Gründerin aus Holzgerlingen Schauspieltechniken gegen Traumata
Früher hat Aleksandra Simic aus Holzgerlingen als Schauspielerin gearbeitet. Jetzt will sie ihre eigene Marke gründen und ihr Schauspielwissen an andere weitergeben.
Früher hat Aleksandra Simic aus Holzgerlingen als Schauspielerin gearbeitet. Jetzt will sie ihre eigene Marke gründen und ihr Schauspielwissen an andere weitergeben.
Sie hat schon im Tatort mitgespielt, war in Werbefilmen und auf Filmfestivals unterwegs: Aleksandra Simic aus Holzgerlingen hat mit der Schauspielerei in den letzten Jahren viele Erfahrungen gesammelt, die sie nun alle zusammenführen will. Mit der Gründung von EmbodyX will sie in Zukunft ihre Schauspieltechniken anderen Menschen an die Hand geben, um Resilienz, Ausdruck und Selbstwirksamkeit zu trainieren. Beim Female Founder Cup an der IHK Reutlingen, einem Wettbewerb für Gründerinnen, ist sie mit ihrer Unternehmensidee im Finale gelandet.
Bereits seit zehn Jahren bietet die mittlerweile 32-Jährige Kurse und Seminare an, in denen sie die Kenntnisse aus ihrer Schauspielausbildung mit einbringt. Mittlerweile verfolgt sie die Schauspielerei nicht mehr aktiv. „Die Arbeit hat mich damals schon ausgezehrt“, erzählt Aleksandra Simic.
Als sie 27 Jahre alt ist, beginnt sie ein Studium für Soziale Arbeit an der Hochschule in Esslingen. Damals belegt sie auch das Fach Traumapädagogik. „Das hat mir einfach noch mal gezeigt, warum Schauspieltechniken so gut sind“, erklärt sie. Denn sie würden dabei helfen, nicht nur kognitiv, sondern auch körperlich mit Gefühlen umzugehen. „Ich verbinde Schauspieltechniken mit körperorientierter und traumasensibler Arbeit“, sagt sie.
Dafür steht auch der Name der Marke „EmbodyX“: Das Wort „Embody“ steht für Verkörperung, das „X“ für „Expression“ und damit Ausdrucksvielfalt. Mit ihrer Plattform, die sie aufbauen will, will Aleksandra Simic Expertenwissen bündeln und zeigen, dass die Psyche nicht nur auf den Körper wirken kann, sondern auch andersherum.
Ob es nun Schüler in einer Grundschule sind oder die Führungsriege einer Firma – ihr Ansatz ist auf vielen Ebenen hilfreich, findet sie. Mit älteren Schülerinnen und Schülern macht Simic beispielsweise Selbstpräsentationstrainings, mit Kindern im Grundschulalter arbeitet sie an der Körperwahrnehmung. Mit den einen konzentriert sie sich auf Schauspiel, Stimme, Ausdruck und Auftreten, mit den anderen übt sie, Übergriffe und Traumata zu verarbeiten.
Simic gibt auch weiterhin Schauspielkurse an der vhs und leitet den Spielclub in Magstadt. Auch dort können Teilnehmende mit Schauspielübungen ihre Ausdrucksvielfalt stärken. „Dort auf der Bühne zu stehen, erleben viele Menschen als Befreiung“, erklärt die 32-jährige Holzgerlingerin. Es sei ein Ort, wo sie sich ausleben könnten. Momentan ist Aleksandra Simic neben ihrer freiberuflichen Arbeit außerdem in Teilzeit beim Internationalen Bund angestellt und unterstützt dort Jugendliche dabei, die richtige Berufswahl zu treffen.
EmbodyX sieht Aleksandra Simic nicht als einen Neuanfang, sondern eine Weiterführung der Arbeit, die sie bereits seit Jahren macht. In den letzten zehn Jahren hat sie rund 1500 Menschen begleitet – diese Erfahrung will sie nun mit der Gründung von EmbodyX bündeln.
Für die Zukunft hat sie große Pläne: Sie plant einen eigenen Podcast und hat bereits einen kostenfreien WhatsApp-Kanal mit Embodiment-Übungen gestartet. Und sie denkt noch weiter in die Zukunft: „Irgendwann will ich mit den Einnahmen von EmbodyX eine Stiftung gründen, um soziale Missstände wie beispielsweise Obdachlosigkeit anzugehen“, sagt sie.
Doch eins nach dem anderen. Jetzt steht erst einmal der Female Founders Cup bevor. Ob sie die Jury mit ihrer Idee überzeugen kann und das Preisgeld von 1000 Euro mit nach Hause nimmt, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Mit der Teilnahme will sie aber vor allem Aufmerksamkeit schaffen.
In Zukunft will sie alle Energie in den Aufbau der Marke stecken. „Ich will die Methoden so vielen Menschen wie möglich beibringen“, sagt sie. Die Schauspielerei verfolgt sie nicht mehr weiter. „In dieser Branche muss man maximal flexibel sein“, sagt sie. Deshalb wird sie in Zukunft wohl nicht mehr im Tatort zu sehen sein – aber dafür vielleicht in einem Seminar, in dem sie ihr Schauspielwissen weitergibt.