Grütters appelliert an Demokraten Absagestreit um „Feine Sahne Fischfilet“ geht weiter

Von red/epd 

Die Absage eines Konzertes der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ aus Angst vor Rechtsradikalen in Dessau sorgt weiter für Diskussionen. Kulturstaatsministerin Grütters fordert von allen Seiten demokratische Verantwortung. Die Band plant einen alternativen Auftritt.

Die vorpommersche Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ mit ihrem Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow (li.) bei einem Auftritt in Demmin Foto: dpa
Die vorpommersche Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ mit ihrem Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow (li.) bei einem Auftritt in Demmin Foto: dpa

Dessau - Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat in der Debatte um die Absage eines ZDF-Konzertes der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ durch die Dessauer Bauhaus-Stiftung die Kunstfreiheit verteidigt. Es dürfe „niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern“, erklärte Grütters am Samstag in Berlin. Die in Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschriebene Freiheit der Kunst sei eine Lehre aus den Erfahrungen der deutschen Geschichte.

Zugleich forderte Grütters die Künstler auf, ihrer Verantwortung „für ein von rechtsstaatlichen Werten geprägtes Miteinander“ nachzukommen. Dies sei für die Verteidigung der Kunstfreiheit unverzichtbar, so die CDU-Politikerin. Dabei verwies sie unter anderem auf Texte von „Feine Sahne Fischfilet“, die vor Jahren „wegen linksextremistischer Tendenzen“ zur zeitweiligen Beobachtung durch den Verfassungsschutz geführt hatten.

Vergleiche mit dem Echo-Eklat

Grütters zog in der Debatte um „Feine Sahne Fischfilet“ auch einen Vergleich zum umstrittenen Rapper Kollegah. „Der Fall von Kollegah“ habe gezeigt, welche dramatischen Konsequenzen es habe, „wenn Hass und Gewalt verharmlost werden oder dazu aufgerufen wird“, sagte die Kulturstaatsministerin. Die Rapper Farid Bang und Kollegah waren im April trotz Antisemitismus-Vorwürfen und massiver Kritik mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Unter dem öffentlichen Druck entschied der Bundesverband Musikindustrie, den Echo in der bisherigen Form abzuschaffen.

„Verwerfungen wie die aktuellen zeigen, wie dringend nötig auch in der Pop-Musikwelt ein ethischer Kompass ist“, sagte Grütters weiter. „Über all dies“ werde im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF „intensiv zu sprechen sein“, kündigte die Kulturpolitikerin an.

Die Band will nach Dessau

Die Band kündigte unterdessen an, an dem umstrittenen Auftritt in Dessau-Roßlau festzuhalten. Nachdem die Bauhaus-Stiftung das ursprüngliche Konzert im Rahmen einer ZDF-Konzertreihe wegen befürchteter Auseinandersetzungen mit rechten Gruppierungen abgesagt hatte, erklärten die Musiker am Freitagabend auf ihrer Facebook-Seite, dass der Auftritt dennoch wie geplant am 6. November in Dessau stattfinden werde. Zugleich warf die Band der Bauhaus-Stiftung vor, auf Druck von AfD, CDU und der lokalen Neonazi-Szene eingeknickt zu sein. Das setze „neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit“.




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