Grüne Woche in Berlin Südwestbauern blicken besorgt nach Berlin

Hällische Landschweine – hier beim Volksfestumzug in Bad Cannstatt – sind ein Exportschlager der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Mercosur, Schweinepest, Gentechnik, Lebensmittelpreise– für die Landwirte Baden-Württembergs gibt es zum Start der Grünen Woche viele Gründe, sich Sorgen zu machen.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Wenn am Samstag wieder bis zu zehntausend Kritiker der Agrarpolitik zu ihrer „Wir-haben-es-statt“!-Demonstration durch Berlin ziehen, ist auch Rudolf Bühler mit dabei. Der Gründer und Vorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall bedauert, dass er wegen der Schweinepest in östlichen Bundesländern seine Hällischen Landschweine mit ihrem besonders guten Fleisch nicht präsentieren kann. „Das Wichtigste auf der Grünen Woche ist, Präsenz zu zeigen“, sagt Bühler.

 

Dabei wird es dann auch wieder heftige Diskussionen um das mit Südamerika abgeschlossene Freihandelsabkommen geben. „Für die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ist das keine Konkurrenz“, meint deren Vorsitzender, „aber insgesamt wird es auf die Erzeugerpreise für Rinder drücken.“ Die Antwort auf Mercosur müsse ein noch besserer Zusammenschluss von Bauern und das Angebot noch höherer Qualitäten sein, ähnlich wie es bei der Erzeugergemeinschaft schon praktiziert werde.

Bio boomt weiter

„Die Grüne Woche soll eine Gelegenheit sein, für Bio zu werben“, meint Bioland-Präsident Jan Plagge. Zwar hat sein Verband ein gutes Jahr hinter sich – die Ausgaben für Biolebensmittel stiegen 2025 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Sorgen machen ihm eher die Diskussion um eine Veränderung des Gentechnikrechts auf EU-Ebene und andere politische Weichenstellungen.

Gleichwohl droht das Mercosur-Abkommen auch nach seiner Ansicht, die hohen deutschen Standards im Lebensmittelmarkt auszuhöhlen. Der Preisdruck, der dadurch ausgelöst wird „trifft alle Bäuerinnen und Bauern – egal ob Bio oder konventionell“. Dabei könnten die Ökobauern noch etwas besser wegkommen, meint Christoph Zimmer, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg mit ihren 3000 Erzeugerbetrieben.

„Die Grüne Woche zum Beginn des Jahres ist immer ein Richtungsbarometer zu agrar- und verbraucherpolitischen Themen“, sagt Gebhard Aierstock aus Zwiefalten, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Reutlingen. Auch er sorgt sich wegen Mercosur, glaubt aber „nicht unbedingt, dass mehr Bioangebote die Alternative sind“. Der höhere Preis „muss am Markt auch erzielt werden können“, sagt er.

Trübe Aussichten für die Landwirte

Dies meint auch Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes in Baden-Württemberg. Viele Verbraucher könnten mehr regionale Produkte oder Bioprodukte kaufen, so Wenk. „Sie tun es aber nicht, weil der Preis für sie eben doch sehr stark im Vordergrund steht.“

„Die Grüne Woche ist der agrarpolitische Höhepunkt zu Beginn eines jeden Jahres“, sagt Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Rukwied, der auch Präsident des Bauernverbandes in Baden-Württemberg ist, will in Berlin Politiker und Öffentlichkeit darauf hinweisen, wie wichtig „die Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln“ ist. Für die Bauern allerdings seien die Aussichten trüb, meint Rukwied mit Blick auf das laufende Jahr.

In Baden-Württemberg immerhin gab es diese Woche ein Gespräch im Haus von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), an dem neben Rukwied auch Vertreter von Edeka Südwest, Rewe Südwest, Aldi und Lidl teilnahmen. Vom Bauernverband wird als positiv gewertet, dass man sich darüber einig geworden sei, in den Läden regionale Produkte stärker in den Vordergrund zu stellen.

Ein Roboter,der Unkraut jätet

Regionale Produkte – dies will das Land auch in Berlin anpreisen. Traditionell werden etwa Maultaschen und Kässpätzle angeboten, Linsen mit Spätzle, Wurst und Wein aus dem Südwesten. Geworben wird aber auch für touristische Ziele wie Schwarzwald oder Bodensee. Besucher am Stand des Landes „können sich auf kulinarische Highlights aus Baden-Württemberg freuen und die einzigartige Kulturlandschaft und Natur näher kennenlernen“, meint Hauk. Und sie könnten das Werk eines Neulings auf der Grünen Woche bestaunen: Farming Revolution aus Böhmenkirch ist dort erstmals am Stand eines Händlers mit seinem Roboter zu Unkrautjäten vertreten - mit einem Produkt, das im November den ersten Platz beim Rudolf-Eberle-Preis, dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg, errang.

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