Grün-schwarze Halbzeit in Baden-Württemberg Koalition verspricht blühende Landschaften
Grüne und CDU in Baden-Württemberg versichern, bestens miteinander zu harmonieren. Die beiden Hauptakteure können schon bald die ärgsten Gegner werden.
Grüne und CDU in Baden-Württemberg versichern, bestens miteinander zu harmonieren. Die beiden Hauptakteure können schon bald die ärgsten Gegner werden.
Man muss ja nicht Psychologie studiert haben, um über die positive Wirkung von Lob Bescheid zu wissen. Es stärkt Motivation und Selbstvertrauen, es fördert ein besseres Miteinander. So gesehen waren die vergangenen Tage für die grün-schwarze Landesregierung eher schwierig. Zur Halbzeitbilanz gab es von Gewerkschaften, Verbänden und Medien eher verhaltenen Applaus. Die Fraktionschefs der Regierungskoalition nahmen die Sache daher lieber selbst in die Hand. Am Montag präsentierten Andreas Schwarz (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) ihre Sicht auf die Dinge. Niemand wird sich wundern, dass die ungetrübt positiv ausfiel.
Da standen zwei Männer, die alles unternahmen, den glaubhaften Eindruck zu erwecken, wirklich gut miteinander zu können. Andreas Schwarz versicherte, dem „lieben Manuel“ zu vertrauen, der so Gelobte sprach viel von echter Partnerschaft. Doch so groß ist die Liebe dann auch wieder nicht. Schließlich könnte es sein, dass gerade diese beiden Männer zu den Hauptkonkurrenten werden, wenn der Wähler in zweieinhalb Jahren zur Urne gebeten wird.
Bei der CDU ist es nicht unwahrscheinlich, dass Hagel der nächste Ministerpräsidentenkandidat werden könnte, bei den Grünen zumindest nicht unmöglich, dass diese Aufgabe Andreas Schwarz zufällt. Und deswegen ist es auch ein gar nicht so kleiner Tritt an das Schienbein vom Andreas gewesen, zu dem der liebe Manuel vor dem Wochenende ausgeholt hat. Seine Fraktion, hatte er da gesagt, werde in dieser Wahlperiode keinem neuen Kandidaten der Grünen zustimmen, sollte der amtierende Ministerpräsident das Feld vorzeitig verlassen, um einem Nachfolger bessere Startchancen zu ermöglichen. Da sich die FDP schon zu Beginn des Sommers ähnlich geäußert hatte, sind Grüne Gedankenspiele in dieser Richtung nun endgültig Teil der neueren Geschichte. Immerhin: Von dieser Ansage habe Andreas Schwarz nicht erst aus der Zeitung, sondern vorab erfahren, sagen beide. Und beide sparen 904 Tage nach der letzten Landtagswahl nicht mit gegenseitigem und eigenem Schulterklopfen. „Keine Zeit für Stillstand“, heißt es da, von „viel Licht und wenig Schatten“ ist die Rede. Und weil sowohl Schwarz wie auch Hagel gewiefte Wahlkämpfer sind, schalten sie aus dem Das-haben-wir-in-der-Vergangenheit-toll-gemacht-Modus gleich in den Das-machen-wir-künftig-noch-besser-Kanal um.
Ihre Halbzeitkonferenz hatten Schwarz und Hagel aus dem Landtag heraus in eines jener modernen Mietbüros in Stuttgarts Innenstadt gelegt, in denen sonst viel von virtueller Realität geredet wird. Entsprechende Brillen, mit denen sich die Welt schön blicken lässt, hängen zur Dekoration an den Wänden. Und man kann sich nicht ganz des Gedankens erwehren, dass Andreas Schwarz solch eine Brille aufgehabt hat, als er den Teil seiner Rede verfasst hat, der den Blick auf das Jahr 2030 richtet. Dort sah er erschwingliche Mieten für Leute mit kleinem Geldbeutel, Radler, die an Photovoltaikanlagen vorbeidüsen, und perfekte Kinderbetreuung. Alles durch Maßnahmen, die jetzt von der Landesregierung eingeleitet wurden.
Manuel Hagels Modell zeigt das Land im Jahr 2035 – mit digitalisierten Schulen und weniger Bürokratie. Die Schwärmerei der beiden erinnert ein wenig an die blühenden Landschaften, die einst einem anderen Teil Deutschlands vorhergesagt wurden. Der böse Verdacht sei erlaubt: Wer auf den 1. FC Heidenheim als deutschen Meister im Fußball setzt, hat größere Aussichten auf den Eintritt des Erfolges. Wobei: Förderung des Sportes, das ist schließlich auch eine der landespolitischen Kernaufgaben.