Grundschulen und Kitas wieder offen Disziplinierte Kinder am ersten Tag

Kinder in einer Kita malen das „böse Coronavirus“. Foto: dpa/Bernd Thissen

Kitas und Grundschulen haben nach neunwöchigem Lockdown wieder geöffnet. Und das Lehrkräfte und Kita-Personal nun geimpft werden sollen, beflügelt die Debatte um mehr Präsenzunterricht.

Stuttgart - Die schrittweise Öffnung von 9300 Kitas und 2500 Grundschulen am Montag ist laut Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) „reibungslos“ und „ohne nennenswerte Probleme“ verlaufen. Die Rückmeldungen aus den Schulen zeigten, dass Schulleitungen, Lehrkräfte und Erzieher und Erzieherinnen die jüngste Zeit intensiv genutzt hätten, um eine gute Wiederaufnahme des Unterrichts zu ermöglichen. Eisenmann begrüßte das Vorziehen des Impfens für Lehrkräfte und das Kita-Personal: „Eine vorzeitige Impfung ist auch wichtig im Hinblick auf eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht, der für die Schülerinnen und Schüler von enormer Bedeutung ist.“

 

Lehrkräfte erhalten nur den Impfstoff Astrazeneca

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hatte am Sonntag die Zusage gemacht, dass sich das Bildungspersonal schon ab Montag für einen Impftermin anmelden könne. Möglich wird die frühere Impfung vor allem durch die breite Verfügbarkeit des Impfstoffs von Astrazeneca, der nun auch in den Impfzentren des Landes verwendet werde, so Lucha. Baden-Württemberg soll bis Mitte März rund 450 000 Dosen geliefert bekommen. Im Land arbeiten rund 140 000 Lehrkräfte, 100 000 Personen sind in den Kitas beschäftigt. Eine Sprecherin des Sozialministeriums bestätigte am Montag, dass Lehrkräfte und Erziehungspersonal nur mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden sollen.

GEW fordert rasch Schnelltests für die Schülerschaft

Die GEW-Landeschefin Monika Stein sagte, sie hoffe, „dass alle schnell Impftermine angeboten bekommen“. Das Impfen sei aber nur ein Punkt aus vielen Vorschlägen für sicheres Arbeiten in Kitas und Schulen: „Was wir noch schneller brauchen, sind Schnelltests auch für Schülerinnen und Schüler sowie endlich mehr Personal, damit die Schulen die nächsten 20 Schulwochen gut bewältigen.“

Auch Jens Linek vom Bildungsverband VBE begrüßte die Impfzusage: „Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte müssen sich ungeschützt in Situationen begeben, denen sich kaum jemand anderes stellen muss.“ Nämlich dass Personen aus vielen Haushalten stundenlang in einem Raum sind. Was die Wiederöffnung anbelangt, teilt der VBE die Ansicht des Ministeriums: Es sei ruhig und geordnet abgelaufen, die Einrichtungen seien gut vorbereitet gewesen. „Die meisten Kitas hatten in den letzten Wochen ohnehin bis zu 80 Prozent der Kinder im Haus, sodass es Montag kaum einen Unterschied gab“, so Linek.

Kinder kamen am ersten Tag mit Maske

In den Schulen seien fast alle Kinder da gewesen, die meisten pünktlich: „Die Kinder waren sehr diszipliniert, einige trugen Masken.“ Gerade bei kleineren Kindern seien aber Lerndefizite erkennbar gewesen. Weder in Kitas noch in Grundschulen besteht in Baden-Württemberg Maskenpflicht.

Ralf Scholl vom Philologenverband wies daraufhin, dass seit Montag auch in den Abschlussklassen weiterführender Schulen ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht stattfindet. Er berichtete von einem Gymnasium, das Leistungskurse alle in Präsenz stattfinden lasse, bei den Basiskursen sei es unterschiedlich. „Viele Schulen gehen an oder über die Grenze des vom Ministerium an Präsenz beabsichtigten hinaus“, so Scholl.

Über den Anteil der Lehrkräfte mit Attest und den Kindern, die sich von der Präsenzpflicht befreien lassen haben, liegen keine neuen Daten vor. Ein Sprecher des Kultusministeriums erklärt, dass die Anträge hierfür einmal im Schuljahr eingingen. Laut Zahlen vom Oktober 2020 waren drei Prozent der Lehrkräfte wegen Attesten oder Schwangerschaft nicht im Präsenzunterricht, von den Schülern waren ein Prozent abgemeldet worden.

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