Grünen-Parteitag Die Grünen suchen ihre Wähler
Die Partei hat ein Problem mit ihrer Marke. Inhalte sind wichtig, Personen auch – beides muss zueinander passen, meint Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Die Partei hat ein Problem mit ihrer Marke. Inhalte sind wichtig, Personen auch – beides muss zueinander passen, meint Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Um das größte Problem der Grünen zu verstehen, kann man den Blick viele Tausende Kilometer weiter gen Westen richten – auf die USA: Dort reicht man sich in diesen Tagen eine Studie herum, die eine linke Denkfabrik veröffentlichte. Die Autoren hatten Befragten darin teils identische Aussagen vorgelegt, die sie mal Demokraten und mal unabhängigen Kandidaten zuschrieben. Das Ergebnis: Forderungen, die Demokraten zugeschrieben waren, kamen per se schlechter an. Die Inhalte waren egal. Die Marke ist das Problem. Nun ist Deutschland nicht die USA, die Grünen sind eine andere Partei als die Demokraten, und überhaupt ist die Lage nur begrenzt vergleichbar. Aber dass auch die Grünen ein Problem mit ihrer Marke haben, ist unübersehbar.
Es gibt wohl kaum eine Figur, an der das so deutlich wird wie Cem Özdemir. Der Grünen-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg liegt ganz vorn, wenn man Menschen im Land fragt, wen sie am liebsten als Ministerpräsident hätten. Doch in Umfragen rangieren die Grünen weit abgeschlagen hinter der CDU. Die Frage ist, welche Schlüsse man daraus zieht. In Hannover haben die Grünen einen neuen, sozialeren Kurs in der Klimapolitik beschlossen. Die Lehre aus den USA sollte aber sein: Es ist wichtig, an Inhalten zu arbeiten. Aber wer heute in der Politik bestehen will, muss auch darüber hinausdenken. Wie wollen die Grünen wieder gehört werden? Darauf scheint die Partei noch keine Antwort gefunden zu haben.