Grünes Direktmandat im Kreis Böblingen Thekla Walker verteidigt Direktmandat

Mit einem  geringfügig besseren  Ergebnis gegenüber 2016 hat Thekla Walker (Grüne) den Wahlkreis klar gewonnen und zieht direkt in den Landtag ein. Foto: Stefanie Schlecht
Mit einem geringfügig besseren Ergebnis gegenüber 2016 hat Thekla Walker (Grüne) den Wahlkreis klar gewonnen und zieht direkt in den Landtag ein. Foto: Stefanie Schlecht

Das ist der Wahlsonntag im Kreis Böblingen: Die Grünen können ihren Vorsprung weiter ausbauen, die CDU leckt ihre Wunden.

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Böblingen - Die grüne Welle spült Thekla Walker erneut in den baden-württembergischen Landtag: Die 51-Jährige Stuttgarterin holt sich nach dem hauchdünnen Sensationssieg von 2016 zum zweiten Mal das Direktmandat im Wahlkreis Böblingen. Am Wahlabend zeichnete sich dieses Ergebnis schon früh ab, Walker lag schon nach den ersten ausgezählten Bezirken bei rund 28 Prozent der Voten. Dieser Ausgang verfestigte sich im Laufe des Abends, sodass sie laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vom Sonntagabend 31,4 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen kann.

Das ist noch mal eine leichte Steigerung im Vergleich zu 2016. Damals zog sie nur mit 34 Stimmen Vorsprung vor dem langjährigen CDU-Abgeordneten Paul Nemeth ins Landesparlament ein. Sie luchste ihm überraschend das Direktmandat ab, das zuvor über Jahrzehnte in konservativen Händen lag. 2016 verbuchte sie 27,7 Prozent der Stimmen, Nemeth 27,6.

Auf dem zweiten Platz landete den CDU-Kandidat Matthias Miller aus Steinenbronn mit 25,3 Prozent der Stimmen. Damit folgt der 30-jährige Jurist dem Trend im Land, nach dem die Christdemokraten mit minus rund 4,2 Prozent deutlich Federn ließen.

Florian Wahl könnte es schaffen

Erfreulicher lief die Wahl für den Böblinger Florian Wahl, der bereits von 2011 bis 2016 für die Sozialdemokraten im Landtag saß. Der 36-Jährige freut sich über die 13,6 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 5. Das Ergebnis von 2016 konnte er damit leicht verbessern. Damals verpasste er allerdings knapp den Wiedereinzug ins Parlament, da ihm im Proporz-Verfahren ein paar Voten fehlten. Diesmal könnte es allerdings klappen, da die SPD im Land nur 11,6 Prozent holte.

„Es ist ein schmerzliches Ergebnis“, kommentiert Matthias Miller (CDU) die Statistik. Er muss noch immer um seinen Sitz im Landtag bangen. „Es wird spannend werden, bis das Ergebnis feststeht“, sagt er. Schließlich dürfte die Union etliche Sitze im Landtag verlieren, und weil ihn die Grünen überflügelt haben, ist es fraglich, ob er den Einzug in den Landtag schafft.

„Wir haben einen starken Wahlkampf gemacht“, sagt Miller, „doch waren wir von der politischen Großwetterlage abhängig.“ Die Maskenaffäre habe der CDU keinen Rückenwind gegeben, und Miller ist froh, dass die Beteiligten aus der Union ausgetreten sind.

Die FDP ist der heimliche Gewinner

Der heimliche Gewinner dieser Wahl ist allerdings Oliver Alber (FDP), dessen Partei landesweit 2,7 Prozentpunkte gegenüber 2016 gutmachte und im Kreis Böblingen 3,3 Prozent plus erzielte. Damit sind die Liberalen mit 11,4 Prozent nur knapp hinter der SPD, die bei 13,1 Prozent erzielte. Oliver Alber, Unternehmer in der Gesundheitsbranche, ist stolz darauf, das beste Ergebnis für die Liberalen seit 50 Jahren im Wahlkreis Böblingen erreicht zu haben. Für ein Mandat, so zumindest der Stand am Montag, wird es voraussichtlich nicht reichen, dennoch fühlt er sich als Wahlgewinner.

Klaus Mauch (AfD) bedauert, dass das Ergebnis der Alternative für Deutschland auf 9,4 Prozentpunkte gesunken ist. „Wir sind aber immer noch deutlich im Landtag vertreten und hoffen, dass wir neues Vertrauen gewinnen können, mit einer neuen Fraktion im Landtag.“

Utz Mörbe von den Linken hat mit Freude registriert, dass sich seine Partei behauptet hat, sie liegt bei 2,3 Prozent, 2016 waren es 2,4 Prozent. Das Rennen um die Wählergunst sei anders gewesen, als sonst, sagt Mörbe: „Der Wahlkampf war sehr gut, aber unter Corona auch sehr schwer.“

Normalerweise seien die Linken mit Haustürwahlkämpfen unterwegs und sprächen mit den Leuten direkt, das sei nun nicht möglich gewesen. Er glaubt auch, dass das Land Baden-Württemberg ein Zwei-Stimmen-System brauche für ein gerechtes Wahlergebnis.




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