Grundsteuervergleich im Kreis Wo man am teuersten im Landkreis wohnt
Die Wohnkosten werden unter anderem von der Grundsteuer B beeinflusst. Wo es am teuersten und wo am billigsten im Landkreis Böblingen ist.
Die Wohnkosten werden unter anderem von der Grundsteuer B beeinflusst. Wo es am teuersten und wo am billigsten im Landkreis Böblingen ist.
Von 2,69 Euro in Tübingen und 2,62 in Stuttgart, bis 11 Cent pro Quadratmeter in Emeringen bei Zwiefalten – die Höhe der Grundsteuer B für Wohngrundstücke zeigt, wie tief der Graben zwischen Land und Stadt in Baden-Württemberg manchmal sein kann. In einer aufwendigen Recherche haben unsere Datenjournalisten die Grundsteuer B in Baden-Württemberg erhoben und dabei auch die Daten im Landkreis Böblingen verglichen.
Demnach lebt es sich am teuersten in Sindelfingen mit 1,70 Euro pro Quadratmeter, danach kommt die Stadt Leonberg mit 1,63 Euro und Böblingen liegt an dritter Stelle mit 1,57 Euro. Stolze Preise, auch wenn man mit dieser Summe immer noch einen guten Euro unter den Baden-Württembergischen Spitzenreitern wie Tübingen und Stuttgart liegt.
Den niedrigsten Wert der Grundsteuer B zahlt man in Jettingen mit 64 Cent pro Quadratmeter. Im hinteren Drittel liegen auch Weissach mit 85 Cent, Gäufelden mit 80 Cent, Weil im Schönbuch mit 77 Cent, Deckenpfronn mit 74 Cent und Mötzingen mit 70 Cent. Dabei geht es nicht unbedingt nur um das Wohnen. Die Grundsteuer B wird für bebaute und unbebaute Grundstücke erhoben, also für jede Art von Grundbesitz, mit Ausnahme für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Für sie gilt die Grundsteuer A. Im Gespräch ist auch die Grundsteuer C, die für Bauerwartungsland gelten könnte und damit die sogenannten Enkelgrundstücke dem Markt zuführen soll.
Betrachtet man das Niveau im gesamten Land Baden-Württemberg, liegt der Kreis Böblingen bei den Preisen für die Grundsteuer B ziemlich weit oben, vermutlich geschuldet durch die Nähe zu Stuttgart, denn in 90 Prozent der Gemeinden in Baden Württemberg zahlt man weniger als einen Euro und bewegt sich in einem Korridor 36 und 76 Cent.
Kritiker unserer Erhebung könnten einwenden, dass die genaue Quadratmeterzahl der Wohnungen und Grundstücke nur dem Finanzamt vorliege und nicht pauschal ermittelt werden könne.
Jedoch basieren die Zahlen auf einer exklusiven Analyse unserer Redaktion. Dafür haben wir die Grundsteuer für rund 2,3 Millionen Flurstücke in Baden-Württemberg berechnet, die laut dem amtlichen Liegenschaftskataster in Wohn- oder Mischgebieten liegen und die ganz oder teilweise zum Wohnen genutzt werden. Berücksichtigt wurden die Quadratmeterzahlen und Bodenrichtwerte der Flurstücke sowie der Grundsteuer-Hebesatz der Gemeinde.
Für jede Gemeinde ergibt sich daraus, wie viel Grundsteuer man dort im Schnitt pro Quadratmeter bezahlt. Die Berechnung macht erstmals alle Gemeinden im Kreis vergleichbar. Sie erlaubt eine Annäherung, aber keine exakten Aussagen über die tatsächlichen Grundsteuerbescheide oder die Gesamteinnahmen der Kommunen.
Entscheidend waren drei öffentlich zugängliche Zahlen: Bodenrichtwert, Hebesatz und Grundstücksgröße. So ließ sich für jede Gemeinde ein Durchschnitt in Euro pro Quadratmeter ermitteln – allerdings ohne Rückschluss auf individuelle Steuerbescheide oder kommunale Einnahmen.
Berücksichtigt wurden nur Flurstücke, die im Kataster als Wohn- oder Mischgebiet ausgewiesen sind und bebautes Wohneigentum enthalten. Gewerbeflächen blieben außen vor, um den Fokus auf Wohngrund zu richten – auf das, was Eigentümer und Mieter wirklich betrifft. Die Daten stammen vom Landesamt für Geoinformation und Landesentwicklung.
Natürlich sind diese Werte nur ein momentaner Spiegel. Weil durch die anhaltende Wirtschaftskrise die Gewerbesteuer eingebrochen ist, drehen viele Gemeinden erneut an den Hebesätzen. „Anpassung“ heißt das im Amtsdeutsch, aber natürlich ist damit immer eine Erhöhung gemeint.