Grünenpolitiker aus Leonberg und Landkreis Forderung nach Neuanfang
Parteivertreter aus Landes- und Kommunalpolitik in Leonberg sowie den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen kommentieren den Rücktritt der Bundesvorsitzenden und des Vorstandes.
Parteivertreter aus Landes- und Kommunalpolitik in Leonberg sowie den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen kommentieren den Rücktritt der Bundesvorsitzenden und des Vorstandes.
Das bundespolitische Erdbeben in Form des Rücktritts der Grünen-Bundesspitze haben auch die Akteure auf Landes- und Kommunalebene vernommen. Die Einschätzungen zum Rückzug von Ricarda Lang und Omid Nouripour sowie des gesamten Vorstandes am Mittwoch ähneln sich.
Bernd Murschel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Leonberger Gemeinderat, sagt zum Beispiel: „Es besteht nun unter Umständen die Chance auf einen Neuanfang.“ Denn in der Vergangenheit habe die Partei einige Veränderungen durchgemacht, sich konträr zu ihren Wurzeln positioniert, zum Beispiel in Fragen von Krieg und Frieden sowie Migration. Unter diesen Gesichtspunkten sei für eine Neuorientierung ein Neustart auch mit frischem Personal „wahrscheinlich das Beste“. Murschel vermutet, „dass dabei nun ein Prozess in Gang kommt, der vieles durcheinanderwirbelt. Aber vielleicht braucht es genau das“.
Friedhelm Brinkmann sitzt der Grünenfraktion im Weil der Städter Gemeinderat vor. Er stellt einen Fußballvergleich an: „In der Bundesliga gibt es ja auch häufig Trainerwechsel. Und vielleicht waren auch hier die Trainer nicht schlecht, sind aber einfach nicht so angekommen.“ Fakt sei, dass man sich nach den vergangenen Landtagswahlen wohl neu positionieren müsse. „Der Klimawandel etwa war dabei eben nicht so präsent, dabei sehen wir zum Beispiel bei den Kommunalwahlen, dass er die Leute weiter beschäftigt“, so Brinkmann. Er sei jedenfalls gespannt, wie es nun weitergehe.
Markus Rösler, geboren und aufgewachsen in Gerlingen, sitzt für die Grünen im Landtag und ist dort Vorsitzender des Arbeitskreises für Finanzen. Er sagt: „Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Ricarda Lang und Omid Nouripour.“ Ohne Frage seien die Ergebnisse der jüngsten drei Landtagswahlen entmutigend. „Mit zur Realität gehört leider auch, dass die zum Teil persönlichen Anfeindungen, Polemiken und sogar Drohungen gegen die Grünen, speziell auch gegen grüne Spitzenpolitiker wie Ricarda Lang und Omid Nouripour, ein Ausmaß erreicht haben, das uns alle Demokraten mit großer Sorge erfüllen muss.“ Man werde nun sehr kritisch prüfen müssen, welche Fehler gemacht worden seien. „Insbesondere werden wir uns noch viel stärker als bisher mit der Zielgruppe junger Menschen und damit den sozialen Medien beschäftigen müssen.“