Grüne Geldanlagen Vollmundige Versprechen
Nicht nur die Deutsche-Bank-Tochter DWS muss sich des Vorwurfs der Grünfärberei erwehren. Die Finanzbranche muss ihr Marketing überdenken, meint Barbara Schäder.
Nicht nur die Deutsche-Bank-Tochter DWS muss sich des Vorwurfs der Grünfärberei erwehren. Die Finanzbranche muss ihr Marketing überdenken, meint Barbara Schäder.
Sein Geld mehren mit gutem Gewissen – wer möchte das nicht? Die Nachfrage nach grünen Geldanlagen ist groß. Groß ist aber auch die Enttäuschung darüber, dass viele als nachhaltig beworbene Finanzprodukte allenfalls hellgrün sind. Anleger, die Investitionen in umweltschädliche Geschäftsaktivitäten komplett ausschließen wollen, müssen bei der Auswahl von ETFs und Fonds schon sehr genau hinschauen.
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Umweltschützer beklagen die Grünfärberei schon lange. Und die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat mehrere Unternehmen wegen unlauterer Werbung abgemahnt, deren Nachhaltigkeitsversprechen sie als irreführend einstufte. Der Verdacht gegen die Deutsche-Bank-Tochter DWS wiegt aber noch schwerer: Hier steht der Vorwurf des Prospektbetrugs im Raum.
Unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen: Wenn die Razzia mehr Transparenz bei der Vermarktung nachhaltiger Finanzprodukte bewirkt, wäre das ein Fortschritt. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Auch hellgrüne Finanzprodukte haben ihre Berechtigung. Denn es gibt Anleger, die ethisch kontroverse Investments und Risiken wie die Atomkraft meiden möchten – ansonsten aber ihr Geld möglichst breit streuen wollen. Bei Lebensmitteln gibt es schon lange Bio-Label, die nur einen Mindeststandard erfüllen, und strengere Kennzeichen einzelner Anbauverbände. Warum sollte das bei Finanzprodukten nicht so sein? Entscheidend ist, dass die Kriterien für jedes Label klar kommuniziert werden.
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