Grüner Wasserstoff aus Winnenden 10 Millionen Euro vom Land – Deponie soll zum Wasserstoff-Modellprojekt werden

, aktualisiert am 30.12.2025 - 08:32 Uhr
In Waiblingen gibt es bereits eine Wasserstofftankstelle. Hergestellt werden könnte das saubere Gas auf der Deponie in Winnenden. Foto: Frank Rodenhausen

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr plant auf der Deponie in Winnenden einen Elektrolyseur. Das Land fördert mit Millionen – doch entschieden ist noch nichts.

Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) treibt die Modernisierung der Mülldeponie in Winnenden voran. Aktuell wird an der neuen Zufahrt von der Südumgehungsstraße gearbeitet – eigens für den Baustellenverkehr, um die finale Abdichtung der Deponie in Angriff zu nehmen, die im kommenden Frühjahr erfolgen soll.

 

Ein weiteres zukunftsträchtiges Unterfangen ist die Konzeption der Wasserstoffproduktion auf der Deponie Eichholz. Denn neben Batteriespeichern, wie sie auf der Deponie in Schorndorf umgesetzt werden sollen, kann auch die Produktion von Wasserstoff eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, Strom aus Photovoltaikanlagen zwischenzuspeichern. Der Wasserstoff kann dann als speicherbarer Energieträger zum Beispiel im Mobilitäts- oder Wärmesektor sowie in industriellen Anwendungen eingesetzt werden.

Land unterstützt Winnender Projekt mit 10 Millionen Euro

Zu diesen Überlegungen passt eine brandaktuelle Mitteilung aus dem Stuttgarter Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Überschrift: „Baden-Württemberg baut Produktion von grünem Wasserstoff aus.“ Die ersten acht Projekte haben ihre Zuwendungsverträge für das Landesförderprogramm für Elektrolyseure (ELY) erhalten. Das Förderprogramm hat ein Volumen von über 100 Millionen Euro.

Für Winnenden beläuft sich die Landesförderung auf imposante 10 Millionen Euro. Gemäß der Projektbeschreibung plant die Abfallwirtschaft Rems-Murr die Errichtung eines 10-MW-PEM-Elektrolyseurs am Entsorgungszentrum Winnenden. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Winnenden soll eine regionale Versorgung mit grünem Wasserstoff für das umliegende Gebiet aufgebaut werden.

Ziel des Projekts ist die nachhaltige Erzeugung und Verteilung von Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Konditionen, um die Entwicklung einer lokalen, klimafreundlichen und resilienten Wasserstoff-Wertschöpfungskette im Rems-Murr-Kreis zu fördern.

Durch die Erzeugung von grünem Wasserstoff sollen sowohl bestehende als auch zukünftige Engpässe im Stromtransportnetz reduziert und die steigende Nachfrage nach Wasserstoff in der Region bedient werden. Zudem wird die Nutzung der entstehenden Abwärme einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des lokalen Wärmenetzes der Fernwärme Winnenden leisten.

Landes-Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) übergibt den Förderbescheid an Vertreter der Abfallwirtschaft Rems-Murr. Foto: Umweltministerium

Der Rems-Murr-Kreis hat, wie die AWRM ergänzend erläutert, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht, ob die Produktion von Wasserstoff unter anderem aus Strom der zukünftig geplanten PV-Anlagen auf den Deponien Winnenden und Backnang-Steinbach eine mögliche Option darstellt.

Dabei habe sich gezeigt, dass der Standort Winnenden „grundsätzlich dafür geeignet wäre, da hier auch die Abwärme, die bei der Wasserstoffproduktion anfällt, in das bereits bestehende Wärmenetz eingespeist werden könnte“.

Das von der AWRM beantragte Konzept sieht zwei Elektrolyseure mit einer Leistung von jeweils 5 MW vor. Damit könnten pro Jahr rund 850 Tonnen Wasserstoff erzeugt werden. Das Verwertungskonzept für den Wasserstoff sieht zum einen eine leitungsgebundene Vermarktung über das Gasnetz sowie eine Belieferung von Industriekunden mittels Trailern vor.

Die Gesamtkosten der Umsetzung des Konzepts belaufen sich nach aktueller Schätzung auf rund 38 Millionen Euro. Die Förderung aus Landesmitteln beläuft sich auf die genannten rund 10 Millionen Euro.

Derzeit noch Verhandlungen mit Wasserstoffabnehmern

Derzeit ist allerdings trotz dieser Bewilligung des Landesumweltministeriums noch der Konjunktiv angebracht: Die Elektrolyseure könnten eines Tages in Winnenden stehen. Denn ein verbindlicher Beschluss zur Realisierung des Projekts ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gefallen.

Die AWRM werde die Gespräche mit potenziellen Wasserstoffabnehmern daher „weiter intensivieren und konkretisieren“, heißt es. Eine Umsetzung erfolge ausschließlich, wenn eine gesicherte Vermarktungsperspektive für den erzeugten Wasserstoff vorhanden sei. Erst wenn diese Voraussetzung erfüllt sei, werde die AWRM eine Entscheidung zur Projektrealisierung treffen.

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