Grüner Heiner Stuttgarts einziges Windrad soll ersetzt werden – „Genehmigung läuft ab“

Stuttgarts bis dato einziges Windrad ist 68 Meter hoch – und in die Jahre gekommen. Foto: Marta Popowska

Nach langen Planungen rückt der Termin für eine neue, größere Windkraftanlage in Stuttgart-Weilimdorf näher. Ende des Jahres könnten die Vorbereitungen für den Bau beginnen. Das neue Windrad soll deutlich höher sein als das alte.

Die Windkraftanlage auf dem Grünen Heiner liefert seit einem Vierteljahrhundert Strom für gut 200 Haushalte. 2022 kündigte man an, dass sie durch eine leistungsstärkere Anlage ersetzt werden soll. Nun rückt der Termin für das künftig 150 Meter hohe neue Windrad näher. Geht es nach den Planungen der Betreibergesellschaft, soll es 2027 stehen.

 

Stuttgarts bis dato einziges Windrad ist 68 Meter hoch und dreht sich nun schon so lange, dass es vielen Menschen als Wahrzeichen gilt. Man sieht den Schuttberg zwischen Weilimdorf und Korntal-Münchingen von Weitem, und wenn man oben steht und die vielen Drachen- und Modellflieger sieht, merkt man schnell, dass hier stets Wind weht. Mit einer deutlich leistungsstärkeren Anlage kann man laut Wilfried Haas, dem Geschäftsführer der Betreiberfirma Gedea Windkraft Grüner Heiner, auch deutlich mehr grünen Strom gewinnen. Während die aktuelle Anlage lediglich ein Leistungsvermögen von 600 Kilowatt (KW) hat, glänzt die neue bald mit 4200 KW. Rein rechnerisch bedeutet dies Ökostrom für bis zu 3000 Haushalte statt wie bisher für 200 Haushalte.

Das Windrad ist für viele zum Wahrzeichen geworden. Foto: Simon Granville/ 

Grüner Heiner: Genehmigung für Windrad läuft 2028 ab

Dabei war das Windrad erst 2022 umfassend saniert worden, doch Stuttgart möchte bis 2035 klimaneutral werden, und die gesteigerte Produktion von grünem Strom an einem etablierten Standort erscheint sinnvoll angesichts des starken Gegenwinds bei potenziellen neuen Standorten. Zudem sind die Tage der veralteten leistungsschwachen Anlage angezählt, denn die Betriebsgenehmigung am Grünen Heiner läuft laut den Stadtwerken Stuttgart im April 2028 ab.

„Sie ist nicht so veraltet, dass sie nicht mehr läuft“, sagt Wilfried Haas. Wenn man aber warte, bis etwas kaputt sei und es dann nicht mehr repariert werden könne, verstreiche – auch wegen neuer Genehmigungen – viel Zeit, bis ein neues Windrad stehe. „Deshalb muss man frühzeitig in die Planung gehen, denn es dauert vier bis fünf Jahre, bis eine Anlage steht“, erklärt er die Problematik. Im Fall des Grünen Heiners sei man bereits seit drei Jahren dran, und es werde vermutlich noch zwei Jahre dauern, bis das neue Windrad steht.

Genehmigung könnte im dritten Quartal da sein

Es braucht mehrere Gutachten, ehe ein Windrad errichtet wird, etwa eine natur- und artenschutzrechtliche Prüfung. Im Falle des Grünen Heiners ist diese bereits erfolgt. Laut Wilfried Haas müssten beispielsweise Wildbienen vor Baubeginn umgesetzt werden. Ist die neue Anlage in Betrieb, wird sie in Zeiten, wenn Fledermäuse aktiv sind, zu deren Schutz abgeschaltet. Mit der damit verbundenen immissionsschutzrechtlichen Genehmigung rechnet man bei den Stadtwerken im dritten Quartal dieses Jahres, „sodass anschließend die Bauvorbereitungen getroffen werden können“, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Informationen

Betrieb
An der künftigen Anlage sind die Stadtwerke Stuttgart und der bisherige Betreiber Gedea Windkraft Grüner Heiner mit je 50 Prozent beteiligt. Dafür wurde eine neue Betreibergesellschaft, die Grüner Heiner GmbH & Co. Betriebs-KG, gegründet.

Recycling
Windkraftanlagen haben in der Regel eine Betriebszeit von 20 bis 30 Jahren. Ihr Recycling ist aufwendig. Technik, Beton und Stahl können wiederverwendet werden. Laut Gedea-Geschäftsführer Wilfried Haas gibt es „einen gewissen Gebrauchtmarkt“. Manchmal würden Anlagen überarbeitet und beispielsweise nach Afrika verkauft. Die Rotoren sind nicht weiter verwendbar. Sie können als Brennstoff in der Zementindustrie dienen.

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