Grüner Heiner in Stuttgart-Weilimdorf Modellsegler gehen wieder in die Luft

Von Georg Linsenmann 

Nach dreijähriger Pause ist der Grüne Heiner wieder für Modellsegler freigegeben: mit strengen Regeln. Die IG Heiner ist nun der Betreiber der beiden Startstellen.

Zur Aufhebung des Flugverbotes herrschte beim „Anfliegen“ der Modellsegler gleich Hochbetrieb am Grünen Heiner Foto:  
Zur Aufhebung des Flugverbotes herrschte beim „Anfliegen“ der Modellsegler gleich Hochbetrieb am Grünen Heiner Foto:  

Weilimdorf - Jetzt fliegen sie wieder am Grünen Heiner! Nach drei Jahren Pause, bedingt durch einen sieben Jahre zurückliegenden, tödlichen Unfall. Und dann durch einen Beinahe-Unfall im Jahr 2016, als ein Modellsegler knapp neben einer Schülergruppe aus Korntal eingeschlagen war. „Uns war nichts anderes übrig geblieben, als den Betrieb zu verbieten“, sagte der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, als er den Flugbetrieb nun vor Ort wieder offiziell freigegeben hat. Dass dieses Verbot aufgehoben wurde, sei „nicht zuletzt dem Gemeinderat zu verdanken, der hartnäckig dafür gekämpft hatte“, erklärte Schairer. „Und natürlich dem Verein IG Heiner, der sich sehr für eine gute vertragliche Regelung eingesetzt hat.“

Der Verein der Liebhaber des Modellsegelns hatte sich bei der Ausarbeitung des Gestattungsvertrages mit der Stadt an bundesweiten Beispielen orientiert. Demnach ist der Verein nun Betreiber der beiden Startstellen, sorgt für eine präzise Dokumentation des Flugbetriebs und legt für den Tagesbetrieb einen Flugleiter fest, der vor Ort dafür sorgt, dass die Vorschriften für den Flugbetrieb eingehalten werden. „Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagte Schairer, „aber der Verein hat die Kompetenz und Kapazität, das zu leisten“. So sei die „nötige Sicherheit für alle gewährleistet“. Auch Bürgermeister Joachim Wolf aus Korntal-Münchingen, auf dessen Gemarkung mit der „Heiner Nordwand“ ein Drittel des Hügels steht, befand, dass „die Verantwortlichkeiten gut geregelt sind, sodass keine Risiken offen bleiben“.

Höchste Zeit fürs „Anfliegen“

Höchste Zeit dann fürs „Anfliegen“, für das Hermann Rüll seine Falco Lenger mit Schwung ferngesteuert Richtung Autobahn segeln ließ, die hundert Meter Mindestabstand fest im Blick. Nach ein paar eleganten Bögen war eine flotte, aber auch sichere Landung am Südhang angesagt – und Rüll hatte leuchtende Augen: „Zwei Winter habe ich an dem Flugzeug gebaut. Schön, dass es jetzt wieder hier auf Reisen gehen kann! Ein unglaubliches Gefühl!“ Mit dem Mix aus Hangaufwind und Thermik biete der Heiner „perfekte Bedingungen: Wenn man die Blase findet, kann man den Flieger hochschrauben wie ein Bussard“. Oder wie ein Storch, wie am Karfreitag am Osthang: „Der hat uns gezeigt, wie es geht! Er hat sich hoch und höher tragen lassen. Wir auch. Aber er war immer noch 300 Meter über uns.“

Ohne Motorkraft Höhe zu gewinnen, das sei „das Glück der Modellseglerei“. In der Regel habe so ein Segler heutzutage einen kleinen Elektromotor als Reserve: „Falls er überraschend absauft. Dann kann man ihn über die Wipfel an den Hang ziehen. Sonst droht eine Außenlandung in den Feldern. Und das haben auch die Bauern nicht gern.“ Oder Totalverlust, wie ihn Heiko Rapp-Wurm schon erlebt hat. Aber auch das Gegenteil: „Dass ein reuiger Dieb nach einem Zeitungsbericht die Elster zurück ins Nest gebracht hat.“ Auch für ihn, der hier schon Segeln ließ, als der Heiner noch ein reiner Trümmerberg und nur halb so hoch war, ist jetzt „die Leidenszeit vorbei“: „Wegen der Kegelform ist der Heiner perfekt. Man kann ihn aus allen Richtungen befliegen. Nirgends gibt es so einen Buckel!“

Auftakt wird gebührend gefeiert

„Glücklich, dass wir wieder am Heiner fliegen können“, ist auch der Vereinsvorsitzende Martin Röttgen. Und nun sind fast alle Aktiven mit ihren Modellen hier, „um diesen Event gebührend zu feiern“. Und dank lebhaftem Wind herrschte auch schon bald reger Flugbetrieb überm Himmel des Heiner. Was sich Modellflieger gegenseitig wünschen für so einen Flugtag? „Holm und Rippenbruch!“

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