Gründer des Timone in Stuttgart-Sillenbuch Im Urlaubsparadies verkauft sich das Eis stressfreier

Von Caroline Holowiecki 

Salvatore Fratantonio, der Gründer der Eisdiele Timone, hat sich vor einigen Jahren auf Sardinien niedergelassen. Und dort macht er das, wofür er in Stuttgart-Sillenbuch bis heute berühmt ist: „il buon gelato“ – das gute Eis.

Salvatore Fratantonio betreibt in San Teodoro zwei Eisdielen. Foto: Caroline Holowiecki
Salvatore Fratantonio betreibt in San Teodoro zwei Eisdielen. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Türkisfarbenes Wasser, weiße Puderzuckerstrände, wilde Flamingos, Pizza und Pasta in Hülle und Fülle. Das 5000-Seelen-Städtchen San Teodoro auf der Urlaubsinsel Sardinien ist bei Touristen beliebt, ganz besonders bei deutschen. Und die kriegen von den Italienern häufig einen Rat, wenn es mit der Verständigung nicht klappt und Fragen nicht beantwortet werden können. Dann wird zu „il tedesco“ verwiesen, „dem Deutschen“. Il tedesco, das ist für die Einheimischen Salvatore Fratantonio, 59 Jahre, Betreiber zweier Eisdielen im Stadtzentrum. Und ein waschechter Italo-Schwabe. In San Teodore kennt ihn jeder – und im Stadtbezirk Sillenbuch ebenso.

Der typische schwäbische Leistungsdruck

Salvatore Fratantonio und seine Frau eröffneten 1984 das Eiscafé Timone an der Kirchheimer Straße. Bis heute ist das Lokal im Bezirk Kult. An heißen Tagen stehen sich die Schleckermäuler die Beine in den Bauch, die Gründer haben das Timone allerdings 2006 abgegeben und sind kurz darauf nach Sardinien gegangen. „Zu stressig“ sei alles gewesen, sagt Salvatore Fratantoni rückblickend. Der typisch schwäbische Leistungsdruck sei noch gestiegen, nachdem ein Fachmagazin die Sillenbucher Eisdiele im Jahr 2000 zu einer der besten zehn in Deutschland erkoren hatte. „Da war viel, viel los“, sagt Salvatore Fratantonio schnaufend.

Viel los ist in seinen beiden Eisdielen in der Wahlheimat auch. Bis Mitternacht, bis die Lichter bei „da Salvatore – il buon gelato“ ausgehen, stehen Touristen und Einheimische an. Es gibt die Klassiker mit Obst, Nuss und Schokolade, aber auch Süßes mit Kurkuma, mit Ingwer oder mit Honig aus der Avocadoblüte. Sein Erfolgsrezept erklärt er so: „Vielen fehlen Liebe und Leidenschaft.“ Außerdem verwende er für sein selbst gemachtes Eis nur Naturprodukte und viel Regionales. Das kommt an.

Eines vermisst er ab und zu: die deutsche Genauigkeit

Zweimal seien die Kreationen von einem Online-Urlauberportal zu den besten in San Teodoro gekürt worden, außerdem hat der Chef nach eigenen Angaben 2011 auf der Eismesse MIG den Preis für das beste Haselnusseis erhalten. Das schwäbische Schaffa, Schaffa gilt für Salvatore Fratantonio also auch fernab des Ländles. Aber der Stress sei in Italien ein anderer, versichert er. Tagsüber genießen er und seine Frau die Natur, gehen mit ihrem Hund am Strand spazieren. „Es gibt nirgendwo sonst ein Meer wie auf Sardinien“, sagt er – immerhin ein gebürtiger Sizilianer. „Es ist ein Paradies“, findet er. Nur eines vermisse er ab und zu: die deutsche Genauigkeit.

Die Verbundenheit mit seiner mehr als 1000 Kilometer entfernten alten Heimat ist selbst im Urlaubsparadies unübersehbar. Durch San Teodoro fährt „il tedesco“ bis heute mit Stuttgarter Kennzeichen am Auto und am Moped, „ich will das so“, sagt er. In seiner Eisdiele steht er mit einem Hemd, das das Logo des Sillenbucher Restaurants Bianco e Nero trägt, das die Familie 2005 eröffnet hat und das der Sohn bis heute führt. „Es hat einfach eine super Qualität“, sagt Salvatore Fratantonio und streicht lachend über den weißen Stoff. Im Filder-Lokal kann man den Papa auch ab und an antreffen. Im Winter komme er regelmäßig nach Stuttgart und helfe dann im Bianco e Nero aus. Aber im Sommer, da geht’s wieder ans türkisfarbene Meer und die weißen Puderzuckerstrände.

Sonderthemen