Baden-Württemberg CDU verhindert Erleichterungen beim Abitur
Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper rudert im Koalitionsstreit um Erleichterungen beim Abitur zurück. 2022 profitieren die Prüflinge trotzdem von der Idee.
Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper rudert im Koalitionsstreit um Erleichterungen beim Abitur zurück. 2022 profitieren die Prüflinge trotzdem von der Idee.
Stuttgart - Seit der Neuauflage der grün-schwarzen Regierung nach der Landtagswahl 2021 hat die Koalition monatelang geschmeidig und ohne öffentlichen Streit zusammengearbeitet. Aktuell aber gibt es Dissens nicht nur bei der Impfpflicht, sondern auch über Erleichterungen beim Abitur, die Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) auf den Weg bringen wollte – ohne den Koalitionspartner einzubinden.
Deshalb ist in Sachen Bildung Sand im Getriebe, der bei der nächsten Sitzung des grün-schwarzen Arbeitskreises an diesem Donnerstag ausgeräumt werden soll. Umstritten ist eine Blackout-Klausel bei der schriftlichen Reifeprüfung. Schopper wollte Prüflingen, die im Klausurstress einen Bock geschossen und null Punkte geschrieben haben, bei der mündlichen Nachprüfung eigentlich mit nur einem Punkt durchkommen lassen. Das lehnt der Koalitionspartner ab – nicht zuletzt weil Grün-Schwarz erst in der vorigen Legislaturperiode eine Mindestanforderung von drei Punkten in solchen Fällen gemeinsam beschlossen hat.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Ministerin plant Blackout-Klausel beim Abi
„Wir wollen keine Niveau-Absenkung beim schriftlichen Abitur“, bekräftigte der bildungspolitische Sprecher der CDU, Alexander Becker, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass Prüflinge eine zweite Chance bekommen, sei Konsens. Becker beharrt aber auf dem Mindestniveau von drei Punkten bei der Nachprüfung.
Inzwischen rudert Kultusministerin Schopper zurück. In ihrem Haus wird die Frage nach einem oder drei Punkten nicht mehr als entscheidend, sondern als Verhandlungsmasse eingestuft. Trotz Kopfschütteln über handwerkliche Patzer von Ministerin und Hausspitze, streben offenbar beide Koalitionspartner nach einer gesichtswahrenden Lösung für Schopper.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Was für die Corona-Schulabgänger gilt
In den Schulverbänden ist die Frage umstritten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verein für Gemeinschaftsschulen finden Schoppers Rabatt richtig, Matthias Wagner-Uhl, Vorsitzender des Gemeinschaftsschulvereins, hält das „ewige Schielen auf bundesweit vergleichbare Abschlussprüfungen für grundverkehrt“. Der Philologenverband dagegen pocht auf das höhere Leistungsniveau. Schließlich gehe es Studierfähigkeit und den Nachweis der allgemeinen Hochschulreife.
Erschwert wird die Lösung des Problems dadurch, dass das Kultusministerium den diesjährigen Abiturienten diese Erleichterung schon in Aussicht gestellt hat. Kurz vor Weihnachten bat Schoppers Haus die Schulleiter brieflich, die diesjährigen Prüflinge „umgehend“ über die Neuerung zu informieren. Daran rüttelt aktuell auch niemand.
Wie der Kompromiss aussehen könnte, hat Theresa Schopper am Dienstag selbst angedeutet. Dabei hat sie eine zweite, nicht umstrittene Null-Punkte-Regel fürs Abitur als Teil der Corona-Anpassungen bei den aktuellen Abschlussprüfungen angekündigt: Bei Totalversagen in einer mündlichen Prüfung soll ein Punkt bei der Nachprüfung zum Bestehen ausreichen. Das Verfahren scheint den Ausweg auch für den Koalitionsstreit beim Abitur zu weisen: Dann würde Theresa Schoppers Blackout-Klausel beim schriftlichen Abitur nur ein einzige Mal gelten: 2022 und das auch nur wegen Corona.