Gründercafé an der Uni Stuttgart Mit Gesprächen und Koffein eigene Ideen entwickeln

Von Christoph Kutzer 

Mit einem Gründercafé wollen Studierende der Uni Stuttgart am Campus Vaihingen neue Ideen auf den Weg bringen. Nach vielversprechendem Test soll es im Herbst in die Vollen gehen.

Das Gründercafé soll als offener Treffpunkt für Studierende fungieren. Foto: privat
Das Gründercafé soll als offener Treffpunkt für Studierende fungieren. Foto: privat

Vaihingen - Liegestühle stehen im kommunikationsfreundlichen Rund in der Mitte jener Räume auf dem Vaihinger Uni-Campus, in denen sich bis zum Sommer 2018 die Wittwer-Filiale befand. An der Wand künden liebevoll gestaltete Schilder von der Getränkeauswahl: Kaffee, Limonaden von kleinen lokalen Herstellern, Spezi. „Die Theke wurde gestern abgebaut“, seufzt Julia Pelzer. Die 23-Jährige ist Teil des Teams, das hier Anfang Juli für zwei Wochen das Gründercafé „Freiraum“ eröffnet und das Konzept für einen universitären Start-up-Treffpunkt in einem Probelauf getestet hat.

„Initiiert wurde die Idee, einen flexibel nutzbaren Raum zu schaffen, in dem sich Studierende treffen und gemeinsam an Ideen arbeiten können, von der Gründungsinitiative ‚Let Us Start‘“, erklärt Pelzer. Das Konzept sei in Kooperation mit der Studierendenvertretung Stuvus und der Hochschulleitung entwickelt worden. Im Anschluss galt es, Interessenten für die Realisierung zu finden. Bei einem Kurs, den „Let Us Start“ angeboten hatte, trafen sich Pelzer und weitere Enthusiasten, die das Gründercafé auf den Weg bringen wollten. „Wir sind eine zehnköpfige Gruppe, die unterschiedlicher nicht sein könnte“, gibt das Projektmitglied der ersten Stunde zu Protokoll. „Einige studieren, wie ich selbst, Simulationstechnologie, andere Luft- und Raumfahrttechnik. Wir haben aber auch unseren Experten für Wirtschaftspsychologie, oder für Raumplanung und -gestaltung.“

Start-ups sind nicht nur für Genies

Anna Kley (24) packt im Herbst ihren Master in Architektur an und ist ebenfalls überzeugtes Freiraum-Teammitglied. „Dass Raumplanung ein Teilbereich meines Studiums ist, und ich direkt von den praktischen Erfahrungen profitieren werde, die ich in diesem Projekt machen kann, ist nur ein Nebeneffekt, der sich zufällig ergeben hat“, sagt sie. Sie ergänzt: „Ich habe beschlossen, mich hier zu engagieren, weil ich das Konzept toll fand.“

Das Gründercafé soll als offener Treffpunkt für Studierende fungieren. Whiteboards stehen bereit, an denen Ideen entwickelt und ausgetauscht werden können. Kollaborative Software-Entwicklungsveranstaltungen, sogenannte Hackathons, sind ebenso geplant wie Vorträge von Vertretern der Universität und externen Sprechern oder Pitches von Gründern – Kurzvorträge, die eine Geschäftsidee möglichst clever und kompakt verkaufen sollen.

„Wir wollen Leute bestärken, die denken, Start-ups seien nur etwas für Genies“, erklärt Julia Pelzer. „Wir wollen vermitteln, dass die Umsetzung eigener Ideen möglich ist.“ Für sie und die anderen Freiraum-Begeisterten heißt es nun allerdings erst einmal Daumen drücken, dass es mit der endgültigen Eröffnung zum kommenden Wintersemester klappt.

Noch stehen Genehmigungen der Stadt aus

Die Testwochen waren ein Erfolg. Das Angebot wurde als Treffpunkt hervorragend angenommen und in unterschiedlicher Form kreativ genutzt. Ob Prüfungsvorbereitung, Arbeitsgruppe oder innovative Vision: Neben dem guten Kaffee im freundlichen Ambiente zog auch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch Studierende und Lehrende an. „Es tat weh, wieder zusammenpacken zu müssen“, gibt Pelzer unumwunden zu. Bis es richtig losgehen kann sind unter anderem Arbeiten an der Strom- und Wasserversorgung notwendig. Auch Genehmigungen der Stadt stehen noch aus.

Einen großen Erfolg können die zehn Gründercafé-Verantwortlichen schon jetzt feiern. Sie arbeiten nach wie vor motiviert und produktiv zusammen. „Schon als wir zu acht waren, hat man uns prophezeit, dass das schiefgehen würde, und wir uns in zwei Arbeitsgruppen aufspalten werden“, blickt Pelzer zurück. „Gerade weil wir so unterschiedlich sind, ergänzen wir uns aber bestens.“ Das sieht auch Anna Kley so: „Das Teamwork läuft sehr gut“, urteilt sie. „Und mit Julia haben wir zum Glück jemanden, der die interne Organisation und Abstimmung der Gruppe übernommen hat und den Überblick behält.“

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