Grundschulempfehlung Fast die Hälfte geht aufs Gymnasium

Von Claudia Leihenseder 

Viertklässler im Land haben in den vergangenen Tagen ihre Grundschulempfehlung für die weiterführende Schule bekommen. Drei Rektoren erklären, woran sich Eltern orientieren sollten.

Seit dem Jahr 2012 haben die Eltern die Wahl, auf welche weiterführende Schule ihr Kind gehen soll. Foto: dpa
Seit dem Jahr 2012 haben die Eltern die Wahl, auf welche weiterführende Schule ihr Kind gehen soll. Foto: dpa

Rems-Murr-Kreis - Es ist eine Entscheidung, die das Leben prägt: Auf welche Schule soll mein Kind nach der vierten Klasse gehen? Wo ist es am besten aufgehoben? Viele Eltern machen sich die Wahl der weiterführenden Schule nicht einfach, einige sind regelrecht verunsichert. „Wenn ein Kind etwa die Empfehlung für die Realschule nicht hat, wird es schwierig bei uns, weil wir in den ersten zwei Jahren nicht differenzieren“, warnt etwa Monika Behrend, die Rektorin der Realschule in Remshalden. Es einfach trotzdem zu probieren, sei nicht im Sinne des Kindes.

Seit die verbindliche Grundschulempfehlung zum Schuljahr 2012/13 abgeschafft wurde, liegt die Verantwortung über die Wahl der weiterführenden Schule alleine bei den Eltern. Und diese haben – wie die Statistik zeigt – deutlich von diesem Recht Gebrauch gemacht. Gingen im Schuljahr 2011/12 noch landesweit rund 24 Prozent der Schüler auf eine Werkreal- oder Hauptschule, 34 Prozent auf eine Realschule und rund 41 Prozent auf ein Gymnasium, so haben sich diese Zahlen inzwischen deutlich verschoben.

Die Grundschulempfehlung muss seit dem vergangenen Jahr vorgelegt werden

Im Schuljahr 2018/19 wechselten nur noch rund sechs Prozent der Schüler auf eine Werkreal- oder Hauptschule, rund 35 Prozent auf eine Realschule und 43 Prozent auf ein Gymnasium. Für die Gemeinschaftsschule, die es seit dem Schuljahr 2012/13 in Baden-Württemberg gibt, entschieden sich für das laufende Schuljahr rund 13 Prozent der Kinder.

Seit dem Schuljahr 2018/19 müssen Eltern bei der Anmeldung an der weiterführenden Schule die – nach wie vor nicht verbindliche - Grundschulempfehlung vorlegen. Die Folge dieser neuen Praxis – das teilt das Kultusministerium mit – sind leicht veränderte Übertrittsquoten im Vergleich zum Schuljahr 2017/18. In Baden-Württemberg wechselte 2018/19 ein Prozent weniger Schüler aufs Gymnasium und ging stattdessen auf eine der anderen Schularten.

51 Prozent der Realschüler haben auch eine Empfehlung für diese Schulart

Im Rems-Murr-Kreis sind im laufenden Schuljahr genau 3704 Kinder an eine weiterführende Schule gekommen. Auf ein Gymnasium wechselten 1506 Kinder (40,7 Prozent), an eine Realschule 1389 (37,5 Prozent). 56 Kinder (1,5 Prozent) kamen auf eine Werkreal- oder Hauptschule und 676 (18,3 Prozent) auf eine Gemeinschaftsschule. Betrachtet man, mit welcher Grundschulempfehlung die Kinder auf welche Schule wechseln, ergibt sich ein interessantes Bild: Von den 1506 Kindern, die auf ein Gymnasium wechselten, hatten 1338 (88,8 Prozent) auch eine Empfehlung für diese Schulart, 150 (rund zehn Prozent) für die Realschule und 18 (1,2 Prozent) für die Werkrealschule.

Bei den Realschulen ergab sich eine größere Streuung: So hatten 320 (23 Prozent) der neuen Fünftklässler eigentlich eine Gymnasialempfehlung, 708 (51 Prozent) kamen mit einer Realschulempfehlung und 361 (26 Prozent) mit einer Werkrealschulempfehlung. Homogener sah es auf den Werkrealschulen im Kreis aus: Die 56 Schüler, die in das Schuljahr 2018/19 neu starteten, hatten zu 85,7 Prozent auch eine passende Empfehlung. 14,3 Prozent hätten auch eine Realschule besuchen können. Kinder mit gymnasialer Empfehlung wurden nicht an einer Werkrealschule angemeldet.

Eltern sollten sich die Wahl der weiterführenden Schule nicht zu schwer machen

Von den 676 Schülern, die auf eine Gemeinschaftsschule wechselten, hatten im Herbst 2018 genau 502 (74,3 Prozent) eine Werkrealschulempfehlung, 124 (18,3 Prozent) kamen mit einer Empfehlung für eine Realschule und 50 Kinder (7,4 Prozent) mit einer gymnasialen Empfehlung. In der Gemeinschaftsschule Korb sieht die Verteilung laut Rektor Thomas Kuntz anders aus: Die Kinder, die derzeit dort die fünfte Klasse besuchen, hätten zu je einem Drittel eine Empfehlung für Werkrealschule, Realschule oder für das Gymnasium. „Wir haben den Idealzustand für uns“, so Kuntz.

Zu schwer sollten sich die Eltern allerdings die Wahl für eine weiterführende Schule nicht machen. „Es ist nie eine endgültige Entscheidung für einen bestimmten Abschluss“, sagt Schulleiter Henning Zimmermann vom Heinrich-von-Zügel-Gymnasium. Die Empfehlung sei zwar ein guter Anhaltspunkt, an welcher Schule ein Kind mit seinen Fähigkeiten und Talenten gut aufgehoben sei. In Baden-Württemberg gelte allerdings die Devise: Kein Abschluss ohne Anschluss. „Unser Schulsystem ist durchlässig“, betont Zimmermann.