Die neue Grundschule ist nach einer Persönlichkeit benannt, die im Stillen wirkte, dabei so viele erreicht und berührt hat: Die Frau des früheren Trumpf-Chefs Berthold Leibinger.
Herzlich und entschlossen, dabei stets um die Würde des anderen bedacht: Mit diesen Worten beschreiben Wegbegleiter, wie sie Doris Leibinger zeitlebens wahrgenommen haben. Doris Leibinger stand selbst nicht im Rampenlicht, sie wirkte im Stillen, dabei nicht minder wirkungsvoll als ihr Mann Berthold Leibinger – der Unternehmer, der Trumpf zur Weltfirma machte.
Berthold Leibinger – vom Praktikanten zum Trumpf-Chef
Der einstige Praktikant wurde später zum Chef, dann zum Patriarchen des Maschinenbauers und Laserspezialisten. Dabei wusste er seine Frau Doris an seiner Seite, die sich doch bewusst im Hintergrund hielt. Können, Disziplin, Fleiß, Resolutheit, Durchhaltevermögen, Zusammenhalt und die Bereitschaft, sich in den Dienst einer Sache zu stellen, all das prägte ihr Handeln.
So wirkte sie in ihrer Familie zuhause in Gerlingen, wo sie mit ihrem Mann und den drei Kindern lebte; so wirkte sie dort, wo sie sich darüber hinaus engagierte. Und so soll sie nun auf Generationen von jungen Menschen wirken, die in den nach ihr benannten Doris-Leibinger-Schulen, einer Grundschule nebst Sonderpädagogischem Bildungs- und Beratungszentrum, unterrichtet werden. Am Donnerstag wurde die neu gebaute zentrale Grundschule in Ditzingen nach Doris Leibinger benannt.
Doris Leibinger soll den Schülern Vorbild sein
Doris Leibinger, Mutter der heutigen Vorstandsvorsitzenden des Laserspezialisten Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, war Zeit ihres Lebens kulturell, vor allem aber sozial engagiert. „Es ist mir ein Herzensanliegen, hilfsbedürftigen Kindern, auch solchen, die der Willkür Erwachsener oft wehrlos ausgeliefert sind, hilfreich zur Seite zu stehen.“ Mit diesen Worten hatte sie ihr Engagement begründet, das später in ihrer eigenen Stiftung gebündelt wurde. Die Stiftungsmittel kommen unter anderem jungen Missbrauchsopfern zugute.
Ihre Stiftung unterstützt außerdem Familien bei der häuslichen Pflege von schwerstbehinderten Kindern, und sie engagiert sich für die Verbesserung der oft schwierigen Lebenssituation von blinden und taubblinden Menschen.
1934 in Stuttgart geboren, wuchs Doris Leibinger in Ditzingen auf und machte eine Ausbildung an der privaten Fachschule für das Dolmetscherwesen in Stuttgart. Sie verfolgte ebenso herzlich wie entschlossen ihre sozialen Anliegen. „Der Mensch muss sich aufgerufen fühlen zu helfen – nach seinen Möglichkeiten. Der, der hat, soll großzügig sein“, so soll sie es formuliert haben. Dabei ging es ihr nicht um Almosen, sondern darum, den Menschen mit Respekt zu begegnen und ihnen Würde zu geben.
Doris Leibinger unterstütze über Jahrzehnte die Hospizarbeit
Fast drei Jahrzehnte lang unterstützte sie die Hospizarbeit in Stuttgart, machte sich stark für das Erwachsenenhospiz und das 2017 seiner Bestimmung übergebene stationäre Kinder- und Jugendhospiz. Für diese modellhafte, weit über Stuttgart hinaus ausstrahlende Einrichtung war sie buchstäblich wegweisend, weitere Stuttgarter Einrichtungen verdanken ihrem Einsatz Impulse.
Doris Leibinger starb im Jahr 2021 im Alter von 86 Jahren, zweieinhalb Jahre nach ihrem Mann Berthold.