Gründerfrühstück in Filderstadt Krisen sind auch Zeiten für Gründungen

Rege Gespräche beim ersten Gründerfrühstück Foto: /Philipp Braitinger

Nach der Lockerung der Coronavorschriften zieht es viele Menschen wieder in die berufliche Selbstständigkeit. Nun fand das erste Gründerfrühstück im Landkreis Esslingen in Filderstadt statt.

Christoph Traub brachte seine Botschaft gleich zu Beginn auf den Punkt. „Man braucht nicht jedes Rad neu zu erfinden“, so begrüßte der Filderstädter Oberbürgermeister die Teilnehmenden beim ersten Gründerfrühstück im Landkreis Esslingen, das am Donnerstag in Filderstadt stattfand. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie wichtig Netzwerke auf dem Weg in die berufliche Unabhängigkeit seien. Vor 23 Jahren habe er sich mit einer Rechtsanwaltskanzlei selbstständig gemacht.

 

Fast dreißig Teilnehmer waren nach Filderstadt gekommen. Unter den Besuchern waren viele, die bereits ein Unternehmen gegründet haben. Darüber hinaus waren auch einige Gäste dabei, die sich gerade in einer Gründungsphase befinden. Die Geschäftsideen reichten von einer Werbeagentur über Onlinehandel und Vertrieb bis zu IT-Dienstleistungen. Beratungsangebote für unterschiedliche Bereiche stehen bei vielen Gründern ebenfalls hoch im Kurs. Auch eine Frau, die Kleidung für Tänzer und Eiskunstläufer herstellt, war unter den Besuchern.

Bei Gründern steigt die Zuversicht

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) standen die Gründerberater Michael Kuschmann und Alexander Flick für Gespräche bereit. „Zu Beginn der Pandemie war das Gründungsgeschehen verhalten“, erinnert sich Kuschmann. Inzwischen steige das Interesse wieder. „Es gibt Zuversicht.“ Von der Zahl der Besucher waren die Organisatoren positiv überrascht. Die Treffen finden regelmäßig statt – nächster Termin ist am 29. September, erneut in Filderstadt.

Zum Erliegen seien die Gründungen während der vergangenen beiden Jahre aber nicht gekommen. „Krisen sind auch Zeiten der Existenzgründungen“, weiß Kuschmann. Ein Jobverlust könne auch ein Impuls sein. Wichtig sei aber, nicht ausschließlich aus der Not heraus in die Selbstständigkeit zu gehen. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen.

Nicht immer gelingt der Sprung in die Unabhängigkeit. Was dem IHK-Berater Flick häufig bei gescheiterten Neugründungen auffällt, ist ein zu geringer Einsatz für Vertrieb und Marketing. Der Geschäftsplan könne noch so gut sein – sofern niemand davon erfährt, wird kein Geld verdient. „Die Idee allein reicht nicht“, betont Flick. Das gute Produkt oder die gute Dienstleistung muss auch noch ihren Weg zum Kunden finden.

Teil des Projekt „MachES“

Fragen auf dem Weg in die Selbstständigkeit gibt es viele. Welche Rechtsform ist die richtige? Welche rechtlichen Voraussetzungen gibt es? „Es ist erst ein Dschungel. Aber man kann immer bei uns anrufen“, sagt Flick. Darüber hinaus stehen den Selbstständigen nicht nur beim Gründerfrühstück die „Senioren der Wirtschaft“ zur Seite. In dem Verein haben sich 60 ehemalige Unternehmer zusammengeschlossen. Sie begleiten Gründer, Start-ups und kleine bis mittelständische Unternehmen ehrenamtlich. Ebenfalls zur Seite stehen Unternehmensgründern die Wirtschaftsförderer der Kommunen.

Das Gründerfrühstück ist Teil des Projekts „MachES“. Dafür haben sich die Wirtschaftsförderungen der Städte Esslingen, Kirchheim, Nürtingen und Filderstadt zusammengeschlossen und weitere Partnerkommunen ins Boot geholt. Gefördert wird das Projekt für drei Jahre vom Verband Region Stuttgart mit 239 000 Euro, die Hälfte des Budgets. Die andere Hälfte schießen die Städte hinzu.

Weitere Themen