Moritz Seiter und Sophie Krammer wollen nach dem Umbau des Transporters zum Crêpes-Wagen Gäste auf Hochzeiten oder anderen Privatfeiern verköstigen. Foto: Jan Potente
Die Idee kam beim Schlangestehen auf dem Bohnenviertelfest in Stuttgart. Jetzt verwandelt ein kreatives junges Paar einen alten Pferdeanhänger in eine mobile Crêperie.
Annette Clauß
16.04.2026 - 13:20 Uhr
Die Idee kam beim Schlangestehen. Auf dem Bohnenviertelfest in Stuttgart standen sich Sophie Krammer und Moritz Seiter, beide sind Anfang 30, im Sommer vergangenen Jahres die Beine in den Bauch. Und flachsten, dass ein eigener Crêpe-Wagen wohl die beste Lösung gegen die lange Warterei wäre.
„Das war eher ein Scherz, aber danach haben wir doch mal bei Kleinanzeigen nach Verkaufswagen gesucht“, erzählt Moritz Seiter. Der Blick ins Internet war ernüchternd: „Solche Imbisswagen kosten bis zu 20 .000 Euro.“ Allerdings stieß das Paar auch auf einen Pferdeanhänger in Offenburg, der mit einer Verkaufsklappe, Holzvertäfelung und Strom ausgerüstet war. „Da hat es uns schon sehr gejuckt“, sagt Sophie Krammer. „Aber wir wollten keine Hauruck-Aktion machen und sind erst in den Urlaub gefahren.“
Nach dem Schottland-Urlaub war der Anhänger verkauft. Doch die beiden entdeckten das gleiche Modell für knapp 2000 Euro bei einem Händler in der Nähe – und schlugen zu. „Wir waren blauäugig und haben gedacht, dass wir in vier Wochen mit dem Umbau fertig sind“, erinnert sich Moritz Seiter und lacht. Inzwischen sind rund sechs Monate vergangen, und das junge Paar kennt so ziemlich jeden Baumarkt zwischen Stuttgart und Winnenden (Rems-Murr-Kreis) von innen. In Winnenden steht der Anhänger im Hinterhof der Schreinerwerkstatt von Sophies Vater.
Der Pferdeanhänger brauchte eine neue Bodenplatte – die alte war durch Pferdeurin zerstört. Foto: Jan Potente
Fast jede freie Minute haben Sophie Krammer und Moritz Seiter dort das letzte halbe Jahr verbracht, auch bei Eiseskälte, mit drei Lagen Klamotten übereinander. Sie haben gesägt, geschliffen, geschraubt und gestrichen – und die ein oder andere böse Überraschung erlebt. „Zum Beispiel war der komplette Boden morsch, und die ganze Bodenplatte musste ersetzt werden“, erzählt Sophie Krammer: „Das hat uns einen Monat Zeit gekostet.“ Das Einpassen der neuen Bodenplatte war ein Kraftakt. Dabei wuchtete das Duo mit Helfern das schwere Gehäuse mit Stemmeisen einige Zentimeter in die Höhe und schob den neuen Holzboden rein. „Danach haben plötzlich die Schrauben nicht mehr in die Löcher gepasst“, erzählt Moritz Seiter.
„Wir arbeiten mit den Händen und sind anders ausgelastet“
Trotz Widrigkeiten haben Sophie Krammer und Moritz Seiter den Spaß an ihrem Projekt nicht verloren. Im Gegenteil: Sie bedauern sogar ein bisschen, dass sie nun auf der Zielgeraden angelangt sind. „Wir sitzen ja sonst beide acht Stunden am Rechner. Hier planen wir und arbeiten mit den Händen und sind auf eine ganz andere Art ausgelastet“, schwärmt Sophie Krammer. Zudem ergänzt sich das Duo gut: Moritz ist der Planer, Sophie eher die Macherin. „Wenn ich den Hänger allein ausgebaut hätte, wäre er erst in drei Jahren fertig. Und wenn Sophie allein am Start wäre, dann wäre am Ende wohl die ein oder andere Schraube locker“, bringt es Moritz Seiter auf den Punkt.
Ein dunkelgrüner Anstrich mit goldenen Zierleisten und zwei Straßenlaternen im historischen Stil außen, Stuckleisten und eine gemütliche Beleuchtung im Inneren – so plant das Duo den Anhänger im Pariser Stil. Der Name passt dazu: „Alehop Crêpes“. Beim Umbau legen die zwei Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir haben bei jeder Schraube diskutiert, ob wir eine neue nehmen oder nicht.“ Das Sprossenfenster an der hinteren Klappe ist eine Eigenkonstruktion aus einer Siebdruckplatte und Plexiglasscheiben. Jetzt steht noch der Innenausbau an: Eine Küchentheke mit Doppelwaschbecken, zwei Crêpe-Platten und zwei Kühlschränke müssen in den Anhänger gepuzzelt werden. Wasserbehälter und Stromversorgung werden in der Sattelkammer verstaut.
Das Paar hat ihren Crêpes-Wagen bald fertig ausgebaut. Foto: Jan Potente
Crêpes-Wagen überrascht alle – 8000 Euro ins Projekt investiert
Wenn alles fertig ist, haben die beiden rund 8000 Euro in ihr Projekt gesteckt. Was sie da in ihrer Freizeit treiben, hielten sie einige Monate lang geheim. Zu Silvester durften Familie und Freunde Tipps abgeben, was wohl aus dem Hänger werden soll. „Meine Omi hat auf einen Hühner- oder einen Hasenstall getippt“, sagt Sophie Krammer. Aber auch ein Brathähnchen-Stand und ein Crêpes-Wagen waren unter den Vorschlägen. Mitte Mai, pünktlich zur Hochzeit von Freunden, wollen Sophie Krammer und Moritz Seiter ihren Crêpes-Wagen fertig haben und dann Crêpes mit süßem und herzhaftem Belag, aber auch selbstgemachten Kuchen und Limo verkaufen. „Wir wollen keine klassische Imbissbude sein, sondern Bioprodukte und Regionales anbieten.“
Ab dem 1. Juni 2026 kann Alehop Crêpes dann für Privatveranstaltungen wie Hochzeiten und Geburtstage oder auch für Firmenevents gebucht werden. Zunächst sei die fahrende Mini-Crêperie als Nebentätigkeit geplant, die Spaß macht und eine Abwechslung zum normalen Alltag ist, sagen Sophie Krammer und Moritz Seiter, die hauptberuflich bei der Stadt Stuttgart und als selbstständiger Webdesigner arbeiten. Momentan gehen sie davon aus, dass Alehop Crêpes „ein teures Hobby“ sein wird. Sollte der Crêpes-Wagen doch Gewinn abwerfen, wollen sie einen Teil davon spenden. Und die zwei träumen schon von weiteren Projekten – einem Kaffee- und einem Raclette-Wagen.