. Sie weiß, dass eine Ministerin für alle da sein muss. Es allen recht zu machen ist aber schwer. In ihrem Haus gab es durchaus Nickligkeiten. Der scheidende Staatssekretär Dieter Hillebrand (CDU) mokierte sich per Rundschreiben im Sozialministerium darüber, dass sein Türschild zu früh ausgetauscht worden sei, und zwar am 11. Mai, dabei sei er doch bis 12. Mai im Amt gewesen. Da habe sich wohl ein devoter und kleinkarierter Geist bei den neuen Herren vorsorglich beliebt machen wollen, argwöhnt Hillebrand. Seinen Nachfolger kann er nicht meinen. Es gibt keinen Staatssekretär mehr im Sozialministerium.