Grünen-Abgeordneter Daniel Lede Abal Auf einmal in die erste Reihe aufgerückt

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Der gerade gewählte grüne Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal nimmt an den Koalitionsgesprächen seiner Partei mit der SPD teil.    

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Tübingen - "Ich bin manchmal ziemlich erschlagen, manches stresst, alles ist spannend." So redet ein Landtagsabgeordneter der Grünen, der, kaum gewählt, schon bei den Koalitionsgesprächen in Stuttgart am Verhandlungstisch sitzt. "Nein, der Jüngste bei diesen Gesprächen zwischen Grünen und SPD bin ich nicht", berichtet der 34-Jährige, "unser Landeschef Chris Kühn ist noch zwei Jahre jünger." Wie er als Landtagsneuling zu der illustren Runde stieß, weiß er nicht genau. Ein kurzes Zögern: "Beworben habe ich mich nicht und aufgedrängt auch nicht." Man glaubt es dem freundlichen jungen Mann sofort.

Für manchen war der Grüne Daniel Lede Abal überraschend im Wahlkreis Tübingen nominiert worden. 2006 war der Kandidat allen bekannt - Boris Palmer. Doch selbst der hatte keine Chance auf das Direktmandat gegen den Rottenburger OB Klaus Tappeser. Sicherlich von großen Trends begünstigt, ist Daniel Lede Abal der Überraschungscoup gelungen.

Genau 21 Stimmen Vorsprung brachten ihm den Wahlkreis. "Das war das i-Tüpfelchen", sagt er zufrieden lächelnd. Mit dem Einzug in den Landtag hatte er als Kandidat in einer Universitätsstadt ohnehin rechnen dürfen. Um Bürgerrechte und Verbraucherschutz würde er sich im Landtag nun gerne kümmern. Wenn es bei der Aufteilung der Arbeit unter den 37 Abgeordneten der Grünen - darunter 23 neue - anders kommt, soll es auch recht sein. Mit Bildungsthemen zum Beispiel hat er sich viel befasst.

Seit 1998 bei den Grünen

Daniel Lede Abal ist in Stuttgart geboren. Er trägt einen spanischen Doppelnamen. Sein Vater war von der katholischen Kirche als Priesteranwärter aus Galizien nach Tübingen entsandt worden. Er verliebte sich in eine Deutsche - und statt ein Priesteramt in Spanien auszuüben, wurde der Spanier Gymnasiallehrer in Korntal. Lede Abals Mutter stammt aus einer durchaus politischen Familie. Es bestand sogar die Möglichkeit, dass Lede Abals Onkel ebenfalls für Tübingen im Landtag sitzt: Bernhard Strasdeit hieß der Kandidat der Linken bei der Wahl am 27. März .

Daniel Lede Abal erzählt ruhig und gelassen - auf einer kleinen Bank im Grünen. Hier, zehn Gehminuten entfernt von seiner Wohnung im Tübinger Stadtteil Pfrondorf, hält er sich gerne auf. Er schaut aufs Neckartal und Kirchentellinsfurt - und schwärmt von seinen spanischen Wurzeln. Einmal im Jahr verbringt er dort Wochen. "Meiner Frau gefällt es dort auch, aber sie macht auch ganz gern woanders Urlaub", gibt er einen kleinen Einblick ins Pfrondorfer Familienleben, zu dem auch die 20 Monate alte Tochter Mara gehört.

Seine spanische Herkunft hat Daniel Lede Abal besonders empfindsam werden lassen für eine Ausländerfeindlichkeit, wie sie nach der Wiedervereinigung vor allem in den neuen Bundesländern auftrat. Die Mordanschläge von Rechtsradikalen in Hoyerswerda, Solingen oder Mölln waren "für mich beklemmend und bedrohlich". Die Asyldebatte brachte den Schüler den Grünen nahe. 1998 trat er in die Partei ein und übernahm schnell Ämter im Vorstand des Stadtverbandes. Auch wenn die breite Öffentlichkeit nicht viel Notiz von ihm genommen haben mag, "in der Partei war ich präsent", hebt er hervor.

In die Weinhandlung kehrt Lede Abal nicht mehr zurück

Er saß zwischen 2004 und 2009 für die Grünen im Tübinger Kreistag und engagierte sich für andere wie Wolf-Dieter Hasenclever oder Winfried Hermann in OB- und Bundestagswahlkämpfen. "Ich mach's" - als Daniel Lede Abal 2010 bei der Nominierung zur Landtagswahl antrat, hatte er mehrere parteiinterne Gegner, die er bereits im ersten Wahlgang hinter sich ließ. Da hatte er die beruflichen Spuren des Vaters schon verlassen.

Lede Abal wollte zunächst auch Lehrer werden, er studierte Politik, Deutsch und Spanisch. Neben dem Studium jobbte er in der Filiale einer großen Weinhandelskette. Als dort eine feste Stelle winkte, brach er das Studium ab, schließlich wurde er Geschäftsführer. Zwei Monate hatte er sich für den Wahlkampf freigenommen. Nach dem jetzigen Wahlerfolg wird er nicht mehr in die Weinhandlung zurückkehren.

Auf der Bank bei Pfrondorf spricht Lede Abal viel vom Lernen, von Lernprozessen, die ihm in dem neuen Beruf bevorstehen. "Als Abgeordneter wird man anders wahrgenommen", das merkt er bereits. Das Schwierigste werde sein, auch mit harscher Kritik umgehen zu können. Im Wahlkampf ist der junge Kandidat davon ziemlich verschont geblieben. "Das wird sich ändern", ahnt er aus vielen Jahren in der zweiten Reihe des Politikgeschäfts.