Die Stuttgarter Grünen fiebern im Schlesinger auf die erste Wahlprognose hin – und müssen dann mit viel Ungewissheit klarkommen. Ein prominenter Gast verfolgt den Sonntagabend zunächst in der Landeshauptstadt mit.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Unmittelbar vor 18 Uhr wird es im Schlesinger ruhiger. Und es wird unter den Stuttgarter Grünen nicht wieder lauter, als kurz darauf auf der Leinwand der Balken der Partei auftaucht. 13,5 Prozent – so lautet am Sonntag die erste ARD-Prognose zur Bundestagswahl für die Grünen.

 

Im weiteren Verlauf des Abends sinkt dieser Wert nach und nach ein wenig. Die Grünen-Fahne an der Wand löst sich später zum wiederholten Male teilweise – und muss wieder befestigt werden. Feierlaune kommt auf der Wahlparty am frühen Abend keine auf. „Die Ungewissheit ist wahnsinnig hoch, glaube ich. Das ist auch spürbar, würde ich sagen“, sagt die Kreisvorsitzende Amelie Montigel nach den ersten Hochrechnungen zur Gesamtlage.

Ricarda Lang in Stuttgart vor Ort

Sie und der Kreisvorsitzende Marc Kirsch dürfen unter anderem den Landesvorsitzenden Pascal Haggenmüller und die Ex-Bundesvorsitzenden Ricarda Lang begrüßen. Die 31-Jährige verfolgt den Wahlabend zunächst in Stuttgart mit.

Die Stuttgarter Grünen verbrachten den Abend im Restaurant Schlesinger. Foto: Lichtgut//Ferdinando Iannone

Ihr erstes Fazit fällt zwiegespalten aus. Man könne mit Blick auf die Grünen zum einen sagen, „dass wir es hinbekommen haben, aus einer extrem unbeliebten Regierung kommend deutlich weniger Schaden als die anderen Koalitionspartner“ erlitten zu haben. Doch andererseits sind die Grünen laut Lang klar hinter den Ansprüchen zurückgeblieben.

Enges Rennen in Wahlkreis I

Später am Abend stoßen dann neben der Landtagspräsidentin Muhterem Aras und dem Verkehrsminister Winfried Hermann (beide Grüne) die Direktkandidaten dazu, die zuvor im Rathaus waren. Im Wahlkreis I liegt Simone Fischer, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen und Stadträtin, um 20.42 Uhr 0,4 Prozentpunkte hinter CDU-Kandidatin Elisabeth Schick-Ebert. „Wirklich ein spannender Abend“, sagt Fischer, die auf das Direktmandat hofft.

Die 45-Jährige, die auf Listenplatz 15 steht, ist in dem Wahlkreis die Nachfolgerin von Landwirtschafts- und Bildungsminister Cem Özdemir, der sein Direktmandat in Stuttgart nicht verteidigt, weil er 2026 bei der Landtagswahl antreten wird und Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werden will.

Im Wahlkreis II liegt Anna Christmann (Platz 13) zur selben Zeit deutlich hinter dem CDU-Kandidaten Maximilian Mörseburg. Sie könnte aber über die Liste einziehen. Die Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt und Beauftragte für die Digitale Wirtschaft und Start-ups sitzt seit 2017 im Bundestag. Dem Bundestrend entsprechend hätten sich „auch die Erststimmen ein bisschen verschoben“, sagt die 41-Jährige zum Stand der Ergebnisse am Abend. An dem hält die Ungewissheit zunächst erst einmal an.