Grüne Vorgärten in Filderstadt Mehr Heimat für Bienen und ihre Artgenossen

Weniger Stein, mehr Grün, wünscht sich eine Stadträtin in den Vorgärten. Denn auch Insekten und andere Tiere sollen ein Plätzchen finden. Was macht die Stadt dafür, und wie verbreitet ist es, im Vorgarten Steine legen zu lassen?

Ein Plätzchen für jede Biene: In steinbelegten Vorgärten gibt es die nicht mehr. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Plätzchen für jede Biene: In steinbelegten Vorgärten gibt es die nicht mehr. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Filderstadt - Wenn Rosemarie Gädeke durch Bonlanden läuft, dann fällt ihr etwas auf: Wie viele Vorgärten nicht mehr grün und voller Blumen sind, sondern mit Granit, Stein oder Split bedeckt. „Das ist schade“, sagt die Stadträtin, die für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt. Dabei geht es Gädeke nicht nur um die Optik, sondern darum, dass Lebensräume für Bienen und Insekten stetig abnehmen – eben auch, wenn Vorgärten nicht mehr grün, sondern steingrau sind.

Gädeke meint: Die Stadt könnte die Bürger stärker ermuntern, bienenfreundliche Pflanzen in die Vorgärten zu setzen. „Denn das ist gar nicht schwer“, sagt sie. Lavendelbüsche beispielsweise seien pflegeleicht. Wer kein Unkraut jäten wolle, der könne das mit sogenannten Unkrautfolien verhindern. „Man kann mit wenigen Mitteln viel erreichen“, meint die Stadträtin. Zwar sei jetzt der Winter da, also keine Jahreszeit zum Gärtnern, aber: „Man kann doch jetzt ein paar Tulpenzwiebeln setzen und sich im Frühjahr dann daran freuen.“

In Filderstadt sät die Stadt oft Wildblumen aus

Das Gärtnern liegt Gädeke seit jeher am Herzen, sie ist im Vorstand des interkulturellen Gartens in Sielmingen, in dem türkische, italienische und deutsche Familien gemeinsam ackern und pflanzen. „Das ist auch ein wichtiger Faktor bei der Innenentwicklung.“ Natürlich brauche es neue Gebäude, aber ebenso grüne Inseln, auf denen Bienen und andere Tiere eine Heimat finden können.

Bei der Stadt Filderstadt denkt man schon lange an die Insekten. Der Leiter des Tiefbauamts, Norbert Branz, führt Beispiele an. „Wir entfernen das Mähgut an Gewässer- und Wegrändern.“ Denn bleibe das abgemähte Gras liegen, könne es zu einer einseitigen Entwicklung des Bodens kommen. In der Folge würden bestimmte Gräser die Pflanzenvielfalt, die besser für Insekten ist, überwuchern. Ferner sät die Stadt Wildblumenmischungen aus. „Klar, die muss man oft gießen, bis sie keimen, und vorher das Gras entfernen“, sagt Branz. Doch danach seien Wildblumen recht pflegeleicht. Sicher könnte man sich eine solche Pflege mit granit- oder splitbedeckten Flächen sparen. „Aber sowas machen wir nicht, das ist zu schade“, so Branz.

Landschaftsgärtner hat Kompromiss parat

Noch unter einem anderen Gesichtspunkt sei es wichtig, dass die Flächen offen blieben: „Niederschlagswasser kann nur im Boden versickern.“ Auf geschlossenen Flächen, wie etwa steinbelegten Vorgärten, kann Wasser nur abfließen und belastet die Kanalisation – bei Starkregen durchaus ein Argument. Michael Lehnert, Geschäftsführer von Stein und Garten, einer Firma für Garten- und Landschaftsbau, hat jedoch nicht den Eindruck, dass Vorgärten mit Steinen stärker nachgefragt sind. „Das ist ausgeglichen.“ Er gibt zu bedenken: „Viele Leute geben die begrünten Vorgärten auf, weil sie es wegen ihres Alters nicht mehr schaffen, sich um die Gartenpflege zu kümmern.“ Lehnert hat einen Kompromiss parat, nämlich eine Mischung aus beidem: „Man kann Kies verlegen und darin Inseln mit blühenden Pflanzen setzen.“




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