Grundschulen in Stuttgart-Zuffenhausen Eltern fühlen sich verschaukelt

Von Torsten Ströbele 

Die neuen Erstklässler an der Rosenschule sollen an zwei unterschiedlichen Standorten unterrichtet werden. Mütter und Väter beschweren sich, dass ihnen etwas anderes versprochen wurde. Eine einvernehmliche Lösung ist nicht in Sicht.

Die Rosenschule wird ab September Ganztagsschule. An der Markgröninger Straße wird deshalb noch eine Mensa gebaut. Foto: Torsten Ströbele
Die Rosenschule wird ab September Ganztagsschule. An der Markgröninger Straße wird deshalb noch eine Mensa gebaut. Foto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Zuffenhausen - An der Rosenschule fühlen sich Eltern belogen und verschaukelt. Am Montag fand ein Gespräch mit dem Schulverwaltungsamt und dem Staatlichen Schulamt statt, um die Wogen zu glätten. So wirklich gelungen ist das nicht.

Der Unmut bei mehr als 30 Müttern und Vätern ist seit einigen Tagen groß. Bislang waren sie alle davon ausgegangen, dass ihre künftigen Erstklässler ab dem kommenden Schuljahr das Halbtagsangebot an der Markgröninger Straße wahrnehmen werden. „Das wurde uns mehrfach versprochen – an Elternabenden im Februar 2017 und im Februar 2018“, heißt es in der Elternschaft. Anfang April bekamen die Mütter und Väter dann aber Post vom Schulverwaltungsamt: „Heute möchten wir Ihnen miteilen, dass alle künftigen Erstklässler, die für die Halbtagsschule angemeldet sind, ab September 2018 am zweiten Standort der Rosenschule in der Hohensteinstraße 25 unterrichtet werden.“ Diese Nachricht „hat uns doch sehr überrascht“, heißt es in einem Brief der Eltern an den Zuffenhäuser Bezirksbeirat.

Die betroffenen Mütter und Väter sehen an dem neuen Standort gleich mehrere Probleme: Zum einen liege die Außenstelle der Rosenschule an der Hohensteinstraße in einem sozialen Brennpunkt. „Alkoholkonsum und Drogenhandel finden in unmittelbarer Nähe statt.“ Zum anderen erhöhe sich der Schulweg für einige Kinder teilweise um mehr als einen Kilometer. Die meisten der neuen Erstklässler im Halbtagszug kämen aus dem Bereich zwischen Hördt- und Frauenstegstraße. Für den weiten Weg bis zur Hohensteinstraße müsse man zu Fuß sicherlich mindestens 45 Minuten einkalkulieren. „Darüber hinaus müssen so ziemlich alle großen Hauptstraßen in Zuffenhausen überquert werden, was ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt“, betonen die Eltern in ihrem Beschwerdebrief. Ihre Forderung: Die Mädchen und Buben mit langem Schulweg oder mit Geschwisterkindern an der Rosenschule sollen an der Markgröninger Straße unterrichtet werden.

Die Suche nach einem Kompromiss

Dass man leider nicht allen Wünschen gerecht werden kann, betonten Vertreter des Schulverwaltungsamtes und des Staatlichen Schulamtes am Montag bei einer Informationsveranstaltung gegenüber den betroffenen Eltern. Es tue ihnen leid, dass es zu „Irritationen“ gekommen sei. In der Kommunikation sei wohl einiges schief gelaufen, gaben Vertreter des Schulverwaltungsamtes zu. Nun wolle und müsse man versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und eine Lösung zu finden. Viele Optionen gebe es allerdings nicht. Denn der Gemeinderat habe im März vergangenen Jahres im Rahmen der Änderung der Grundschulbezirksgrenzen in Zuffenhausen eine klare Zielvorgabe formuliert: Nachdem die vierzügige Rosenschule im September mit ihrem Ganztagsbetrieb startet, müssen an der Markgröninger Straße noch die räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Doch die notwendige Erweiterung kann am jetzigen Standort nicht in vollem Umfang durchgeführt werden. Das Grundstück ist zu klein und das Gebäude denkmalgeschützt. Nur der Bau einer Mensa ist an der Markgröninger Straße möglich. Zudem soll es am Standort statt der vier künftig nur noch maximal drei Eingangsklassen geben. Mindestens eine Klasse soll am Standort Hohensteinstraße unterrichtet werden.

Was dieser Gemeinderatsbeschluss nun für die Rosenschule bedeute, zeige sich erst nach der Schulanmeldung, die im März stattfand, heißt es beim Schulverwaltungsamt. „Nicht mit einer Silbe wurde das bisher erwähnt“, sagt eine betroffene Mutter. „Es hieß immer, dass wir die Wahl haben, ob wir unsere Kinder an die Hohenstein- oder an die Markgröninger Straße schicken wollen.“ Den Schwarzen Peter wollte am Montag niemand freiwillig übernehmen. Dem Schulverwaltungsamt war aber daran gelegen, einen Kompromiss zu finden und schlug zwei Lösungen vor: Rein rechnerisch gibt es zwei neue Ganztags- und zwei neue Halbtagsklassen. Somit könnten entweder beide Halbtagsklassen an der Hohensteinstraße unterrichtet werden, mindestens aber eine. Für letztere Option müsse man aber etwa 20 Halbtags-Kinder finden, die sich bereit erklären, an der Hohensteinstraße eingeschult zu werden. Bislang hätten aber nur sieben Elternpaare offiziell den Wunsch geäußert, ihr Kind an die Hohensteinstraße schicken zu wollen. Weitere Freiwillige fanden sich am Montag nicht.

Allen Eltern wird man es nicht Recht machen können

Aus der Elternschaft kamen noch einige Vorschläge, die bei der Verwaltung allerdings auf wenig Gegenliebe stießen: Eventuell die Grundschul-Förderklasse oder die Internationale Vorbereitungsklasse an die Hohensteinstraße ziehen zu lassen oder an beiden Standorten Mischklassen mit Ganz- und Halbtagskindern zu bilden – dies lehnten Schulverwaltungsamt und Staatliches Schulamt ab. Prüfen wolle man immerhin, ob nicht ausnahmsweise und nur für ein Schuljahr eine Ganztagsklasse an der Hohensteinstraße unterkommen könnte. Dann hätten die aktuell betroffenen Halbtags-Eltern wenigstens mehr Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Viele Hoffnungen, dass dies klappt, wollte man den Müttern und Vätern am Montag allerdings nicht machen.

Am Ende der Veranstaltung schluckten die Eltern mangels Alternativen erst einmal die Kröte Hohensteinstraße: Lieber sollten alle Halbtagskinder dort unterrichtet werden, als dass eine Trennung der Klassen herbeigeführt wird und bei der man es auch nicht allen Eltern Recht machen kann. Irgendjemand würde sich bei dieser Lösung immer benachteiligt fühlen. Allerdings wolle man auch noch einmal an die Gemeinderatsfraktionen herantreten, um eventuell doch noch eine andere Lösung herbeizuführen.

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