Gruppenausfahrten für Frauen Safe Spaces für Stuttgarter Radlerinnen
Die Female Cycling Force möchte radfahrende Stuttgarterinnen sichtbarer machen – der Höhepunkt: das zweiwöchige Festival „Female Cycling Summer“.
Die Female Cycling Force möchte radfahrende Stuttgarterinnen sichtbarer machen – der Höhepunkt: das zweiwöchige Festival „Female Cycling Summer“.
„Meine ersten 200 Kilometer auf dem Rennrad habe ich nur geschafft, weil eine Freundin mich begleitet und motiviert hat.“ Für Rebekka König ist Radfahren ein Gemeinschaftserlebnis – und das, obwohl die Stuttgarterin es als ehemalige Triathletin lange Zeit gewohnt war, alleine unterwegs zu sein. „Bei meinem ersten Group Ride wurde mir bewusst, welchen Unterschied die Gemeinschaft und das Gruppengefühl machen.“
Genau diese Erfahrung möchte König an andere radfahrende Frauen weitergeben. Seit rund zwei Monaten baut die 41-Jährige in Stuttgart den – nach München und Freiburg – dritten Standort der Female Cycling Force auf. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, sichere Räume für Radfahrerinnen zu schaffen, in denen sie zusammenkommen und sich austauschen können. „Der Radsport ist weitgehend von Männern dominiert“, erklärt König. „Für Frauen können solche Gruppen sehr einschüchternd sein. Sie finden oft schwer Anschluss, trauen sich nicht, ihre Bedürfnisse zu äußern oder haben Angst, nicht als kompetent wahrgenommen zu werden.“ Besonders in großen Gruppen, in denen viele Männer zusammenkämen, gebe es häufig eine Dynamik, die für Frauen zur Herausforderung werden könne.
Ein Grund dafür ist auch, dass Frauen auf dem Rad oft andere Bedürfnisse haben als ihre männlichen Kollegen: „Eine starke Frau kann natürlich körperlich gut in einer Männergruppe mitfahren, aber es gibt Momente, die in so einer Gruppe schwierig werden können: Wenn man zum Beispiel seine Periode hat und eine Toilette mit Waschbecken braucht“, ordnet König ein.
Genau deshalb möchte die Female Cycling Force eine Anlaufstelle für alle Frauen sein, die sich für das Radfahren begeistern – egal, wie alt oder fit sie sind oder wie gut sie sich mit dem Sport bereits auskennen. „Wir wollen Räume schaffen, in denen Frauen sich trauen, sichtbar zu sein. Es geht uns darum, uns gegenseitig zu unterstützen und den Zugang zum Radfahren so niedrigschwellig wie möglich zu machen“, erzählt König.
Dafür bietet sie gemeinsam mit zwei weiteren Frauen ein- bis zweimal pro Woche Gruppenausfahrten an. Kilometerzahl, Route und Geschwindigkeit werden vorab über eine Online-Plattform geteilt, auf der Interessierte sich anmelden können. Rund 60 Frauen haben so in den letzten zwei Monaten bisher an den sogenannten Group Rides teilgenommen. Außerdem organisiert die Female Cycling Force spezielle Fahrten, bei denen Lernen und Austausch im Zentrum stehen: Wenn man gemeinsam fahre, sei es zum Beispiel wichtig, die Gruppenzeichen zu kennen, erklärt König. „Es gibt internationale Zeichen, die in einer Gruppe signalisieren, wenn ein Hindernis auf der Strecke kommt oder die Gruppe abbiegen will. Viele Fahrerinnen wissen nicht, wie diese Zeichen genau verwendet werden. Das üben wir dann gemeinsam.“
Der Startpunkt für die gemeinsamen Ausfahrten ist der Stuttgarter Fernsehturm – und das aus gutem Grund. „Dahinter steckt ein Stuttgart-Phänomen“, sagt Rebekka König. „Viele Gruppen starten zum Beispiel am Marienplatz. Aber mir haben immer wieder Frauen berichtet, dass sie nicht direkt am Anfang mit so vielen Höhenmeter starten möchten, weil sie danach schon kaputt sind. Also starten wir am Fernsehturm, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto gut erreichbar ist.“
An ihrer Arbeit mit der Female Cycling Force sei es für sie das Schönste, zu sehen, wie sich Freundschaften zwischen den teilnehmenden Frauen entwickelten, so König weiter. „Wir haben viele Frauen, die sich inzwischen auch abseits unserer Events gemeinsam zum Radfahren verabreden“
Auf diese Stimmung will König aufbauen: Ab dem 31. August organisiert die Female Cycling Force gemeinsam mit dem Stuttgarter Radcafé Fietsen ein zweiwöchiges Festival, den „Female Cycling Summer“. Das Motto: Bewegung, Austausch und Empowerment. An insgesamt elf Events können interessierte Radfahrerinnen während der Festivalwochen teilnehmen: Die Gruppe bietet verschiedene Ausfahrten zwischen 50 und 100 Kilometern Länge, entspannte Anfängerinnen-Rides oder Yoga- und Mobility-Sessions an, die speziell auf die Bedürfnisse von radfahrenden Frauen ausgelegt sind.
Ein Highlight des Festivals: Bei einem Schrauberinnen-Workshop bekommen die Teilnehmerinnen Einblicke in die Mechanik ihrer Rennräder. Eine Mechanikerin erklärt Hintergründe und Funktionsweise von Kette, Kassette und Co. „Das Festival mündet dann in unsere Cheering Zone. Am 14. September feuern wir gemeinsam die Profi-Frauen beim Women’s GP an“, so König. Anmelden können sich Interessierte über die Online-Plattform „Grouprides.cc“.