Grünflächen im Stauferpark erhalten Neue Initiative startet Onlinepetition

Sollen auf dem Göppinger Golfplatz irgendwann neue Wohnhäuser oder Firmengebäude stehen? Um diese Fragen wird derzeit heftig gerungen.Foto: Staufenpress Foto:  

Unter anderem mit einer Petition im Internet will eine neue Anwohner-Bürgerinitiative eine mögliche Bebauung des Golfplatzes in Göppingen verhindern.

Für Claudia Gary ist der Kampf um die Flächen im Stauferpark nichts Neues: Die Bewohnerin des Wohngebiets im Stauferpark Süd wandte sich schon vor 19 Jahren mit der Bürgerinitiative „Lebenswerter Stauferpark“ gegen die Ansiedlung der Firma Kleemann auf dem Plateau. Letztlich vergebens. Kleemann zog gegen den Widerstand der Anwohner seine neue Firmenzentrale und großformatigen Produktionshallen hoch. Auf der anderen Seite des damals bestehen gebliebenen Golfplatzes leben seither die Eigenheimbesitzer der Gebiete „Tabackäcker“ und „Galgenberg“ mit diesem Anblick. Nun aber ist das Tauziehen um die Flächen neu entbrannt – und es nimmt von Woche zu Woche an Brisanz zu.​

 

Diesmal könnte die Bebauung noch näher an die Wohnhäuser heranrücken. Denn der bereits mehrmals verlängerte Pachtvertrag zwischen der Stadt und der Golfclub Göppingen GmbH läuft in gut zwei Jahren aus. Die Kommune muss entscheiden, was dann mit den letzten Filetstücken des ehemaligen US-Kasernengeländes passieren soll. Die Verwaltung hat den Auftrag des Gemeinderats umgesetzt, rechtzeitig Szenarien für die insgesamt 340.000 Quadratmeter zu entwickeln. Drei Varianten kursieren: eine mit einem Schwerpunkt auf Wohnbebauung, eine mit dem Fokus auf Gewerbeflächen und eine, bei der alles bliebe, wie es ist. Die Grundsatzentscheidung soll der Gemeinderat noch dieses Jahr fällen, so der Zeitplan der Verwaltung. Für Claudia Gary, die zwischenzeitlich auch für die Grünen im Göppinger Gemeinderat saß, war das Anlass, sich wieder mit anderen Bewohnern zusammenzutun. Diesmal in der Bürgerinitiative „Naherholung Stauferpark“. Die hat sich vor knapp zwei Wochen gegründet.

Diesmal will man mitreden und mitgestalten

Doch bereits im April hätten sich die Anwohner in einem mit 75 Unterschriften versehenen Brief an die Stadt gewandt. „Wir wollten nicht wieder eiskalt überrascht werden wie damals mit Kleemann.“ Diesmal wolle man mitreden und mitgestalten. Die BI habe einen Lenkungskreis von 16 Leuten, sagt Claudia Gary. „Darüber hinaus haben wir aber sehr viele Unterstützer im Stauferpark und am Galgenberg“. Wie sehr das Thema die Göppinger Stadtpolitik umtreibt, zeigte auch das große Interesse bei einem Hearing im Rathaus, als kürzlich etwa 250 Bürger sich die drei Planungsvarianten erläutern ließen.

Vor einigen Tagen hat die BI dann auf Onlineplattform „Open Petition“ eine Unterschriftenliste gegen die Golfplatz-Bebauung gestartet. Bis Freitagmittag haben etwa 700 Teilnehmer unterzeichnet. Gary hofft, dass noch einige dazukommen. Letztlich sollten es so viele werden, dass es reicht, einen Bürgerentscheid zu erzwingen.​

Die Befürworter einer langfristigen Entwicklung der Stauferpark-Flächen argumentieren unter anderem damit, dass der Flächenverkauf dringend benötigtes Geld in die leeren Stadtkassen bringen würde und der Golfplatz im Flächennutzungsplan als Potenzialfläche für Wohnfunktion ausgewiesen sei. Die Stadt brauche Entwicklungsmöglichkeiten für Wohnen und vor allem für Gewerbe. Wegen der langen Vorlaufzeit müsse jetzt der Grundsatzbeschluss fallen.

Frischluftschneise und Lebensraum für verschiedene Tiere

Die Kritiker einer Bebauung verweisen hingegen auf die Bedeutung der Flächen als Frischluftschneise, als Lebensraum für Vögel, Insekten, Amphibien sowie auf die wichtige Naherholungsfunktion. Sie befürchten bei einer Bebauung eine Zunahme der Verkehrsbelastung am Galgenberg und plädieren stattdessen für den Vorrang der Innenentwicklung. Für Gewerbeansiedlungen gebe es genug Industriebrachen in der Stadt oder der näheren Umgebung.

Emil Frick, Fraktionschef der Freien Wähler Göppingen (FWG) im Gemeinderat, sieht seine Fraktion als „Initialzündung“ für die aktuelle Diskussion und für die Bürgerbeteiligung. Er bezeichnet sich selber als einen der Mit-Initiatoren der Bürgerinitiative, „aber nicht als Fraktionssprecher, sondern als Stadtrat“, wie er betont. Er wisse inhaltlich aber seine Fraktion hinter sich. Claudia Gary berichtet, die Bürgerinitiative habe auch mit den anderen fünf Fraktionen das Gespräch gesucht, sei dabei aber bisher nur bei den Grünen und der SPD erfolgreich gewesen. ​

Die Bürgerinitiative versucht, die Stadträte, die letztlich entscheiden, von den Argumenten zu überzeugen. Erst vor einer Woche hat der Lenkungskreis der Anwohner erneut einen Brief an die Verwaltungsspitze und die Gemeinderatsfraktionen aufgesetzt und auf fünf Seiten detailliert die Argumente dargelegt. ​Die Anwohner fordern dabei, eine Bebauung des Golfplatzes aufzugeben und ihn als Naherholungs-, Freizeit- und Sportfläche sowie Natur- und Klimaschutzfläche baurechtlich dauerhaft zu sichern.​

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